Angekommen in Sneek nach Starkwind auf dem Isselmeer

Wir haben es wie geplant bis nach Sneek geschafft, wo wir sehr schön direkt in der Innenstadt liegen:

Der letzte Blogeintrag endete damit, dass wir kurz vor dem Isselmeer waren.

Viele Leute haben mich vor dem Isselmeer gewarnt! Bei Starkwind steht dort eine ganz unangenehme, kurze und steile Welle die Seekrankheit garantiert, so hört man.

Ehrlich gesagt kann ich das nicht bestätigen. Wir hatten 20 Knoten Wind, in Böen bis 30 Knoten – das ist Windstärke 5, in Böen 6-7. Aus Richtung Südwest, wir hatten also kurz nach dem Kettelmeer keinen Landschutz mehr. Hier sieht man die Hamburg-Flagge am Bug steif im Wind stehen:

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Aber beeindruckend fand ich den Seegang jetzt nicht. Mehr als ein Meter Welle kann nicht gewesen sein. Ich hab Videos gemacht, die kann ich von hier aus aber nicht hochladen, da müsst Ihr Euch gedulden.

Einen wesentlichen Anteil an meinem nicht-beeindruckt-sein hat aber natürlich die Julius: Das bisschen Seegang ist für dieses Schiff nicht im Ansatz bemerkenswert. Als der Seegang direkt seitlich kam haben wir mal die Stabilisatoren auf Stufe 1 (von 3 möglichen) angeschaltet und dann war jedes Rollen unterbunden und die Julius hat nur noch ein wenig gestampft.

Nach einer Kursänderung kamen die Wellen dann achterlich, was bei diesem Rumpf sowieso kein Problem ist – da konnten wir die Stabilisatoren auch wieder abschalten.

Gelernt habe ich, dass die Stabilisatoren auf Stufe 1 ungefähr einen halben Knoten Fahrt kosten, auf Stufe 3 ungefähr ein Knoten.

Unterwegs haben wir auch die verschiedenen Modi der Ruderanlage getestet. Die Steuerung mit dem Tiller (Hebel) finde ich sehr gut – das ist fast ein Gefühl wie an der Pinne eines Segelbootes. Die Ruderwirkung ist sehr schnell und fein einzustellen. Irgendwas ist da aber noch verstellt, weil das Ruder immer einen leichten Drall nach Backbord hat, wenn der Tiller in Mittelstellung ist.

Der Autopilot funktioniert einwandfrei und hält den gewählten Kurs auch bei Seegang ziemlich gut. Und der Modus „Baw Pilot“ (wo eine gerade Linie gehalten wird oder eine Kurve mit voreingestellter Drehrate) funktioniert, ist aber glaub ich eher etwas für große Binnenschiffe. Für die Julius jedenfalls habe ich den Sinn noch nicht erkannt.

Also haben wir das Isselmeer trotz Starkwind sehr gut hinter uns gebracht und sind dann in Lemmer wieder in einen Kanal geschleust, auf dem wir dann bis nach Sneek gefahren sind. Unterwegs hatten wir übrigens viel Sonne, so dass es unter der Persenning am Außensteuerstand erstaunlich warm war.

In Sneek allerdings gilt noch der Winterschlaf für die Liegeplätze in der Stadt: Alle Landstromanschlüsse sind noch abgedeckt und außer Betrieb. Und das, wo ich heute morgen extra ein neues Landstrom-Kabel gekauft habe. Und der Generator ja noch außer Betrieb ist.

Also habe ich noch mal ein ernstes Wort mit dem Generator gewechselt und dabei sein Kraftstoffsystem entlüftet. Das half aber noch nicht – der Anlasser drehte, aber der Generator sprang nicht an.

Nun ist ja ein Generator nichts anders als ein Dieselmotor, der an einem Stromgenerator angeflanscht ist. Und was macht man, wenn ein Motor unwillig startet? Man gibt mehr Gas und hofft, dass es hilft. Jeder Motor hat einen Gashebel, so auch der Generator-Motor, bei dem der Gashebel aber in einer bestimmten Stellung fixiert ist, damit der Motor immer mit konstanter Drehzahl läuft.

Also habe ich kurz diesen Gashebel gesucht und gefunden. Leo hat dann den Generator gestartet während ich im Maschinenraum hockte und sanft am Gashebel gezogen habe – und siehe da: er startete. Ein paar Sekunden lang lief er unruhig, aber dann hat er sich besonnen und auf normalen Betrieb eingependelt.

Da war ich ziemlich glücklich. Denn ohne Generator und ohne Landstrom hätten wir nicht kochen können. Und das wäre für die Moral der Crew schlecht gewesen.

Nun war aber alles gut. Zwischendurch habe ich noch kurz die Warmluft-Rohre der Heizung isoliert, damit die Wärme auch in der Kabine ankommt und nicht im Maschinenraum und den Schränken. Das hat einen erheblichen Unterschied gemacht!

Also können wir jetzt kochen, es ist warm im Schiff und uns geht es gut.

Abgelegt und die erste Schleuse hinter uns

Wir sind unterwegs! 

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Um kurz nach neun haben wir abgelegt und waren um 1010 an der ersten Schleuse, wo wir angemeldet waren. Daher konnten wir sofort einfahren und wurden sofort geschleust.

Nun sind wir kurz vor dem Isselmeer und ich bin gespannt, wie der Seegang da ist.

Zwei Sachen sind allerdings noch nicht perfekt: Der Generator startet noch nicht so recht und gestern hab ich unser Landstromkabel geschmolzen. Weil es kalt war, liefen zwei Heizlüfter… und dafür war das Kabel wohl nicht ausgelegt. Irgendwann sprang die Sicherung am Steg als ich geguckt habe warum, war die Isolierung am Kabel an einigen Stellen geschmolzen.

Also saßen wir erstmal ohne Landstrom und Generator da.

Heute morgen hab ich aber noch ein neues Kabel kaufen können, und der Generator muss wahrscheinlich nur mal entlüftet werden. Anfangsprobleme halt.

Ansonsten tuckern wir mit 6,6 Knoten bei 1000 Umdrehungen Richtung Isselmeer.

Heute geht es los nach Elburg, morgen startet die Überführung

Heute um 1515 fährt die Bahn in die Niederlande. Heute Abend gegen 2100 kommen wir dann in Elburg an, und morgen um 0800 geht es los. An der ersten Schleuse sind wir für 0900 angemeldet.

Dann haben wir ein kurzes Stück über das Isselmeer bis nach Lemmer. Leider ist morgen Süd 5-6 angesagt. Das könnte ein guter Test für die Stabilisatoren werden, das Isselmeer ist ja für seine unangenehm kurze Welle bekannt. Andererseits kommt bei Süd die See von achtern, das dürfte bei dem Boot ziemlich angenehm sein. Und ein gutes Stück sind wir auch noch unter Landschutz.

Ab Lemmer sind wir dann aber erstmal bis Montag in Kanälen unterwegs. Vom Sturm am Sonntag bekommen wir also vermutlich nicht viel mit.

Montag dann von Delfzijl an Emden vorbei in die Ems. Da ist auch noch ordentlich Wind, aber wir starten bei Niedrigwasser und dann liegt die meiste Gegend trocken, da dürfte also kaum Seegang sein. Außerdem haben wir Wind mit dem Strom. Dann sind wir weiter Binnen unterwegs bis Bremerhaven.

Und Stand heute ist für Donnerstag/Freitag nur 3-4 angesagt und dann könnten wir nach Helgoland. Wir werden sehen. Drückt die Daumen, das alles klappt!

Heute morgen

Ich bin heute früh aufgestanden, um kurz vor sieben. Nach dem ersten Kaffee und kleinen Arbeiten wollte ich dann so gegen 0800 mal raus, weil die Sonne schien und es ein sehr schöner Morgen war.

Also kurz meinen super Rymhart Troyer übergeworfen, raus aus der Kajüte auf das Achterdeck und schon fand ich mich auf dem Hosenboden wieder: es war offensichtlich kalt heute Nacht, und auf dem ganzen Deck war eine feine Eisschicht, auf der ich prompt ausgerutscht bin. Die Reling, die Hülle – alles war mit Eis überzogen.

Das war zwar wackelig zum laufen, sah aber sehr schön aus. Hier mal ein Bild der Julius im morgentlichen Zwielicht:

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Ich habe dann noch einen kleinen Morgenspaziergang über das Gelände von Elburg Yachting gemacht. Es ist nicht zu glauben, was da alles für Yachten herumliegen und -schwimmen. Darunter Schiffe um die 20 Meter für unfassbar viel Geld – mir hat das aber nur gezeigt, was für einen guten Fang ich mit der Julius gemacht habe.

Ein paar Stunden später war noch schöneres Licht:

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Und als Lohn nach all der Arbeit musste ich einfach eine ganz kurze Runde drehen 🙂 Ich habe überlegt, ob ich das Risiko eingehen soll, alleine mit diesem vom Manövrierverhalten her unbekannte Boot aus dem Hafen rauszubugsieren. Aber es war kaum Wind, und (kalkuliertes) Risiko gehört zum Leben. Also Motor an und los!

War auch überhaupt kein Problem. Ich habe wie immer die drei goldenen Regeln (die ich von der Kinette gelernt habe) befolgt:

  1. Langsam
  2. Langsam
  3. Langsam

und bin perfekt aus dem Hafen heraus und auch wieder hinein gekommen.

Die auf sechs Zylinder verteilten 8,4 Liter Hubraum erzeugten einen sehr sonoren und satten Sound, der aber durch die gute Isolierung nur leicht im Hintergrund zu vernehmen ist. Die Sonne schien, es war erstaunlich warm und ich habe 20 Minuten lang einen winzigen Schluck von den Erlebnissen, die mit diesem Schiff auf uns zukommen werden, gekostet.

Und ich bin sicher: Julius und ich, wir werden gute Freunde werden.

Und eigentlich war es ja auch eine absolut nötige Probefahrt, um zu sehen, ob auch alles funktioniert 🙂

Die ersten 32 Stunden auf dem neuen Boot

Gestern, am Freitag, bin ich gegen 13 Uhr in Elburg, Niederlande, angekommen. Nach kurzem Plausch und Kaffee trinken mit meinem Betreuer bin ich zum Kran gegangen und war sehr erfreut, meine Julius schon in den Gurten hängen zu sehen.

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Einen Augenblick später ging es auch schon los und in zehn Minuten war das Schiff im Wasser. Der Hafenmeister hat es dann mit mir zusammen an den Steg gefahren und mir einen Wasserschlauch gegeben, damit ich den Tank auffüllen konnte (was übrigens bummelig 40 Minuten gedauert hat… 1.100 Liter sind schon eine ganze Menge…).

Den Rest des Tages habe ich mit dem Schleppen von Kisten und Taschen aus dem Auto zum Schiff und einräumen der in den Kisten und Taschen befindlichen Sachen zugebracht. Hier mal eine Momentaufnahme:

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Abends gegen 2000 war dann alles soweit eingeräumt und das Schiff halbwegs aufgeklart. Zwischendurch kam noch der vorherige Eigner vorbei und hat sich erkundigt, ob alles in Ordnung ist und mir noch ein paar Sachen erklärt – sehr nett!

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