Angekommen in Sneek nach Starkwind auf dem Isselmeer

Wir haben es wie geplant bis nach Sneek geschafft, wo wir sehr schön direkt in der Innenstadt liegen:

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Sneek

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Sneek 53.033239, 5.666585

Der letzte Blogeintrag endete damit, dass wir kurz vor dem Isselmeer waren.

Viele Leute haben mich vor dem Isselmeer gewarnt! Bei Starkwind steht dort eine ganz unangenehme, kurze und steile Welle die Seekrankheit garantiert, so hört man.

Ehrlich gesagt kann ich das nicht bestätigen. Wir hatten 20 Knoten Wind, in Böen bis 30 Knoten – das ist Windstärke 5, in Böen 6-7. Aus Richtung Südwest, wir hatten also kurz nach dem Kettelmeer keinen Landschutz mehr. Hier sieht man die Hamburg-Flagge am Bug steif im Wind stehen:

DSC04194

Aber beeindruckend fand ich den Seegang jetzt nicht. Mehr als ein Meter Welle kann nicht gewesen sein. Ich hab Videos gemacht, die kann ich von hier aus aber nicht hochladen, da müsst Ihr Euch gedulden.

Einen wesentlichen Anteil an meinem nicht-beeindruckt-sein hat aber natürlich die Julius: Das bisschen Seegang ist für dieses Schiff nicht im Ansatz bemerkenswert. Als der Seegang direkt seitlich kam haben wir mal die Stabilisatoren auf Stufe 1 (von 3 möglichen) angeschaltet und dann war jedes Rollen unterbunden und die Julius hat nur noch ein wenig gestampft.

Nach einer Kursänderung kamen die Wellen dann achterlich, was bei diesem Rumpf sowieso kein Problem ist – da konnten wir die Stabilisatoren auch wieder abschalten.

Gelernt habe ich, dass die Stabilisatoren auf Stufe 1 ungefähr einen halben Knoten Fahrt kosten, auf Stufe 3 ungefähr ein Knoten.

Unterwegs haben wir auch die verschiedenen Modi der Ruderanlage getestet. Die Steuerung mit dem Tiller (Hebel) finde ich sehr gut – das ist fast ein Gefühl wie an der Pinne eines Segelbootes. Die Ruderwirkung ist sehr schnell und fein einzustellen. Irgendwas ist da aber noch verstellt, weil das Ruder immer einen leichten Drall nach Backbord hat, wenn der Tiller in Mittelstellung ist.

Der Autopilot funktioniert einwandfrei und hält den gewählten Kurs auch bei Seegang ziemlich gut. Und der Modus „Baw Pilot“ (wo eine gerade Linie gehalten wird oder eine Kurve mit voreingestellter Drehrate) funktioniert, ist aber glaub ich eher etwas für große Binnenschiffe. Für die Julius jedenfalls habe ich den Sinn noch nicht erkannt.

Also haben wir das Isselmeer trotz Starkwind sehr gut hinter uns gebracht und sind dann in Lemmer wieder in einen Kanal geschleust, auf dem wir dann bis nach Sneek gefahren sind. Unterwegs hatten wir übrigens viel Sonne, so dass es unter der Persenning am Außensteuerstand erstaunlich warm war.

In Sneek allerdings gilt noch der Winterschlaf für die Liegeplätze in der Stadt: Alle Landstromanschlüsse sind noch abgedeckt und außer Betrieb. Und das, wo ich heute morgen extra ein neues Landstrom-Kabel gekauft habe. Und der Generator ja noch außer Betrieb ist.

Also habe ich noch mal ein ernstes Wort mit dem Generator gewechselt und dabei sein Kraftstoffsystem entlüftet. Das half aber noch nicht – der Anlasser drehte, aber der Generator sprang nicht an.

Nun ist ja ein Generator nichts anders als ein Dieselmotor, der an einem Stromgenerator angeflanscht ist. Und was macht man, wenn ein Motor unwillig startet? Man gibt mehr Gas und hofft, dass es hilft. Jeder Motor hat einen Gashebel, so auch der Generator-Motor, bei dem der Gashebel aber in einer bestimmten Stellung fixiert ist, damit der Motor immer mit konstanter Drehzahl läuft.

Also habe ich kurz diesen Gashebel gesucht und gefunden. Leo hat dann den Generator gestartet während ich im Maschinenraum hockte und sanft am Gashebel gezogen habe – und siehe da: er startete. Ein paar Sekunden lang lief er unruhig, aber dann hat er sich besonnen und auf normalen Betrieb eingependelt.

Da war ich ziemlich glücklich. Denn ohne Generator und ohne Landstrom hätten wir nicht kochen können. Und das wäre für die Moral der Crew schlecht gewesen.

Nun war aber alles gut. Zwischendurch habe ich noch kurz die Warmluft-Rohre der Heizung isoliert, damit die Wärme auch in der Kabine ankommt und nicht im Maschinenraum und den Schränken. Das hat einen erheblichen Unterschied gemacht!

Also können wir jetzt kochen, es ist warm im Schiff und uns geht es gut.

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