Boot Internet: Im Hafen. Unterwegs. Vor Anker. Und bezahlbar.

Internet auf dem Ankerplatz - bequem, stabil, für alle Geräte.
Internet auf dem Ankerplatz – bequem, stabil, für alle Geräte.

Ich habe mich erneut dem Thema „Boot Internet“ gewidmet und die bisherige Lösung erheblich verbessert.

Meine neue Lösung ist etwas aufwändiger als der bisherige Huawei UMTS/WLAN Hotspot, dafür aber auch erheblich leistungsfähiger und kann – vor allem – nun auch Hafen- oder sonstige WLANs nutzen.

Mit der richtigen Anleitung ist der Nachbau meiner Lösung einfach, obwohl ein paar Kenntnisse von Netzwerk-Technik notwendig sind. All das möchte ich vermitteln und werde dazu mehrere Artikel schreiben.

Für die ganz eiligen Leser fange ich aber jetzt schon mal mit einer Einkaufsliste für das Boot Internet an:

Der TP-Link Router kann mittels stabilisierten 12V auch direkt versorgt werden, ohne 230V Inverter.

Inhalt

Diese Serie besteht aus fünf Teilen:

Nun aber zum ersten Teil der Artikelserie:

Vorweg

Sei gewarnt: Diese Serie wird wirklich technisch. Lies weiter, wenn du dich grundsätzlich mit Handys, Tablets und Computern auskennst und endlich mal verstehen willst, wie dieses ganze Geraffel eigentlich ins Internet kommt und was all die lustigen Begriffe wie Gateway, Router und NAT bedeuten. Alle anderen Leser können diese Artikel getrost ignorieren.

Rückblende: Die einfache Lösung für Boot Internet mittels Mobilfunk

Bisher haben wir Boot Internet vor allem über Mobilfunk mit Hilfe eines Huawei E5377s-32 Mobilfunk-Hotspots genutzt. Damit können bis zu acht Geräte (Tablet, Bordcomputer, Kindle…) das Internet nutzen.

Der Huawei E5377 kann sich eigentlich auch über ein Hafen-WLAN an das Internet hängen und alle eigenen Geräte dann darüber versorgen. In der Theorie klingt das super, denn damit kann teures Mobilfunk-Internet gespart werden.

In der Praxis hat das aber nie zuverlässig funktioniert, daher lief immer die Verbindung über Mobilfunk. Das ist auch schnell und funktioniert zuverlässig und praktisch überall. Doch Deutschland ist ja leider Entwicklungsland hinsichtlich Mobilfunktarife, und jedes Gigabyte kostet richtig Geld. Angesichts der Tatsache, dass mittlerweile alle Geräte ständig Updates laden, Apps aktualisieren und sonstwas im Netz machen, kann man da arm werden.

Daraufhin habe ich mich damit beschäftigt, wie ich diese automatischen Verbindungen kontrollieren und sperren kann. Mit den hier beschriebenen Maßnahmen hatte ich einigen Erfolg, aber nicht genug: Das Datenkontingent schmolz immer noch erstaunlich schnell dahin.

Ein neuer Lösungsansatz musste her

Router und POE Adapter beim Test zu Hause für Boot Internet.
Einige Komponenten beim Test zu Hause.

Etwas, was das Boot Internet eine Stufe professioneller macht und diesen Anforderungen entspricht:

  • Exzellente WLAN Empfangs- und Sendeleistung, um Internet via Hafen-WLANs oder freie WLANs am Ankerplatz zuverlässig nutzen zu können.
  • Alternativ Internet über 4G oder 3G Mobilfunk.
  • Anschluss für viele Geräte auf dem Boot – der Huawei war auf acht Geräte begrenzt, und an diese Grenze sind wir (erstaunlicherweise) bereits gestoßen (3 x Handy, 1 x Bordcomputer, 3 x Kindle, 2 x iPad, 1 x Macbook…).
  • Eine Firewall, bei der ich Datenverkehr anhand von Domainnamen (und nicht IP-Adressen, die sich ändern können!) sperren kann, um all die automatischen Updates der Geräte zuverlässig zu unterbinden.
  • Eine Firewall, die unser Netz an Bord vor bösen Sachen aus einem öffentlichen oder Hafen-WLAN schützt.
  • Stromversorgung über 24V.
  • Wenig Aufwand für die Installation.
  • Und schließlich: Bezahlbar soll es sein.

Tatsächlich bietet der Markt mittlerweile ein paar tolle Lösungen, wie beispielsweise den Yacht Router von Locomarine. Da ist alles drin und dran und automatisiert.

Doch so eine Lösung kostet zwischen 1.200 und 1.800 Euro… und das ist erheblich mehr, als ich für Boot Internet ausgeben wollte.

Nach ausführlichen Recherchen habe ich nun meine Lösung gefunden, die für mich funktioniert und erstaunlich schnell konfiguriert war. Jedenfalls wenn man weiß, wie ein Netzwerk funktioniert. Für alle anderen erkläre ich im nächsten Teil dieser Serie die Konfiguration in hoffentlich ausreichender Detaillierung.

[Fortsetzung hier in Teil 2!]


Anmerkung: Für meine Artikel und Produktempfehlungen werde ich vom Hersteller nicht honoriert. Ich schreibe grundsätzlich nur über das, was mir gefällt ohne jegliche Verpflichtung gegenüber Dritten.

13 Kommentare zu “Boot Internet: Im Hafen. Unterwegs. Vor Anker. Und bezahlbar.

  1. Jens-Peter Bax

    Hallo Julian.
    Ich bin gespannt. Da lacht des IT-Bastlers Herz natürlich. Ich habe mich ob der beengten Platzverhältnisse damal für das Glomex Weboard 1004 entschieden. Natürlich ist die Lösung teuer als selber bauen, hat aber mehrere Vorteile. 1. Sie ist einfach. Nicht jeder verfügt über das notwendige Fachwissen. Wir ITler sind da ja eh speziell 2. Es funktioniert gut. Zugegeben, ich habe bisher noch nie die Funktion „Hafen WLan Einspeisung“ benutzt, aber wir hatten immerhin bis zur Tonne H2 Internet (Vodafone) 3. Es war einfach zu installieren. Nur 12 Vot und Netzwerkkabel auf den Mast und fertig. Gerade bei einem Stahlboot ist es ja wichtig, die Antenne hoch nach draussen zu bekommen.

    Allerdings gebe ich zu, das ich die Standardinstallation noch dergestalt geändert habe, das nicht jeder im Hafen mein WLan sieht und dass dieses entsprechen gesichert ist.

    Welchen Provider benutzt Du eigentlich?

    LG Jens

    1. Julian Buß

      Das Glomex Teil hatte ich mir auch angeguckt, aber aus irgendeinem Grund verworfen.. ich glaub, da muss man die SIM Karte direkt an der Antenne reinstecken, und das schien mir ziemlich umständlich.

      Außerdem erzeugt der Glomex das Boots-WLAN ja auch vom Mast aus, und da hatte ich gedacht, dass das schwierig beim Stahlboot unter Deck sein kann – funktioniert das sauber bei Euch?

      Ich nehm Aldi-Talk, 5GB für 14,99 Euro.

      1. Jens-Peter Bax

        Moin Julian,
        ja, die SIM muss bei der Glomex direkt in den Dome gesteckt werden.
        Mir persönlich missviel das erst sehr, da ich Sicherheitsbedenken hat.

        Aber der Dome sitzt oben auf dem Mast. Um an die SIM zu kommen, muss mann schon den Mast senken und dann wird es ziemlich fummelig. Für die Paranoiden unter uns (soll ja bei ITlern vorkommen), kann man die SIM auch direkt IM Dome in den Router stecken. Ist noch umständlicher, aber dann muss man den Dome auch noch aufschrauben, bevor man an die Karte kommt.

        Ich hab mich letztlich dagegen entschieden, aber dafür die auffällige Beschriftung des Dome abgeknibbelt. So sieht nur eingeweihter, was in dieser Dome ist. Zudem habe ich den eingebauten Axxesspoint abgeschaltet. Das Teil funkt reichlich weit, da oben auf dem Mast. Dafür habe ich ein Netzwerkkabel in das Boot geführt und dann dort einen anständigen AP mit Apfel drauf angeschlossen 🙂

        Der Vorteil ist halt, das alles sehr einfach ist. Praktisch braucht man nur 12v Strom auf dem Mast und das war es. Alles andere ist im Dome. Einfach und Funktional. Dafür auch eben teuer. Vor allem, wenn sich ein Fachmann ansieht, was letztlich da an Technik drin verbaut ist. Die LTE Antenne besteht aus 2×2 Platinen von ca. 10x10cm. LTE braucht ja zwei Antennen.

        https://shop.glomex.it/477-thickbox_default/it1004-webboat-coastal-internet-4g-wi-fi.jpg

        Ich weiss nicht, ob der Link korrekt angezeigt wird, aber das ist das Schema des Dome.
        Der Accesspoint ist von TP-Link, von wem das Modem ist, habe ich noch nicht herausgefunden.

        Alles in allem ein Materialwert von vielleicht 300 Euro. Aber wie so immer, das Endergebnis macht den Preis.

        Jedenfalls hat die Lösung eine enorme Reichweite. Die Internetverbindung über Vodafone (15GB für 39,95.-) brach erst bei Tonne H2 Hohwachter Bucht ab.

        Es besteht auch die Möglichkeit, das Hafen WLan in das interne WLan einzuspeisen. Dafür enthält das Modem einen WLan EthernetClient. Allerdings habe ich das bisher noch nicht gebraucht. Wenn ich Vereinzelt Updates herunterzuladen habe, logge ich die Geräte direkt ins Hafennetz ein.

        PS: Wer einen aktuellen Raymarine Plotter hat, der hat die Hafen-WLan-Integration bereits. Der Plotter verbindet sich zum Hafennetzwerk und gibt das Internet dann an alle angeschlossenen Geräte weiter.

        LG Jens

        1. Julian Buß

          Ja, auch eine gute Lösung. Wenn ich dann nach DK oder Schweden fahre würde ich es nervig finden, in den Mast zu krabbeln um die SIM zu wechseln 🙂
          Der Glomex Dome kostet immerhin weniger als diese Yachtrouter-Lösungen von Locomarine 🙂

          Der Ubiquit Bullet hat aber noch andere schicke Features, auf die ich noch zu sprechen kommen werde 🙂

          1. Jens-Peter Bax

            Die Eierlegendewollmilchsau gibt es auch hier nicht. Bald sind wir ein Europa, auch beim Handy…

            LG Jens

  2. Klaus Kobald

    Ich versuche mich gerade in das Thema reinzulesen. Es gibt viele Versionen von dem Bullet. M2 ist wohl das 2.4Ghz Teil. Ist das vernüftiger, als ein 5Ghz Gerät? Ich sehe leider bei den Beschreibungen nicht, ob die M5 auch 2.4Ghz können. Dann gibts auch noch nano, pico, titan, airgrid – schaut aus wie eine antenne it aber anscheinend ein router – verwirrend.
    Verstehe ich das richtig: das M2 verbindet sich zu einem wlan und gibt es an das TPlink weiter, welches dann sein eigenes lan aufbauen kann?
    Was passiert aber mit all den Captive Wlans, wo man per Browser einloggen muss?

    1. Julian Buß

      Moin,

      meiner Meinung nach ist die 2.4GHz Variante die momentan beste Option, da die Hafen-WLANs auf absehbarer Zeit 2,4GHz Technik haben werden, um möglichst viele Geräte zu bedienen.

      WLANs zum Einloggen sind kein Problem. Der Bullet verbindet sich zum WLAN und gibt die Verbindung zum TP-Link weiter, der sie wiederum an die eigenen Geräte weitergibt. Das erste eigene Gerät, mit dem man dann ins Internet will, bekommt die Anmeldeseite. Wenn man sich dann anmeldet, denkt das Hafen-WLAN, dass die Anmeldung vom Bullet kommt und damit ist dann der Bullet gegenüber dem Hafen-WLAN angemeldet.

      Insgesamt ist die Auswahl an Geräten kompliziert, und auch die ganzen Konfigurationsoptionen sind komplex. Deswegen habe ich versucht, meine Lösung im Detail zu beschreiben, damit man das einfach nachbauen kann.

      Wenn Du die von mir vorgeschlagene Lösung nachbaust beachte meinen neuesten Artikel (Nr. 7) in der Reihe mit Problemen und Lösungen, da steht eine wichtige Konfig-Option gerade für WLANs mit Anmeldeseite drin.

  3. Jürgen

    Hallo Julian. AirOS (das OS vom Bullet) akzeptiert ja nur SSIDs, die aus ASCII-Zeichen bestehen. Kennst du eine Möglichkeit, dem Bullet auch nicht-ASCII-Zeichen schmackhaft zu machen? Wir sind gerade in der dänischen Dyvig und die WLAN-SSID des südlichen Yachthafens ist sehr dänisch. 😉 Noch funktioniert das Einloggen in den gegenüber liegenden Dyvig Bro, aber der Empfang wird erfahrungsgemäß gegen Abend meist schlechter.

      1. Jürgen

        Hallo Julian
        vielen Dank für deine Antwort. Es geht hier um das dänische „å“, dieses Zeichen wird nicht akzeptiert, weder über die Auswahlliste, noch manuell eingegeben. Der Hafen hat sich hier offenbar über die SSID-Konvention hinweg gesetzt und das AirOS ist hier pingelig. Aber wir können das WLAN im gegenüber liegenden Hafen ganz gut nutzen. Passt also trotzdem.

        1. Julian Buß

          Moin,

          ich hatte jetzt das gleiche Problem in Agersø und tatsächlich einen Trick gefunden: Unter „System“ kannst du die aktuelle Konfiguration downloaden. Die .cfg Datei kannst Du mit einem Texteditor öffnen. Suche nach „wireless.1.ssid“ und trage dort die gewünschte SSID ein.
          Z.B.

          wireless.1.ssid=Agersø Havn

          Dann in der Bullet-Konfig diese Konfig wieder hochladen (direkt unter dem Download-Button im Tab „System“).

          Beim Upload der Konfig wird die SSID nicht auf ASCII-Zeichen überprüft und daher problemlos akzeptiert 🙂

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