Frage und Antwort: Große Fahrt 2027 in die schwedischen Schären – oder doch bis Oslo?

Bordhund Ole steht auf den glatten Granitfelsen von Ulön und blickt über die Schärenlandschaft ins Abendlicht, im Hintergrund Wasser und felsige Inseln unter klarem Himmel.
Ulön, schwedische Westküste, August 2022: Ole auf Ausguck am Fels.

Thomas fragt mich zur großen Fahrt 2027: Von Lemmer über Kiel und die Kieler Woche in die schwedischen Schären. Und hat dafür gleich einen kompletten Zeitplan mitgebracht:

Sein Zeitplan sieht so aus:

  • Start 07.06.2027: Überführung von Lemmer nach Kiel in einer Woche, Ankunft am 17.-18.06.
  • Route wahlweise der lange Schlag von Lauwersoog nach Cuxhaven oder über Groningen, Emden und den Ems-Jade-Kanal via Wilhelmshaven nach Cuxhaven, dann Nord-Ostsee-Kanal.
  • Dann: Kieler Woche.
  • Danach drei Wochen mit seiner Frau Richtung Göteborg. Bewusst ohne feste Planung, nur Kopenhagen als Zwischenziel, sonst Schären – je nach Wetterlage auch Trollhättan- und Dalslandkanal. Seine Frau mustert in Göteborg ab und reist von dort heim.
  • Wahrscheinlich eine Woche solo, dann kommt sein Sohn: gemeinsam ein paar Fische fangen zwischen Schweden und Dänemark – wieder mit Göteborg als An- und Abreisehafen.
  • Rückweg nach Lemmer in drei Wochen.

Seine Nimbus 335 Coupe (Baujahr 2011, Volvo Penta D4-300) hat im vergangenen Jahr komplett neue Elektronik bekommen: Raymarine Axiom 16 Zoll-Plotter, Quantum-Radar, Autopilot NAC 150 mit EV-1-Kurscomputer. Reisefahrt meist 6-8 Knoten, bei 3000/min auch 18. Und er liebt Nachtfahrten.

Blick von einer felsigen Anhöhe auf eine geschützte Bucht in den Stockholmer Schären: Segelboote und Yachten liegen zwischen Granitfelsen mit Heidekraut, im Hintergrund weitere Inseln.
Vaxholmen, August 2022: Eine geschützte Bucht voller Boote – so sehen Liegeplätze in den Schären aus.

Er fragt mich:

Ist Göteborg zu wenig ambitioniert, wäre Oslo auch noch erreichbar, was denkst Du?

Hast Du ein paar gute Tips was die Reiselektüre angeht? Dänische Südsee reizt mich bspw. deutlich weniger als die Schären wenn ich ehrlich bin.

Ankern würde ich sehr gerne, auch alleine, da bin ich fein mit. Gibt es da Handbücher die einem die Auswahl ein bisschen erleichtern? So ganz alleine in eine völlig unbekannte Schäre trau ich mich dann auch wieder nicht mit meinem Plastikdampfer 😉

Und hier meine Antwort:

Kiel – Göteborg in drei Wochen ist definitiv entspannt machbar. Eine Route wäre durch den großen Belt, dann an die dänische Ostküste -> Anholt -> rüber nach Schweden. An der schwedischen Küste fangen die Schären leicht nördlich von Anholt an, wenn man da ist, ist man schon mal ganz gut geschützt.

Meist ist im Sommer in der Ecke eher westlicher Wind, daher ist der Weg via dänischer Ostküste und dann in zwei Sprüngen über das Kattegat oft eine gute Möglichkeit. Außerdem ist Anholt super schön.

Mit Halt in Kopenhagen – was natürlich super schön ist – müsst ihr dann halt ab Helsingborg oder Helsinør passendes Wetter abwarten und dann einfach an der schwedischen Küste hochfahren. Mit etwas Zeit zum warten auf das passende Wetterfenster überhaupt kein Problem.

Göteborg ist auf jeden Fall eine gute Wahl für Crewwechsel. Den Hafen in der Stadt (Lille Bommen oder so heißt der) hat mich nicht begeistert, teuer, eng, laut. Aber zum kurzen Halt ist das ok. Alternative: Honö Kläva oder so ähnlich, weiter draußen, am Anfang des Fahrwassers nach Göteborg. Nette kleine Insel mit guter Anbindung an Göteborg via ÖPNV.

Mit Oslo würde ich mich auf keinen Fall stressen bei dem Zeitplan. Klar, wenn du viel Brennstoff verbrauchen und ständig schnell fahren willst ist das schaffbar, aber wozu? Die westschwedische Schärenwelt alleine bietet so viel zu erleben und zu sehen, und der Weg nach Oslo durch den Oslofjord zieht sich ziemlich hat man mir erzählt. Nee, würde ich nicht machen.

Ankern: Auf deinem MFD wirst du ja Navionics haben mit den Sonar Charts, mehr brauchst du nicht zum ankern. Ich habe Seekarten generell und die Sonar Charts insbesondere in der Area als sehr exakt erlebt. Und Felsen bewegen sich ja nicht, die werden auch jetzt noch stimmen 🙂

Lektüre: Die Reiseführer von Deliius Klasing gibt es für die Ecke in zwei Teilen glaub ich. Sehr nützlich!

Ich habe in der Gegend die vorherige Routenplanung als sehr wichtig empfunden: Tage oder wenigstens den Abend vorher die Route exakt planen, dann am nächsten Tag einfach abfahren – ob manuell oder via Autopilot. Wenn schon vorher alle kniffligen Punkte bekannt und mittels Route geplant sind spart das viel Stress unterwegs.

Für die Routenplanung bin ich nicht so der Freund von MFDs, was aber auch damit zu tun hat, dass meine MFDs kleiner sind (12“) und ich das rumgetippe mit den Fingern darauf immer als hakelig empfunden habe. Beim modernen Raymarine 16“ MFD ist das vermutlich mittlerweile anders.

Ich hatte damals bei der großen Reise nach Norwegen ein PC basiertes System, wo ich am großen Screen mit Maus und Tastatur sauber arbeiten konnte. Jetzt nutze ich ja Orca parallel zum Raymarine System. Abends entspannt im Salon zu hocken und auf dem iPad oder Macbook in Ruhe die Route zu planen klappt damit super.

Blick vom Vorschiff eines Boots auf einen Sonnenuntergang über dem ruhigen Wasser der schwedischen Schären, Inseln als Silhouetten am Horizont, der Himmel von Orange zu Blau.
Marstrand, August 2022: Sonnenuntergang hinter den Schären.

Und mein Nachtrag zum Radar und zur Nachtfahrt

Zum Radar und Nachtfahrt: ein Radar ist nur so gut wie derjenige, der es bedient 🙂 Hier hilft nur üben, üben, üben. Ich lasse seit Jahren das Radar bei jeder Fahrt mit laufen, auch bei bester Sicht. Und ich gucke da ständig rauf und bringe Radarbild und optische Wahrnehmung übereinander, nur kann man die Erfahrung aufbauen die man braucht, wenn man mal wirklich nichts mehr sieht.

So geübt ist eine Nachtfahrt tatsächlich kein Problem mehr – außer in den Schären, da würde ich das tatsächlich lassen. Bei der Masse an Hindernissen wäre mir das zu stressig.

Und Thomas meldet sich nochmal

Mit dem Radar hast du völlig recht! Wer glaubt es einmal nachts oder bei unsichtigen Wetter anmachen zu können und glaubt in der Lage zu sein die Bilder zu interpretieren liegt falsch. Ich lasse es auch meistens mitlaufen, das ist bei mir gelebte Praxis seit ich vor Rügen Lachsangeln gehe. Im Januar-April gehts da vor Rügen schon öfter mal zur Sache und da ist man froh wenn man sich auch übers Radar informieren kann. Diesbezüglich halte ich mich also für fit.
Nachtfahrt sehe ich auch nur für größere offene Seestücke, hier kann mir die Technik helfen mal ein paar Minuten Schlaf zu finden. In engen Fahrwassern wäre mir das auch deutlich zu anstrengend.

Soweit dieser Briefwechsel. Ich bin gespannt, wie es im Juni 2027 losgeht – vielleicht ergeben sich da Berichte und Ergänzungen hier im Blog. Und vielleicht haben andere Leser noch Tipps für Thomas, sei es zur Route, zum Ankern in den Schären oder zur Lektüre? Her damit, als Kommentar!

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