Anholt: Lazy Day mitten im Meer.

Anholt in Sicht.
Anholt in Sicht.

Endlich ist die Insel, die mitten im Meer liegt, in Sicht. Nach Anholt wollten wir schon lange, es hat aber nie so recht gepasst. Vorletztes Jahr sind wir in der Nacht einfach vorbeigefahren, weil wir keine Zeit mehr hatten und schnell von den schwedischen Schären bei Göteborg an die Dänische Ostküste übersetzen wollten.

Anholt: Es soll so schön sein dort! Eine Trauminsel, auf der im Hochsommer auf jeden Einwohner um die 40 Touristen kommen. Saubere, feine, endlose Sandstrände sollen uns erwarten. Wann kann das besser passen als jetzt, bei diesem unvorstellbar sonnigem Sommer?

Wir verlassen Kerteminde mitten in der Nacht.
Wir verlassen Kerteminde mitten in der Nacht.

„Ich bin total gerädert. Mir ist schlecht. Wie lange noch?“

Steffi geht es nicht gut. Leo und Lena sind entspannt: Kunststück, wenn sie die Nacht durchschlafen konnten. Steffi und ich sind aber schon um 0215 aufgestanden und haben so leise wie möglich aus Kerteminde abgelegt.

Der Wind war mäßig, es stand aber immer noch See und die Fahrt war sicher nicht quälend, aber unruhig. So richtig erholsamen Schlaf hat meine Frau nicht finden können, und auch immer wieder tagsüber zu dösen hat nicht geholfen. Zwei unkomfortable 13 Stunden Schläge am Stück hinterlassen ihre Spuren.

„Anholt ist in Sicht, etwas über eine Stunde noch.“

antworte ich. Mich nervt der Seegang auch, körperliche Erschöpfung spüre ich aber nicht. Das wäre auch unvorteilhaft, denn wir werden erst gegen halb fünf im Hafen ankommen. Um auf Anholt einen brauchbaren Platz zu bekommen ist das allen Erzählungen nach viel, viel zu spät. So steht uns wahrscheinlich eine interessante Liegeplatzsuche bevor, die einen konzentrierten Skipper erfordert.

Kurz vor dem Hafen von Anholt. Wie erwartet ist er voll. Sehr voll.
Kurz vor dem Hafen von Anholt. Wie erwartet ist er voll. Sehr voll.

Wir gleiten durch das Wasser, klar wie ein Gebirgsbach. Es ist fast zehn Meter tief, und doch können wir den sandigen Grund sehen. Wunderschön. Doch die Arbeit wartet:

„Wir sind kurz vor dem Hafen, aufstehen alle Mann!“

rufe ich nach unten. Die Crew löst sich von ihren Beschäftigungen, auch Steffi steht einige Minuten später mit peinigenden Kopfschmerzen neben mir. Sie schaut in das Wasser, sieht die Schönheit, kann sie aber momentan nicht wahrnehmen.

„Steffi, setz‘ dich, in deinem Zustand bist du keine Hilfe. Wir machen den Anleger alleine.“

Als Skipper muss ich auch erkennen, ob ein Crewmitglied eine Hilfe bei einem Manöver ist – oder nicht.

„Das sieht voll aus.“

Dieser Feststellung von Leo ist nichts hinzuzufügen. Wir sehen hunderte Masten. „Es ist üblich, in zweiter Reihe an Heckankern zu liegen.“ meint der Revierführer: Die Boote liegen mit dem Bug am Steg, das Heck an einer Boje befestigt. Und wenn kein Platz mehr ist, legt man sich halt hinter eines dieser Boote, mit dem eigenen Bug am Heck des anderen. So die Theorie, die für leichte Segelboote sicher gültig ist. Aber welcher Segler möchte den hohen Bug der über 25 Tonnen schweren JULIUS in seinem Rücken haben?

„Come with me, I’ll guide you!“

Ein Jugendlicher in einem Hafenmeister-Schlauchboot nimmt uns in Empfang, kurz nachdem wir durch die Einfahrt gefahren sind. Die Marina von Anholt ist durch lange und mächtige Molen geschützt, die einen recht große, relativ geschützten Bereich vor dem eigentlichen Hafen bilden. „Bei ruhigem Wetter kann man im Notfall im Vorhafen ankern“, auch das steht im Revierführer, und dieser Satz kommt mir sofort in den Sinn als wir uns dem Innenhafen nähern.

Noch in der Einfahrt zum inneren Hafen stehend gebe ich rückwärts und halte das Boot an.

In dieses Gedränge mit über 25 Tonnen Stahl? Lieber nicht.
In dieses Gedränge mit über 25 Tonnen Stahl? Lieber nicht.

„Nee, das vergessen wir mal ganz schnell. Im Leben fahre ich da nicht rein und lege mich in ein Achterpäckchen oder an das Heck von einem Segelboot.“

Der Hafen könnte überquert werden, ohne nasse Füße zu bekommen, so dicht an dicht liegen die Yachten. Mit einem Kunststoffboot kann man sich in so ein Gedränge begeben: Bei langsamer Fahrt können solche Boote mit Händen und Füßen voneinander abgehalten werden. Aber mit einem massiven Stahlschiff wie der JULIUS? Und wer möchte so ein Schwergewicht am Ende eines Päckchens liegen haben?

„Wir ankern im Vorhafen. Mit dem Bug zur Mole, langsam ranfahren, dann Hauptanker fallen lassen. Dinghy schnell klarmachen, Schiff etwas zurücktreiben lassen, dann Heckanker mit dem Beiboot ausbringen.“

umreiße ich meine Idee.

Alles funktioniert exakt wie geplant. Mein Sohn Leo bringt mich ungeduldigen Menschen oft zum Wahnsinn, wenn er ihm aufgetragene Jobs im Tempo einer Schildkröte erledigt. Aber wenn es darauf ankommt, ist verlass auf den Jungen: Noch während ich den Buganker einfahre, lässt er das Schlauchboot zu Wasser, damit ich den Heckanker platzieren kann. Auf die sportliche Herausforderung, diesen Anker mitsamt Kette durch Muskelkraft wieder zu bergen, freue ich mich jetzt schon: Was wir als Heckanker verwenden, sehe ich auf mancher 15m Motoryacht als Hauptanker… aber das Problem stellt sich erst übermorgen.

So ist es viel besser: Entspannt vor Anker im Vorhafen.
So ist es viel besser: Entspannt vor Anker im Vorhafen.

Nun sind wir fest. Auf Anholt. Mit einem Premiumplatz, um Hafenkino zu gucken – hier vor Anker zu liegen gefällt uns viel, viel besser als wie die Sardinen in der Büchse, gegenüber, im Innenhafen.

Später bringe ich noch eine Landleine aus, weil für die Nacht etwas Wind angesagt ist. Erstmal aber ist ein erster Landgang angesagt. Steffi fühlt sich immer noch elend, ich kann sie aber überzeugen, mitzukommen: Etwas Bewegung bringt den Kreislauf in Schwung, so hoffe ich.

Die rustikale Strandbar.
Die rustikale Strandbar.

Wir sehen die berühmte Strandbar, atmen das Leben im Hafen und bekommen eine erste Ahnung davon, was für wunderbare Strände uns erwarten. Aber es ist auch schön, später auf unserem Boot im Vorhafen, etwas abseits der vielen Menschen zu sein. Gerade im Urlaub genießen wir es, Abstand von Trubel zu haben.


Lange, sehr schöne Strände säumen die Insel. Etwas abseits wird es direkt einsam.
Lange, sehr schöne Strände säumen die Insel. Etwas abseits wird es direkt einsam.

Die Sonne brennt schon morgens früh, als ich am nächsten Tag Bordhund Ole mit dem Schlauchboot an Land bringe und dort mit ihm am Strand entlanglaufe. Ein weiterer echter Sommertag erwartet uns, auf der dafür gemachten Insel.

Zurück auf dem Boot mit dem ersten Kaffee in der Hand beobachte ich von unserem Logenplatz aus interessiert das gehen und kommen im Innenhafen. Tatsächlich laufen jetzt schon Yachten ein, vermutlich in der Hoffnung, zumindest um diese Zeit einen brauchbaren Platz zu bekommen. Morgens um acht Uhr.

Steffi ist wieder fit. Wir spazieren, wir baden, wir toben mit dem Hund: Es ist ein Lazy Day, der wohlverdiente Ruhetag, wie er nicht besser sein könnte.

Wassersport im Hafen.
Wassersport im Hafen.
Der Skipper fährt mit seinem Bordhund an Land.
Der Skipper fährt mit seinem Bordhund an Land.
Anholt im perfekten Sommer. Geht es noch schöner?
Anholt im perfekten Sommer. Geht es noch schöner?
Dinghy Landeplatz im Vorhafen.
Dinghy Landeplatz im Vorhafen.

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