Die ersten 32 Stunden auf dem neuen Boot

Gestern, am Freitag, bin ich gegen 13 Uhr in Elburg, Niederlande, angekommen. Nach kurzem Plausch und Kaffee trinken mit meinem Betreuer bin ich zum Kran gegangen und war sehr erfreut, meine Julius schon in den Gurten hängen zu sehen.

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Einen Augenblick später ging es auch schon los und in zehn Minuten war das Schiff im Wasser. Der Hafenmeister hat es dann mit mir zusammen an den Steg gefahren und mir einen Wasserschlauch gegeben, damit ich den Tank auffüllen konnte (was übrigens bummelig 40 Minuten gedauert hat… 1.100 Liter sind schon eine ganze Menge…).

Den Rest des Tages habe ich mit dem Schleppen von Kisten und Taschen aus dem Auto zum Schiff und einräumen der in den Kisten und Taschen befindlichen Sachen zugebracht. Hier mal eine Momentaufnahme:

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Abends gegen 2000 war dann alles soweit eingeräumt und das Schiff halbwegs aufgeklart. Zwischendurch kam noch der vorherige Eigner vorbei und hat sich erkundigt, ob alles in Ordnung ist und mir noch ein paar Sachen erklärt – sehr nett!

Nachdem ich was gegessen hatte konnte ich mich beim Bier fragen, ob ich das fassen kann, dass dieses Schiff nun meins ist? Nein, ich habe beschlossen, es noch nicht fassen zu können. Das dauert noch.

Denn: nicht nur, dass die Julius ein echt seegehender Motorkreuzer ist, richtig schön schiffig aussieht und ohne Ende professionelle Technik an Bord hat – sie bietet auch noch völlig ungewohnten Luxus:

  • Essen mal eben warm machen? Einfach in die Mikrowelle stellen.
  • Kurz mal abwaschen? Einfach Wasserhahn auf „heiß“ stellen und es kommt heißes Wasser.
  • Laptop betreiben, Smartphone laden und so weiter? Einfach den Stecker in die Steckdose stecken! (Auch ohne Landstrom)
  • Morgens duschen? Ja, na klar, in der eigenen Dusche an Bord.

Das sind nur ein paar Beispiele… das ist schon Komfort wie zu Hause, und das auf einem Schiff! Unglaublich!

Heute am Samstag dann habe ich am Schiff gearbeitet. Neben Kleinigkeiten wie dem Wechsel der Flaggen (achtern die große Nationale und am Bug weht nun die Hamburg-Flagge)…

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…standen auch aufwändigere Sachen auf dem Programm:

  • Austausch des Plotters am Außensteuerstand gegen meinen Raymarine e7.
  • Einbau einer 24V Steckdose am Außensteuerstand.
  • Ziehen eines 10m USB Kabels vom Außensteuerstand zum Kartentisch innen, um darüber AIS Daten mittels eines Actisense USG-1 zum Navigations-Notebook transportieren zu können.

Der Ausbau des alten Plotters und Verkabeln des Raymarine war relativ einfach. Aber ich habe schon geahnt, dass das ziehen des Kabels von außen nach innen anstrengend wird. Und genau so war es.

Der Weg war mir klar, aber natürlich liegen im entsprechenden Schacht schon gefühlte drei Millionen Kabel, so dass da kaum noch Platz war. Vier mal habe ich versucht, das USB Kabel so wie es ist durchzuziehen. Bei jedem Versuch musste ich erst mal ein stabiles, drahtähnliches Kabel von innen nach außen hochschieben, daran dann das USB Kabel mit Tape befestigen, das ganze mit Spüli einschmieren und dann von innen her ziehen.

Und jedes Mal ging es super – bis zu einem bestimmten Punkt. Irgendeine Öffnung, die ich nicht einsehen konnte und die einfach zu klein war für den dicken USB Stecker.

Jungejunge hat sich das hingezogen. Da habe ich bestimmt zwei Stunden mit verbracht, ohne einen Millimeter vorangekommen zu sein.

Dann habe ich eingesehen, dass es so halt einfach nicht geht und habe das Kabel getrennt, so dass ich nur noch das Kabel, aber nicht mehr den dicken Stecker durchziehen musste. Das ging dann schnell – aber der Preis war, dass ich die beiden Enden wieder zusammen löten musste, Das sind nur vier Litzen, aber alle natürlich sehr filigran, dazu noch die Abschirmung wieder herstellen, alles ordentlich isolieren und so weiter… dauerte auch alles seine Zeit.

Und nachdem ich vom Außensteuerstand mit dem Kabel nach innen gelangt war, musste ich ja noch zum Kartentisch damit. Auch das bedingte die Demontage von diversen Möbelteilen und war nicht mal eben gemacht.

Insgesamt habe ich also mehr als den halben Tag alleine damit verbracht, dieses eine USB Kabel zu ziehen und wieder betriebsbereit zu machen. Nun aber funktioniert es und ich habe AIS Daten auf meinem Notebook – das ist die Hauptsache.

Nach dem Abendessen hab ich dann noch ein paar Kleinigkeiten gemacht und um 2245 fiel dann endlich der Hammer.

Ach ja, ein Höhepunkt war, dass außen die Instrumente für Echolot, Logge und Wind nicht liefen. Ich war nicht sicher, ob sie am Freitag funktionierten und dachte schon, dass ich beim Kabel ziehen irgendwas kaputt gemacht hätte. Eine halbe Stunde habe ich versucht zu verstehen, wie diese Instrumente Strom bekommen – habe es aber leicht genervt erstmal aufgegeben. Ohne Echolot wäre ich nicht los gefahren, also hatte ich mich schon darauf eingestellt, mich dieser Sache morgen am Sonntag näher zu widmen.

Aber zum Glück war ich einfach nur zu doof. Eine kurze Rückfrage beim Vorbesitzer ergab, dass ich einfach nur einen Schalter nicht betätigt hatte. Also einmal eine einfache Lösung, wie schön!

Für morgen habe ich nun noch ein paar Kleinigkeiten auf dem Zetteln, und dann geht es wieder zurück nach Hamburg – bis kommenden Freitag 🙂

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