Raymarine Evo Ruderanlage und Autopilot: Kurzzeitiger Schatten und viel Licht.

Meine kleine Brücke mit Raymarine P70Rs Autopilot Bedieneinheit, daneben i70 als AIS Monitor und zwei es98 Plotter.
Meine kleine Brücke mit Raymarine P70Rs Autopilot Bedieneinheit, daneben i70 als AIS Monitor und zwei es98 Plotter.

Ende März hatte ich hier darüber geschrieben, dass ich die Ruderanlage von der JULIUS von der älteren Radio Zeeland Euro 500 gegen einen aktuellen Autopiloten mit Follow-On-Tiller von Raymarine tauschen möchte.

Das Projekt ist nun abgeschlossen: Alle Komponenten sind eingebaut und wir haben die ersten Törns mit der neuen Anlage gemacht. Unter anderem ein Trip von Hamburg nach Helgoland und – unfreiwillig – zurück (Bericht hier) und die Überführung in unserem Sommerhafen nach Damp (Ostsee). So kann ich nun über erste Erfahrungen berichten.

Aufwertung des Steuerstands und Vereinfachung der Bedienung mit dem Raymarine Evo Autopiloten

Das obige Foto zeigt, wie der äußere Steuerstand bei einer gemütlichen Tour aussieht (so schön wurde es allerdings erst nach dem ungewollten Trockenfallen – Bericht hier). Hier zum Vergleich ein Maklerfoto vor dem Kauf, von 2014:

Der Steuerstand vor dem Kauf der JULIUS in 2014.
Der Steuerstand vor dem Kauf der JULIUS in 2014.

Die ganzen Raymarine Geräte sind meiner Meinung nach nicht nur sehr nützlich, funktional und einfach zu bedienen – sie werten meine kleine Brücke auch optisch durchaus auf. Zuletzt ist nun das p70Rs Autopilot Instrument dazu gekommen. Auf dem obersten Foto seht ihr rechts im Hintergrund noch die grüne Autopilot-Kontrolleinheit der alten Euro 500 Anlage – mittlerweile habe ich die aber auch abgebaut.

Vor allem hat sich die Bedienung erheblich vereinfacht: Um auf Autopilot umzuschalten, muss ich nur die Taste „Auto“ auf dem p70Rs drücken und schon hält das Boot den aktuellen Kurs (vorher war es viel aufwändiger, hier nachzulesen).

Dazu kann ich den Kurs nun auch vom Innen-Steuerstand ändern: Dort ist ein älterer Raymarine e70 Plotter verbaut, mit dem ich den Autopiloten auch kontrollieren kann.

Manuelle Steuerung und Hafenmanöver mit „Power Steer“ und dem Follow-On-Tiller

Lange hatte Raymarine keine Hebelsteuerung („Tiller“) für den Piloten, darauf wollte ich aber keinesfalls verzichten. Nun ist so eine Bedieneinheit aber verfügbar (Follow-On-Tiller, Link zu Raymarine), und so habe ich nun wie auch bei der alten Euro 500 einen Steuerhebel draußen und drinnen.

Raymarine p70Rs Autopilot Bedieneinheit (links), rechts daneben ein i70 als AIS Monitor und darüber einer der es98 Plotter.
Raymarine p70Rs Autopilot Bedieneinheit (links), rechts daneben ein i70 als AIS Monitor und darüber einer der es98 Plotter.
Der neue Raymarine Follow-On-Tiller (Steuerhebel).
Der neue Raymarine Follow-On-Tiller (Steuerhebel).

Wie gut doch vor einiger Zeit die Entscheidung war, die JULIUS mit einem NMEA2000 Netzwerk (d.h. Raymarine SeaTalk NG) auszurüsten! Das zahlt sich immer mehr aus – so auch bei diesen Tillern. Ihr Einbau war trivial – sie müssen nur mit einem Kabel an das Netzwerk angeschlossen werden und sind sofort betriebsbereit.

Um die Steuerung an einem Hebel zu übernehmen, drücke ich am Hebel einen Knopf und schon habe ich dort die Kontrolle über das Ruder. Wenn ich dann beispielsweise von unten steuern möchte, drücke ich dort den Knopf. Oder wenn ich von Autopilot auf manuelle Steuerung stellen will, kann ich das ebenfalls direkt am Hebel machen.

Die Tiller sehen gut aus, können mit oder ohne Rückholfeder arbeiten und lassen sich sanft und exakt bewegen – jetzt jedenfalls.

Ein kurzzeitiger Schatten: Qualitätsprobleme bei dem Raymarine Follow-On-Tiller

Die ersten beiden Tiller entwickelten leider sehr schnell ein echtes Problem: Ihre innere Mechanik fing schon nach wenigen Minuten an, stark zu kratzen, schwer zu gehen und teilweise richtig festzuhängen. Das war sehr unschön.

Der – immer sehr nette – Raymarine Support hatte mir daraufhin mitgeteilt, dass das ein bekanntes Problem sei und alle Tiller ausgetauscht werden. Leider dauerte das einige Wochen, weil die neuen, verbesserten Tiller noch nicht verfügbar waren. So hatte ich den einen oder anderen spannenden Moment, wenn gerade im Manöver der Hebel klemmte und erst nach Sekunden zur Mitarbeit zu überreden war. Gefährlich war das aber letztlich nicht, denn notfalls kann ich ja auch mit dem klassischen Steuerrad fahren.

Mittlerweile habe ich aber die neuen Tiller und diese funktionieren in der Qualität, wie ich sie von Raymarine gewohnt bin.

Die Steuerkunst des Raymarine Evo Autopiloten

Bisher bin ich von den Steuerfähigkeiten des Autopiloten begeistert. Getestet habe ich in ruhiger (Nordsee bei 2 bis 3 Windstärken) bis moderater See (Ostsee Kiel nach Damp bei Ost 4), auf der Elbe bei mitlaufendem und gegenlaufendem Strom und im Nord-Ostsee-Kanal bei völlig ruhigem Wasser.

Auf See hat der Pilot die JULIUS bisher stets schnurgerade gesteuert. Der Track in Coastal Explorer war eine perfekte Linie, und auch das Kielwasser lief absolut gerade aus. Die Euro 500 hat definitiv mehr geeiert. Dazu macht der Raymarine Pilot weniger Ruderbewegungen, was zu einer ruhigen Fahrt beiträgt (viele Ruderbewegungen schaukeln das Boot manchmal auf).

Im Kanal war die Genauigkeit gut, aber nicht exzellent: Der Kurs schwankte immer um ein bis zwei Grad hin und her. Die JULIUS fährt leider von selbst nicht exakt geradeaus, so dass jeder Pilot – ob Automat oder Mensch – ständig nachsteuern muss. Da hat sich der Evo Pilot trotz Einstellung auf „Performance“ manchmal für meinen Geschmack einen Hauch zu viel Zeit gelassen, bis er den Kurs korrigiert hat. Die Euro 500 hat das aber auch nicht besser gemacht.

Die Wegpunktsteuerung: Ein echter Gewinn

Sehr glücklich bin ich darüber, dass ich nun eine funktionierende Wegpunktsteuerung habe. Sprich: Der Autopilot erhält von Coastal Explorer die Daten des nächstes Wegpunktes (wohlgemerkt ist die Route nicht im Raymarine Plotter vorhanden, nur im Navigationsprogramm!) und steuert das Boot dann exakt dort hin. Dabei wird Abdrift durch Wind und Strom vollautomatisch ausgeglichen.

Der folgende Screenshot zeigt eine rote Tracklinie, d.h. der Weg, den wir gefahren sind. Zuerst hatte ich nur die „Auto“ Steuerung aktiv, d.h. die JULIUS hat einfach Kurs gehalten. Wo die rote Linie ungefähr auf Höhe von „Ansteuerung Helgoland“ ist, habe ich auf Wegpunktsteuerung umgeschaltet.

Daraufhin hat der Pilot uns erstmal auf den vorgesehenen Weg zum nächsten Wegpunkt gebracht (dicke, schwarze Linie) und dann erst´ Kurs auf den eigentlichen Wegpunkt genommen. Perfekt!

Roter Track - zuerst einfach Kurs halten, dann Wegpunktsteuerung.
Roter Track – zuerst einfach Kurs halten, dann Wegpunktsteuerung.

Die Zusammenarbeit zwischen Coastal Explorer und dem Raymarine Evo Autopiloten funktioniert bei mir über das Actisense NGT-1 Gateway. Ich hatte auch einen Maretron USB-100 getestet, davon rate ich aber (zumindest für diesen Zweck) ab. Maretron erlaubt es nicht mehr, dass Coastal Explorer den USB-100 im nativen NMEA2000-Modus ansteuert. Somit ist dieses Gateway nur noch ein einfacher NMEA0183<>NMEA2000 Konverter, und damit hat – zumindest bei mir – der Raymarine Pilot die Wegpunkt-Daten nicht akzeptiert.

Wenn ein Wegpunkt erreicht ist, ändert der Pilot übrigens nicht einfach so und automatisch den Kurs zum nächsten Wegpunkt. Vielmehr gibt es einen Alarm, und erst nach manueller Bestätigung ändert das Boot die Richtung.

Eine gute Entscheidung

Bisher erfüllt der neue Pilot alle meine Wünsche genau so, wie ich mir das vorgestellt habe. Die Zusammenarbeit mit der vorhandenen Hydraulik ist einwandfrei und funktioniert – bisher – zuverlässig. Die Investition und die Arbeit scheinen sich gelohnt zu haben.

Die alte Euro 500 Anlage ist aber grundsätzlich noch installiert und ich könnte sie kurzfristig wieder in Betrieb nehmen, wenn sich doch noch ein Problem mit dem Raymarine System ergeben sollte. Erst wenn sich der neue Pilot bis zum Herbst bewährt hat, werden ich die alte Anlage komplett ausbauen. Das ist eine aufwändige Arbeit – wird aber eine Menge Platz in den Kabelkanälen schaffen.


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