Ungewollt: Festgefahren, Wasser weg, trocken gefallen. Zum ersten Mal.

Der Lohn, wenn man einfache Regeln nicht befolgt.
Der Lohn, wenn man einfache Regeln nicht befolgt.

„Versuch macht klug!“

dachte ich noch mutig, als ich gestern nach Neßsand bzw. Hanskalbsand zum ankern fahren wollte. Vom Mühlenberger Loch aus führt da ein Fahrwasser hinter die Insel, was die lange Fahrt um das nordwestliche Ende von Hanskalbsand erspart.

Das Wasser lief ab, Niedrigwasser war noch bummelig 3 1/2 Stunden entfernt. Natürlich weiß ich:

„Kritische Stellen niemals bei ablaufendem Wasser versuchen, sonst hängt man fest bis das Wasser wiederkommt!“

Eine gute, eine schlaue Regel!

Die ich aber nicht befolgt habe. Das Ergebnis: Festgefahren.

Boot liegt auf, das Wasser läuft weiter ab. Und nun?

Jeder Versuch, wieder freizukommen, schlug fehl. Hier und da bewegte sich die JULIUS noch ein paar Meter, aber mehr auch nicht. Und nun?

„So, dann sehe ich heute also, wie mein Boot trockenfällt.“

Also: Warten. Niedrigwasser sollte gegen 16 Uhr sein, dann kommt das Wasser wieder und ich kann weiter zum Ankerplatz. Aber: Was für einen Untergrund haben wir hier?

Harter Sand? Weicher Sand? Schlick?

Im Schlick sind wir schon häufig trocken gefallen (z.B. in Stade), das ist überhaupt kein Problem: Der Rumpf sinkt ein, alles bleibt gerade und sicher.

Aber hier? Hier ist es eher sandig, das wusste ich aus vorherigen Besuchen. Sinkt das Boot ein? Oder legt es sich auf die Seite? Machen konnte ich dagegen nun ohnehin nichts mehr. Daher:

  • Anker raus (damit das Boot nicht abhaut wenn das Wasser wieder kommt)
  • Ankerball gesetzt
  • lose Gegenstände gesichert
  • Schlauchboot zu Wasser gelassen
  • Badeleiter montiert.

Schon nach kurzer Zeit machte ich etwas Lage bemerkbar. Der Grund ist also zu hart zum einsinken. Schade. So bin ich noch nie trocken gefallen. Wie stark sich das Boot wohl krängt?

Ich habe mich erstmal in das Schlauchboot verzogen und habe mir die Sache in Ruhe angeguckt.

Das Boot krängt. Und krängt. Und krängt.
Das Boot krängt. Und krängt. Und krängt.

„Das Boot kann trocken fallen, krängt dann aber ungefähr 30 Grad.“

Das hatte mir Aat, der Vorbesitzer der JULIUS, gesagt. Und ich weiß: Der Rumpf hat einen durchgehenden Kiel, der Propeller und das Ruder sind sehr geschützt. Daher war ich im Grunde gelassen.

Trotzdem: Ein seltsames Gefühl, wenn das Boot immer mehr Lage schiebt. Wann hört das denn auf?

Das war's, mehr Schräglage gibt es nicht.
Das war’s, mehr Schräglage gibt es nicht.

Irgendwann waren dann nur noch so 30cm Wasser da, und dann habe ich mich wieder auf das Boot getraut. Bei den ersten Gehversuchen an Deck bin ich fast seekrank geworden: Das Boot lag so schief, wie sonst nur im heftigsten Seegang!

Und klettert mal das Achterdeck bei einer derartigen Krängung hoch! Das hat sich schon sehr, sehr seltsam angefühlt.

Bewegung auf einem derart schräg liegenden Boot? Ziemlich anstrengend.
Bewegung auf einem derart schräg liegenden Boot? Ziemlich anstrengend.

Passiert ist aber: Nichts. Ich hatte alles ausreichend gesichert, auch im Innenraum sah alles soweit gut aus, in der Maschine war alles wie immer. Jede Bewegung auf oder im Schiff war jedoch ein Kraftakt. Angenehm ist anders!

Noch etwas später war Niedrigwasser erreicht und ich konnte einen (kurzen) Spaziergang rund um das Boot machen. Der Grund war ziemlich weich. Ich hätte echt gedacht, dass der Kiel der JULIUS da mehr einsinkt.

Ein Spaziergang um das Boot nach dem trocken fallen.
Ein Spaziergang um das Boot nach dem trocken fallen.

Eine Befürchtung hatte ich aber noch: Liegt das Boot nun auf dem Stabilisator auf? Das wäre sicher nicht so gut… aber auch hier: Keine Probleme, die Flosse war frei.

Die Stabilisator-Flosse ist frei. Alles bestens.
Die Stabilisator-Flosse ist frei. Alles bestens.

Nachdem die Situation nun zwar unschön, aber stabil war und ich alle Fotos gemacht hatte blieb mir nur, zu warten. Dazu hab ich mich in der Vorderkoje zwischen der Matratze und der schrägen Wand gelegt und geschlafen. Bis mich das Gluckern und Glucksen der aufströmenden Wassers wieder geweckt hat.

Sand und nur noch wenig Wasser um mich herum.
Sand und nur noch wenig Wasser um mich herum.

Es ist schon irre, mit welcher Macht das das Wasser wieder aufkommt! Schon eine halbe Stunde nach Niedrigwasser fing das Boot an, sich wieder aufzurichten. Weitere 20 Minuten und die Welt war wieder gerade und in Ordnung.

Maschine an, alle Systeme geprüft, Anker auf und langsam ging es weiter. Nun ohne Probleme. Gegen 18 Uhr fiel dann der Anker hinter Hanskalbsand.

Das war eine interessante und spannende, aber ungeplante Aktion. Gelernt habe ich: Trocken fallen auf Sand macht keinen Spaß. Und: Regeln befolgen macht Sinn.

Die Welt ist wieder gerade und in Ordnung. Weiter geht's.
Die Welt ist wieder gerade und in Ordnung. Weiter geht’s.

2 Kommentare zu “Ungewollt: Festgefahren, Wasser weg, trocken gefallen. Zum ersten Mal.

  1. Till Andrzejewski

    Hui, auch ein „Alptraum“ von mir. Da ich gar nicht weiß, wie sich unser Kutter beim harten Trockenfallen verhält, habe ich zur Sicherheit Holzbalken im Maschinenraum sowie eine gute Handsäge, so dass ich die Balken notfalls unter den Schlingerkiel oder unter die Scheuerleiste setzen kann. Eigentlich will ich dieses Problem aber lieber vermeiden. Gut dass du mich noch mal auf diese wichtige Regel aufmerksam gemacht hast ;-).

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