Hier zwei Videos von dem Törn Bremerhaven – Helgoland – Glückstadt. Im ersten Video versuche ich zu zeigen, wie wirksam die Stabilisatoren sind – auf dem Video kommt das naturgemäß weniger eindrucksvoll rüber als in Wirklichkeit.
Julius heißt jetzt wirklich Julius
Von Glückstadt nach Hamburg – Ende der Überführung
Es ist geschafft, die Julius liegt bei Julius Grube und wartet dort auf die Montage der Davits:
Die Fahrt von Glückstadt nach Hamburg war im besten Sinne unspektakulär. Ich bin um 0550 aufgestanden und um 0630 los, so dass ich mit auflaufendem Wasser bis zur Werft fahren konnte. Wie geplant kam ich um 1030 da an, also genau bei Hochwasser, so dass ich entspannt ohne Strömung anlegen konnte.
Das Wetter war leider grau in grau bei um die 8 Grad. Bei Sonne wirkt die Einfahrt nach Hamburg viel mehr, aber trotzdem ist es immer wieder schön an Blankenese, den Docks, Landungsbrücken und der Elbphilharmonie vorbei zu fahren.
Damit ist die Überführung erfolgreich geglückt. Das letzte Stück über Helgoland war ein hartes Stück Arbeit und wenig vergnüglich, aber es ist geschafft und das zählt. Und ich habe die Julius ein ganzes Stück besser kennengelernt. Sie ist ein gutes, sicheres, zuverlässiges Schiff.
Die Julius Grube Werft wird nun die Davits montieren, dann kommt das Schlauchboot hinten dran und irgendwann Ende April oder Anfang Mai überführen wir die Julius dann in die Ostsee nach Damp.
Helgoland nach Glückstadt
Gestern am Samstag musste ich nun zurück von Helgoland und weiter Richtung Hamburg fahren. Damit ich irgendwo in der Elbmündung das auflaufende Wasser nutzen kann, bin ich ungefähr 1,5 Stunden vor Niedrigwasser losgefahren.
Die Windverhältnisse waren so wie am Freitag, also fünf bis sechs Beaufort, allerdings etwas nördlicher. Die Wellen kamen daher nicht frontal, sondern seitlich von vorne. Was grundsätzlich gut ist.
Aber über Nacht hatte sich doch eine merkbar höhere See als am Freitag aufgebaut. Hardcore Segler mögen das als sportliche Herausforderung begreifen, ich empfand es als wenig angenehm. Denn: auch wenn die Stabilisatoren einen erheblichen Unterschied ausmachen – Wunder können sie nicht vollbringen.
Die durchschnittliche Wellenhöhe war sicher 1,5m und ging teilweise bis sicherlich 2m. Sprich: als ich am Innensteuerstand saß kamen die Wellen teilweise auf Augenhöhe auf mich zugerollt. Und konfus war die See – vermutlich wegen der Tide war neben der grundsätzlichen Dünung aus Nordost noch diverse übergelagerte Wellen von sonstwo.
Das ging dann ungefähr drei Stunden so und ich muss zugeben: Ich habe die Seekrankheit schon kommen gespürt – obwohl ich sonst ziemlich unempfindlich bin. Dagegen habe ich dann zeitig ein Superpep Dragee genommen und mich dann im Salon hingelegt. Ich war im völlig freien Seegebiet unterwegs, vor Berufsschiffahrt hätte mich mein AIS gewarnt und ansonsten habe ich alle paar Minuten mal einen Rundumblick gemacht.
Auf jeden Fall half das, und nach zwei Stunden ging es mir wieder besser – rechtzeitig zur Ankunft vor der Elbmündung, wo erheblicher Berufsverkehr ist und ich natürlich ständig Wache halten musste.
Dank der vorgelagerten Sande wurde die See dann etwas ruhiger und die Stimmung besserte sich. Kurzzeitig zumindest. In der Elbmündung stand dann so richtig schön der erhebliche Wind gegen den Strom, was auch spürbaren Seegang produziert hat. Das war nicht im Ansatz mit der offenen Nordsee zu vergleichen, hat aber trotzdem genervt weil in einer Tour Wasser überkam immer noch ständig ordentlich Bewegung im Schiff war.
Kurz hatte ich mit dem Gedanken gespielt, schon in Cuxhaven einzulaufen. Aber dann wäre ich Sonntag gar nicht oder nur sehr spät bis nach Hamburg gekommen – das ging auch nicht. Also wie geplant weiter nach Glückstadt, obwohl ich echt keine Lust mehr hatte.
Um 1830 war ich dann endlich in Glückstadt und konnte im Päckchen an einem anderen Stahl-Motorboot festmachen. Da war ich ziemlich froh drüber, weil sonst natürlich keine Stege auslagen und die Liegemöglichkeiten für Sportboote zu dieser Jahreszeit sehr begrenzt sind.
Ich war ganz schön zermürbt, durchgeknetet und erledigt. Bei so viel Seegang muss man sich ja ständig festhalten und jeder Gang will wohlüberlegt sein – das ist körperlich durchaus anstrengend.
Auf der positiven Seite steht, dass die Julius das alles nicht im geringsten beeindruckt hat. Die Euro 500 Ruderanlage hat sehr gut den Kurs gehalten, und jederzeit war klar, dass das Schiff völlig sicher ist und noch erheblich mehr Wellen verträgt.
Heute am Sonntag war die Abfahrt für 0630 geplant, aufstehen um 0550. Dementsprechend war schon um 2100 das Licht aus und ich habe mir erstmal eine ordentliche Mütze voll Schlaf gegönnt. Insgesamt war das übrigens ein Törn von 65 Seemeilen und ich war etwas über neun Stunden unterwegs.
Bremerhaven nach Helgoland
Als heute morgen um 0620 der Wecker klingelt war ich erfreut, dass es schon ziemlich hell war. Also schnell was gegessen und das Schiff startklar gemacht, und um 0700 ging es los.
Kurz nach der Schleuse sah es auf der Weser so aus:
Die Sonne schien, es war noch wenig Wind – ein sehr schöner Start in den Tag!
In der Wesermündung sind bis weit in die See eine Reihe von Sänden, die das das Fahrwasser bei den meisten Winden gut schützen. Und so blieb es noch für einige Zeit ruhig, während die Julius vom auslaufenden Wasser mit um die 11 Knoten Richtung Helgoland lief.
Je weiter wir auf die Nordsee kamen, desto mehr hat der Wind aufgefrischt, und die See nahm zu. Der Wind kam aus südost, und so kamen die Wellen direkt von der Seite. Also wie schon gedacht: ein guter Test für die Stabilisatoren!
Ich habe dazu auch ein paar Videos gemacht, die ich aber erst in Hamburg hochladen kann. Vorab aber so viel: die Stabilisatoren machen einen erheblichen Unterschied. Als die Wellen noch deutlich unter einem Meter waren, wurde die Rollbewegung durch die Stabilisatoren fast völlig unterbunden.
Der Wind nahm immer mehr zu und wehte dann so 15 Meilen vor Helgoland mit 22 bis 24 Knoten, also 6 Beaufort. Dementsprechend war es deutlich über einem Meter See, weiterhin von der Seite. Das war immer noch auszuhalten, aber Wunder können Stabilisatoren auch nicht vollbringen. Sprich: da war dann schon ordentlich Bewegung im Schiff, und ich musste mich teilweise ganz schon festhalten, wenn ich mich im Schiff bewegt habe.
Die Julius hat das aber alles natürlich entspannt mitgemacht, bekam aber doch ein paar gehörige Salzwasserduschen. Man sieht richtig eine Salzkruste auf dem Deck.
In Helgoland angekommen bin ich erstmal zur Tankstelle gefahren und habe viel, viel Diesel gebunkert. Das sollte locker bis nächstes Jahr reichen. Das Tanken selbst war aber etwas anstrengend: Die Zapfpistolen können nicht eingehakt werden, man muss also die ganze Zeit den Abzug gezogen halten, damit der Diesel läuft. Bei der Menge dauert das aber lange… ich war 50 Minuten nur mit Tanken beschäftigt.
Anschließend habe ich mich in den Hafen verholt und war ganz überrascht, dass da schon ein paar Segler lagen. Und ich dachte, ich wäre der einzige Bekloppte der bei winterlichten Temperaturen und viel Wind nach Helgoland fährt 🙂
Morgen ist weiterhin viel Wind und dann geht es in die Elbe. Auf See werde ich die Wellen dann wohl von vorne haben, mal sehen, wie die Julius damit umgeht. Ich fürchte, das wird ein ziemliches gebolze gegenan.
Ansonsten kann man hier sehen, wie die Energiewende gebaut wird: Der Hafen hier ist voll mit Offshore-Versorgern, mit denen Personal und Material zu den Offshore-Windparks gebracht wird. Mit dem ganzen Personal dürften alle Betten in Helgoland ausgebucht sein.












