Hügelig und Glück gehabt

So ab Mitte der Strecke bis Brunsbüttel wurde es zunehmend hügeliger, sprich: schaukeliger. Wir hatten nämlich Wind (um die 4 Bf, gar nicht so wenig) gegen den Strom. Da kann sich in kurzer Zeit eine ziemliche Welle aufbauen.

Und genau das ist passiert. Kurz vor Glückstadt stampfte das Boot gegen 1 Meter Welle an. Das war auszuhalten, keine Frage, aber erheblich mehr als ich gedacht hätte.

Ein wenig mehr wurde es auch noch. Regelmäßig ist der Bug eingetaucht und die Elbe spülte über das Vorschiff.

Einmal kam ein richtiger Kaventsmann, mindestens 1,5m und ein großer Schwall Wasser knallte aufs Vorschiff und umspülte die Fenster am Fahrstand (also in Höhe des Salons). Einen Augenblick lang haben wir nur noch braunes Wasser um uns herum gesehen. Der dramatische Effekt wurde noch gesteigert durch ein lautes Knallen – ein Werkzeugkasten, der auf dem Außenfahrstand lag, war eine Etage tiefer gefallen. Glücklicherweise habe ich bei den vordersten Fenstern dicke Plexiglasscheiben vor den eigentlichen Glasscheiben angebracht, solche Wellen können die Fenster dort also nicht eindrücken.

Danach habe ich dann den Autopiloten temporär vom Dienst suspendiert und habe selbst gesteuert. Bei hohen Wellen habe ich etwas Gas weggenommen, damit das Boot nicht so in die nachfolgende Welle rammt. Das ging ganz gut.

Bei Glückstadt haben wir uns eine Pause gegönnt und sind parallel durch einen kleinen Nebenarm der Elbe gefahren, wo mehr Landschutz war. Danach war das restliche Stück bis Brunsbüttel gut auszuhalten, auch dort war Landschutz gegeben.

Bei der Schleuse angekommen hatten wir ungewohntes Glück: sie stand offen und Sportboote durften rein. Wir sind gerade noch so als Letzte mit reingeschlüpft. Einem Segler, der zwei Minuten nach uns kam wurde das Tor vor der Nase zugemacht. Auf jeden Fall war ganz schön was los in der Schleuse.

20140418-143829.jpg

20140418-162105.jpg

Im Kanal angekommen war es erstmal unspektakulär. Kein Seegang, wenig Grossschifffahrt… bis die Drehzahl der Backbord-Maschine auf einmal abfiel und sie nach ein paar Minuten dann ganz ausging.

Vor Jahren hätte mich das vermutlich erschreckt. Nun aber stellte ich schnell die Diagnose: Luft im Kraftstoffsystem oder Kraftstofffilter zugesetzt. Letzteres war der Fall, der Filter war schwarz vor Schmodder.

Es ist schon etwas her, dass ich die Filter geprüft hatte, und bei dem Seegang heute haben sich bestimmt Ablagerungen vom Boden der Tanks gelöst, sind ins Kraftstoffsystem gelangt und wurden dann vom Filter aufopferungsvoll gefiltert. Bis er so dicht war, das kein Diesel mehr durchkam.

Zum Glück haben wir zwei Maschinen, also konnten wir weiterfahren während ich den Filter mittels reinem Tastsinn (sehen kann man da nämlich nix) ausgebaut habe. Nach der Säuberung funktionierte der Filter dann einwandfrei und die Maschine lief wieder wie Bienchen.

Zur Sicherheit habe ich dann auch noch das Gleiche bei der Steuerbord-Maschine gemacht, auch deren Filter war ziemlich zugesetzt.

Nun cruisen wir gemütlich weiter nach Rendsburg, ETA ist 1745, locker eine Stunde vor Plan.

Unterwegs, Höhe Blankenese

Wir haben plangemäß um 0600 abgelegt. Das Ablegemanöver war etwas hakelig, die Strömung hat uns an den Ponton gedrückt, schlussendlich kamen wir aber frei und konnten los.

Kurz nach der Werft kommt ein Sperrwerk mit eigentlich dicke ausreichender Durchfahrtshöhe. Dort stand der Pegel (der die momentane Durchfahrtshöhe angibt) auf 5m – ausreichend für uns, aber schon recht wenig.

Dann kamen die Elbbrücken. Dort stand der Pegel bei etwas über 4m. Zu wenig!

Normalerweise sind die Elbbrücken immer hoch genug… und nun? Warten, bis das Wasser wieder abläuft? Das hätte uns zwei Stunden gekosten.

Meine Frau hatte die rettende Idee: warum klappen wir nicht den Geräteträger? Ja, warum eigentlich nicht? Hab ich selbst nicht dran gedacht… gesagt, getan:

20140418-080600.jpg

So hat’s gepasst und wir konnten durch die Brücken fahren. Ein actionreicher Morgen also. Nach einem heißen Kaffee war die Kälte und Nässe, die wir bei der Aktion hatten, aber vergessen. Die Kinder haben dabei schön geschlafen und nix mitbekommen.

Nun sind wir auf Höhe Blankenese, es ist noch regnerisch und uns kommt ein Containerriesen nach dem anderen entgegen.

20140418-081033.jpg

Von Hamburg nach Damp

Die MY Xenia wartet auf uns bei der Julius Grube Werft, nach dorthin haben wir verholt weil wir von dort direkt in die Elbe fahren können und nicht mehr schleusen müssen. Morgen soll es losgehen mit der Überführung nach Damp.

Der ursprüngliche Plan war:

  • Donnerstag (heute) Abend zum Boot fahren.
  • Freitag um 0730 bei Hochwasser los bis zum Störloch (bei Glückstadt).
  • Samstag dann weiter bis Brunsbüttel, dann schleusen, dann weiter bis Rendsburg.
  • Sonntag von Rendsburg bis Holtenau, dort schleusen, dann weiter nach Damp.

An sich ein guter Plan. Das hier ist aber doof:

2014-04-17 at 15.37.27

Eine Menge Wind ist da für Sonntag angesagt, und auch noch aus Nordost. Wellen mit über ein Meter. Alles machbar, aber muss das gleich beim ersten Törn des Jahres sein?

Also zurück zur Planung. Wie sieht es denn Samstag aus? So:

2014-04-17 at 15.37.18

Samstag tagsüber also deutlich weniger Wind und Welle. Da müsste man also nach Damp fahren. Aber wie sollen wir in zwei Tagen von Hamburg bis nach Damp kommen, zumal im Nord-Ostsee-Kanal als Sportboot ja nur tagsüber (d.h. wenn Licht ist) fahren darf?

Nach ein wenig puzzeln steht nun dieser neue Plan:

  • Donnerstag (heute) zum Boot.
  • Freitag um 0600 (1,5 Stunden vor Hochwasser) ablegen. Bis Brunsbüttel sind es 43sm, mit ablaufendem Wasser brauchen wir dafür höchstens 6,1 Stunden (bei 7 Knoten). Es wird eher noch schneller gehen, die Strömung wird uns eher auf 8 Knoten beschleunigen. ETA Brunsbüttel ist dann ca. 1200 (genau bei Niedrigwasser).
  • Dann schleusen, dafür rechne ich max 1,5 Stunden ein.
  • Nach dem Schleusen um spätestens 1330 weiter nach Rendsburg. Das sind noch mal 34sm. Im Kanal haben wir normale Marschfahrt von min. 6,3kn, dann brauchen wir 5,5 Stunden und sind um 1900 in Rendsburg.
  • Am Samstag dann um 0600 ablegen in Rendsburg. ETA Holtenau ist dann 0900 (18,5sm bei 6,3kn macht 3 Stunden).
  • Schleusen bis max. 1030, dann weiter nach Damp. ETA Damp wäre dann 1145 (16sm bei 6,3kn macht 2,6 Stunden).

Meine Familie vor die Wahl gestellt „entweder Seegang am Sonntag oder am Freitag 13 Stunden durchfahren“ haben sich alle für „durchfahren“ entschieden.

Jetzt muss das alles nur noch klappen.

Fertig! Fertig fertig?

Morgen geht die Fahrt-Saison offiziell mit der Überführung von Hamburg nach Damp los. Und ich habe tatsächlich das unfassbare und sehr ungewohnte Gefühl, fertig mit allen Arbeiten auf der Xenia zu sein.

Alles ist eingebaut, getestet, sauber gemacht, aufgeklart und eingeräumt. Selbst meinen letzten Angstgegner, die Seewasserpumpe der Backbord-Maschine, bin ich angegangen und habe sie repariert (die Pumpe leckte und sitzt an einer Stelle, wo man nur schlecht zum aus- und einbauen rankommt… Stichwort „chinesischer Schlangenmensch“).

So, und was habe ich diesen Winter so alles geschafft? Das hier:

  • Rumpf neu lackiert (dunkelblau)
  • Laufdeck neu lackiert (rot)
  • Treadmaster Anti-Ruscht Platten auf dem Laufdeck neu beschichtet
  • diverse Lack-Ausbesserungen an den Aufbauten
  • neues Antifouling
  • neue Toilette
  • Renovierung der Pantry mit neuer Arbeitsplatte, neuem Herd, neuer Doppelspüle, neuen Wasserhähnen und LED Leisten
  • Wasser-Filter-System, damit immer 1a Trinkwasser aus dem Hahn kommt (spart das schleppen von Wasserflaschen)
  • neues Gassystem, Gasflaschen sind jetzt in einer Backskiste auf dem Achterdeck
  • neue Backskiste auf dem Achterdeck
  • Edelstahl-Schutzblech an der Ankerklüse
  • NMEA Sensor für Echolot, Logge und Temperatur als Ersatz für das alte Echolot
  • spleissen einer 50m Ankerleine an die 30m Ankerkette
  • neuer Hauptanker (Jambo)
  • neuer Heckanker (Delta) mit 2 x 30m Leine und 8m Kettenvorlauf
  • Überholung der Einspritzdüsen bei beiden Maschinen
  • Überholung des Kühlwassersystems bei der Stb Maschine
  • neuer Wassersammler bei der Stb Maschine
  • Ölwechsel bei beiden Maschinen
  • Montage von Abgastemperaturanzeigen und -alarm für beide Maschinen
  • Säuberung der Bilge im Motorraum mit Hochdruckstrahler
  • neue Ventile beim Zodiac Dinghy
  • 2 x 100 Watt Solarzellen für das 24V System
  • Batterie-zu-Batterie-Ladegerät, um Strom vom 24V System in das 12V System pumpen zu können. Dieses Ladegerät läuft nur bei Bedarf und wird über ein kleines Relais geschaltet.
  • Batteriemonitor nun auch für das 24V System (Victron, beim 12V System hatte ich schon einen Batteriemonitor)
  • neues Navigations-Notebook mit Touchscreen

…und noch tausend Kleinigkeiten. Merke: ein Boot darf man nicht ökonomisch betrachten 🙂

Fertig also. So richtig, richtig fertig? Naja, eine Sache ist tatsächlich noch offen: die Einspritzpumpe harmoniert mit den neuen Einspritzdüsen noch nicht so richtig, die Maschinen laufen zu fett, so dass unverbrannter Diesel als heller Rauch im Abgas sichtbar ist. Das ist ärgerlich. Aber jetzt nicht mehr zu ändern, das gehe ich ihm Herbst an.

Jetzt wird erstmal gefahren.

 

So sieht ein top gepflegter Motor aus

Da möchte ich mal hinkommen:

Das ist der Mercedes OM-615 Vierzylinder im Boot von Anton. Anton hat dem Motor bei eBay gekauft und selbständig völlig neu aufgebaut. Nun glänzt er, ist klinisch sauber (genauso wie der Motorraum drumrum) und läuft 100%ig perfekt.

Bis dahin ist es bei mir noch ein langer Weg. Aber gemessen an dem Erscheinungsbild der Maschinen und des Maschinenraums von vor 5 Jahren kann ich schon zufrieden sein. Meine Motoren glänzen zwar nicht so schön, sind aber halbwegs sauber, meine Bilge ist mittlerweile vom Schmodder befreit und der Muff ist auch aus dem Maschinenraum verschwunden.

Cool ist auch die Idee, die Maschine unter einem Glasboden laufen zu lassen 🙂 Die Platte ist aus 24mm Panzerglas, das sogar gut den Schall dämmt.