Hügelig und Glück gehabt

So ab Mitte der Strecke bis Brunsbüttel wurde es zunehmend hügeliger, sprich: schaukeliger. Wir hatten nämlich Wind (um die 4 Bf, gar nicht so wenig) gegen den Strom. Da kann sich in kurzer Zeit eine ziemliche Welle aufbauen.

Und genau das ist passiert. Kurz vor Glückstadt stampfte das Boot gegen 1 Meter Welle an. Das war auszuhalten, keine Frage, aber erheblich mehr als ich gedacht hätte.

Ein wenig mehr wurde es auch noch. Regelmäßig ist der Bug eingetaucht und die Elbe spülte über das Vorschiff.

Einmal kam ein richtiger Kaventsmann, mindestens 1,5m und ein großer Schwall Wasser knallte aufs Vorschiff und umspülte die Fenster am Fahrstand (also in Höhe des Salons). Einen Augenblick lang haben wir nur noch braunes Wasser um uns herum gesehen. Der dramatische Effekt wurde noch gesteigert durch ein lautes Knallen – ein Werkzeugkasten, der auf dem Außenfahrstand lag, war eine Etage tiefer gefallen. Glücklicherweise habe ich bei den vordersten Fenstern dicke Plexiglasscheiben vor den eigentlichen Glasscheiben angebracht, solche Wellen können die Fenster dort also nicht eindrücken.

Danach habe ich dann den Autopiloten temporär vom Dienst suspendiert und habe selbst gesteuert. Bei hohen Wellen habe ich etwas Gas weggenommen, damit das Boot nicht so in die nachfolgende Welle rammt. Das ging ganz gut.

Bei Glückstadt haben wir uns eine Pause gegönnt und sind parallel durch einen kleinen Nebenarm der Elbe gefahren, wo mehr Landschutz war. Danach war das restliche Stück bis Brunsbüttel gut auszuhalten, auch dort war Landschutz gegeben.

Bei der Schleuse angekommen hatten wir ungewohntes Glück: sie stand offen und Sportboote durften rein. Wir sind gerade noch so als Letzte mit reingeschlüpft. Einem Segler, der zwei Minuten nach uns kam wurde das Tor vor der Nase zugemacht. Auf jeden Fall war ganz schön was los in der Schleuse.

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Im Kanal angekommen war es erstmal unspektakulär. Kein Seegang, wenig Grossschifffahrt… bis die Drehzahl der Backbord-Maschine auf einmal abfiel und sie nach ein paar Minuten dann ganz ausging.

Vor Jahren hätte mich das vermutlich erschreckt. Nun aber stellte ich schnell die Diagnose: Luft im Kraftstoffsystem oder Kraftstofffilter zugesetzt. Letzteres war der Fall, der Filter war schwarz vor Schmodder.

Es ist schon etwas her, dass ich die Filter geprüft hatte, und bei dem Seegang heute haben sich bestimmt Ablagerungen vom Boden der Tanks gelöst, sind ins Kraftstoffsystem gelangt und wurden dann vom Filter aufopferungsvoll gefiltert. Bis er so dicht war, das kein Diesel mehr durchkam.

Zum Glück haben wir zwei Maschinen, also konnten wir weiterfahren während ich den Filter mittels reinem Tastsinn (sehen kann man da nämlich nix) ausgebaut habe. Nach der Säuberung funktionierte der Filter dann einwandfrei und die Maschine lief wieder wie Bienchen.

Zur Sicherheit habe ich dann auch noch das Gleiche bei der Steuerbord-Maschine gemacht, auch deren Filter war ziemlich zugesetzt.

Nun cruisen wir gemütlich weiter nach Rendsburg, ETA ist 1745, locker eine Stunde vor Plan.

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