Was tun bei „Mann über Bord“? – Technik hilft!

Nächste Woche bin ich ja wieder ein paar Tage alleine unterwegs, um das Schiff nach Ystad zu bringen, wo dann die Familie hinkommt und von wo unser Urlaub starten wird. Und während des Urlaubs wird es vermutlich auch mal wieder einen Nachttörn geben.

Im Vorfeld habe ich mir mal wieder Gedanken gemacht, wie die gefährliche Situation „Mann über Bord“ (ich weiß, ich weiß, politisch korrekt heißt es jetzt „Person über Bord“ – ist mir aber wurscht) zumindest ein klein wenig entschärft werden kann. Und ich bin fündig geworden:

Technische Hilfe im Mann über Bord Fall
Technische Hilfe im Mann über Bord Fall

 

Vorweg sei noch mal gesagt: dass eine Person über Bord geht, darf niemals nie nicht passieren. Denn egal welche Technik hilfreich zur Verfügung steht – „Mann über Bord“ (MOB) ist eine unmittelbar lebensbedrohende Situation. Denn alleine eine verunglückte Person wieder an Bord zu bekommen ist häufig genug schlicht nicht möglich. Doch dazu gleich mehr.

Auch wenn „Mann über Bord“ einfach nicht passieren darf, so besteht doch die Möglichkeit, dass es passiert. Für uns sehe ich drei Szenarien:

  1. Die Familie ist gemeinsam am Tage unterwegs.
  2. Wir sind als Familie über Nacht unterwegs, d.h. eine Person ist draußen am Außensteuerstand, der Rest drinnen und vermutlich schlafend.
  3. Ich bin alleine unterwegs.

Im ersten Fall ist bei einem MOB das Hauptproblem, die verunglückte Person im Auge zu behalten bzw. wiederzufinden und dann zu bergen.

Im zweiten Fall kommt zum finden und bergen hinzu, dass die schlafende Crew überhaupt bemerken muss, dass der oder die Wachhabende über Bord gegangen ist.

Im dritten Fall gibt es keine Crew, die mich finden und bergen könnte. Dann müssen also andere auf meine Notsituation aufmerksam werden.

Technische Hilfe im Mann über Bord Fall

Das obige Gerät, ein „Ocean Signal RescueMe MOB1„, ist vor allem für Fall zwei und drei gedacht: klein wie es ist, enthält es aber vier Funktionen:

  • Ein GPS Sensor, um die Position zu bestimmen.
  • Ein Sender, um einen UKW DSC Ruf an ein bestimmtes Funkgerät (unser eigenes) abzusetzen.
  • Ein Sender, um ständig eine allgemeine AIS Nachricht abzusetzen.
  • Ein Blitzlicht.

Stellen wir uns oben geschilderten zweiten Fall vor: Wir fahren mit der Julius durch die Nacht, die Crew schläft, eine Person hält Wache, steht mal vom Platz auf (das Schiff fährt ja sowieso von alleine) und guckt sich den Sternenhimmel an. Irgendwas passiert und die Person geht über Bord, fällt ins Wasser, die Rettungsweste löst aus und die Person sieht nur noch, wie sich das weiße Dampferlicht des Schiffes entfernt und treibt ansonsten einsam in der See. Die Crew schläft und merkt nichts.

Nun hat sich aber das Ocean Signal Gerät, das in der Rettungsweste verstaut war, automatisch ausgelöst. Es holt sich die Position mittels GPS und sendet dann einen DSC Notruf an unser eigenes Funkgerät. Daraufhin gibt das Funkgerät auf der Julius einen extrem lauten Alarmton von sich (wir haben das getestet, es ist wirklich laut). Die Crew wacht auf und bemerkt, dass der Wachhabende fehlt.

Damit ist ein Problem gelöst – die Crew ist wach und kann reagieren. 

Aber wie findet die Crew die verunglückte Person? Dafür sendet das Ocean Signal Gerät ein AIS Signal inklusive der genauen Position des Verunglückten. Dieses Signal ist für die eigene Crew und für alle anderen Schiffe in Reichweite sichtbar und sieht bei uns z.B. so auf dem Navigations-Notebook aus (Screenshot von einem Test im Hafen von Damp):

AIS Signal vom OceanSignal Mann über Bord Sender
AIS Signal vom OceanSignal Mann über Bord Sender

Problem 2 ist also auch gelöst! Die eigene Crew kann exakt zur Position des Verunglückten fahren und – viel wichtiger – im Mayday Notruf die aktuelle Position des Verunglückten mitteilen.

Da es realistisch betrachtet unwahrscheinlich ist, dass die eigene Crew den Verunglückten wieder an Bord bekommt, wenn dieser schwach oder gar ohnmächtig ist, können die professionellen Retter wenigstens ganz genau zum Verunglückten fahren. Damit besteht eine gute Chance auf Rettung. In der Nacht hilft dann das Blitzlicht auch noch, die im Wasser treibende Person im Blick zu behalten.

Einhand über Bord fallen – Hilfe auch in diesem Fall

Im Fall drei (ich bin alleine unterwegs) nützt der DSC Ruf natürlich gar nichts, die Julius würde dann einfach ohne mich weiterfahren – wohin auch immer. Aber: das AIS Signal wird auch in diesem Fall bei allen umgebenden Schiffen auf den Navigationssystemen erscheinen und in der Regel auch einen akustischen Alarm auslösen. Und somit wird Hilfe mit großer Wahrscheinlichkeit schnell da sein.

Für den Fall eins (wir sind zusammen am Tage unterwegs) müsste idealerweise jeder von uns so ein Ocean Signal Gerät tragen. Bisher habe ich aber nur eins, und Fall zwei und drei sind wichtiger. Und dafür erhöht dieses Gerät die Chance auf Rettung ganz erheblich. 

OceanSignal MOB1

OceanSignal Mann über Bord Sender

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3 Kommentare zu “Was tun bei „Mann über Bord“? – Technik hilft!

  1. Jens-Peter Bax

    Moin Julian,
    ich glaube, wir hatten schon darüber gesprochen. Ich persönlich würde, gerade für Einhand, das PLB1 empfehlen. Das etwa Zigarettenschachtel großen Gerät kann zwar kein AIS, dafür ist es eine persönliche EPIRB und das Auslösen stösst somit direkt eine Rettungkette an. Für die direkte Suche, sendet das Gerät eine Kennung aus, die auf jedem Radar in der nähe gesehen wird.

    Hier ein Video dazu:
    http://youtu.be/7rfpt-cdz_k

    LG Jens

    1. Julian Buß

      Hallo Jens,

      ja, das ist bestimmt sinnvoll, vor allem für größere Seegebiete. Ich hab den OceanSignal gewählt, weil der – wenn ich mit der Familie unterwegs bin – im Schiff einen Alarm im Funkgerät auslöst und meine Familie somit informiert.

  2. Anfänger

    Ist aber klar das man in der Wasser nicht lange überlebt da dieses oft zu kalt ist. Statt groß rumzufunken sollte man sich festbinden. Vor allem Einhand.
    Aber mehr hilft mehr.

    Übrigens kann man mit Großbaum / Mast und einer Winde mit den vorhandenen Leinen auch schwere Ohnmächtige an Bord bekommen. Sollte man aber vorher üben. Da ich selber nur Einhand segle konnte ich das nicht testen.

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