Holzofen an Bord: Umbaumaßnahmen zur Lounge Area, Planung für Rauchrohre und Schornstein

Mein zukünftiger Ofen in Aktion: Der Tiny Stove aus der Schweiz.

Dies ist der zweite Teil einer kleinen Serie über den Einbau eines Holzofens an Bord der JULIUS. Den ersten Teil findest du hier: Boot im Winter: Ofen an Bord – welcher? Und wohin?

Ich habe mich also für einen Holzofen an Bord entschieden: Genauer für den Tiny Stove aus der Schweiz, für den ich ein Drittel der Sitzecke in der Pantry umbauen lasse (von Insa Steinert aus Hamburg).

Insa war vor ein paar Tagen da, und wir haben alles besprochen, geplant, sie hat den weiteren Rückbau abgeschlossen und Schablonen angefertigt. Hier ist die Ecke soweit vorbereitet, dass eine Ebene entstehen kann:

Rückbau abgeschlossen, so dass nun die Schablonen angefertigt werden können.

Als erstes kam die Schablone für die Ebene, auf der mein Ofen später stehen wird:

Schablone für die Ebene, auf der mein Ofen später stehen wird.

So eine Schablone hilft der Vorstellungskraft schon sehr. Aber es geht weiter: Damit das Polster daneben geschützt ist und es gut aussieht, baut Insa dafür einen der Form des Polsters folgenden Abschluss:

Schablone für den Abschluss und Schutz für des Polsters.

Der Tiny Stove ist ja klein, zwischen Ofen und Bordwand ist noch viel Platz: Ideal, um Holz zu lagern. Dafür wird eine Trennwand gebaut, die genug Platz lässt, um einfach reingreifen zu können:

Ebene für den Ofen und Trennwand, hinter der Holz gelagert wird.

Ursprünglich dachte ich, dass auch die Ablage über der Sitzecke abgeschnitten werden muss. Aber das hat sich glücklicherweise als Irrtum herausgestellt: Die Ablage bleibt, wie sie ist. Dadurch verändert sich der optische Eindruck auch nur wenig. Im Grund wird „nur“ ein Drittel der Sitzfläche durch eine Ebene, Holzlager und Ofen ersetzt, fügt sich dann aber harmonisch in das Gesamtbild ein.

Als nächstes kommt ein Dummy für den Ofen an sich:

Dummy mit den Maßen des Tiny Stove.

Ja, der Ofen ist klein! Aber genau das soll er ja auch sein. Der Kasten im Foto entspricht den Abmessungen des Tiny Stove. Er wird aber nicht einfach auf der Ebene stehen, ich möchte ihn etwas höher haben. Daher bekommt der Ofen ein Podest, in dem das Holz für den Tag lagern kann. Die Makita Kiste von Insas Werkzeug hat ungefähr passende Abmessungen:

Der „Ofen“ auf seinem „Podest“: Im Podest ist dann auch wieder Platz für Holz.
Ebene, Trennwand, Polster-Abschluss, Podest und Ofen in der Gesamtsituation.
Und alles noch mal aus anderer Perspektive.

Das Podest bekommt einen umlaufenden Rand, damit Schmutz aus dem Ofen auf dem Podest bleibt. Zuerst dachte ich daran, mir von einem Metallbauer eine Edelstahlwanne bauen zu lassen, in der dann der Ofen steht. Davon bin ich aber vorerst abgekommen und werde das Podest mit einer Hitzeschutzmatte (z.B. diese hier: https://amzn.to/4602HGE oder https://amzn.to/3SkTwxA) auskleiden. Das könnte optisch gefälliger aussehen und ist die einfachere Lösung. Wenn sich das nicht bewährt, kann ich immer noch eine Edelstahlwanne bauen lassen.

Der Stauraum unter der Ebene bleibt übrigens zugänglich: Dafür baut Insa eine große Klappe in Bodennähe. Der Zugang ist dann also seitlich und nicht mehr von oben.

Die Essecke zur Lounge Area umbauen

Mit dem Esstisch habe ich einen besonderen Plan:

Der Esstisch

Insa wird den Tisch an der Seite, die am Ofen ist, um ein paar Zentimeter abschneiden. Und dann werde ich den Tisch absenk- und verschiebbar machen. Im Campingbedarf habe ich dafür tolle Liftgestelle gefunden, z.B. diesen Ilse Technik Liftgestell mit Verschiebung / Drehung.

Liftgestellt mit Verschiebung und Drehung (Screenshot von camping-wagner.de)

Damit kann ich den Tisch sehr einfach auf die Höhe der Sitzfläche bringen. Dann lasse ich mir dafür noch ein passendes Polster anfertigen und schon habe ich eine Lounge Area, wo ich mich mit ausgestreckten Beinen hinfläzen kann, direkt vor dem Ofen. Mit einem Buch in der Hand, einem Glas Wein daneben, während draußen der Regen prasselt und der Wind heult.

Mit dem heißen Rauchrohr durch den GFK Dorade-Lüfter

Über der Sitzecke ist ein Loch im Dach, auf dessen anderer Seite (draußen) ein Dorade-Lüfter sitzt:

Das Loch in der Decke führt zu einem Dorade-Lüfter draußen.
Der Lüfter draußen

Wikipedia erklärt sehr schön, wie so ein Lüfter funktioniert: https://de.wikipedia.org/wiki/Dorade-Lüfter. Das Loch sitzt hierbei nicht direkt unter der Lufthutze, sondern ein Stück davor. So sieht es ohne den Kasten aus:

Der Lüfter ohne den Kasten: Das Loch, das von unten kommt, ist vor der Lufthutze.

Das kleine Stück Rohr, was da zu sehen ist, hat 100mm Durchmesser, innen sind es 95mm. Das Rohr vom Ofen wird 80mm Außendurchmesser haben – es ist also rundherum ein Spalt von ca. 7mm übrig. Da die Teile des Dorade-Lüfters aus Kunststoff sind, dürfen sie nicht heiß werden. Ich werde das 80er Rauchrohr vom Ofen daher mit Hitzeschutzband umwickeln. Das Band ist ungefähr 1mm dick, ich müsste also sechs bis sieben Wicklungen hinbekommen.

Wenn das so isolierte Rauchrohr dann eingeklemmt im Loch sitzt, wird es mit Hochtemperatur-Silikon fixiert.

Ein Rohr von einem Holzofen kann im Außenbereich gerne isoliert sein: Gerade im Außenbereich soll keine Hitze im Inneren des Rohres verloren gehen, damit die Luft gut nach oben steigt und somit Zug erzeugt. Das werde ich erreichen, in dem ich das 80er Rohr vom Ofen in ein 130er Rohr stecke. Die Durchführung durch den Kasten des Dorade-Lüfters wird auch in 130mm ausgeführt, damit auch der Kasten keine Hitze abbekommt.

Der Kasten mit der Lufthutze wird also erhalten bleiben – das sieht schöner aus und den Unterbau des Kastens kann ich ohnehin nicht so einfach entfernen. Das Rauchrohr vom Ofen wird dann vor der Lufthutze aus dem Kasten austreten.

Der „Schornstein“ für alle Wind- und Wetterbedingungen

Das Rohr kann draußen nicht einfach offen bleiben, und auch ein einfacher Regenhut reicht meinen Recherchen nach nicht aus, um zu verhindern, dass Wind in das Rohr reindrückt. Wenn dann zufällig gerade die Ofentür offen ist, könnte Asche in den Wohnraum gepustet werden – keine schöne Vorstellung.

Nach einigen Abenden habe ich als wohl optimale Lösung ein Regen- und Windschutz gefunden, der sich mit dem Wind dreht. So sieht das im Betrieb aus:

Der Rotowent Dragon im Betrieb, hier eine größere Variante für Häuser.

Die Lamellen an der „Vorderseite“ leiten den Wind so am Rohr vorbei, dass noch zusätzlicher Zug entsteht. Der Rotowent Dragon ist teuer, und es gibt deutlich günstigere Nachbauten. Doch die Konstruktion von so einem Teil ist im Detail gar nicht so trivial, der Hersteller hat sich da schon Gedanken gemacht. Das Material muss auch gut sein… kurz: Ich traue den Nachbauten nicht so recht. Lieber einmal etwas mehr ausgeben und dann eine Lösung für viele, viele Jahre haben.

Nun wird es ein paar Wochen dauern, bis alle Teile da sind und die Ecke umgebaut ist. In der Theorie habe ich alles sorgfältig bedacht und es bleibt spannend, ob mein Plan in der Praxis funktioniert.

Update Anfang Dezember 2023: Hat alles geklappt, mehr im dritten Teil der Serie: Der süße und endgemütliche Holzofen an Bord!

7 Kommentare zu “Holzofen an Bord: Umbaumaßnahmen zur Lounge Area, Planung für Rauchrohre und Schornstein

  1. Carl Selmer

    Hallo. das mit dem Ofen ist Toll
    werde darüber nachdenken heuer
    war ich mit deep water. baldr14clr
    von sneek. via DK ostküste nach
    Bergen unterwegs alle wetterbedingungen
    erlebt in stavanger sehr großer wellengang
    ansonsten. mit großer vorsicht
    unterwegs
    Nachdem es in Skagen immer problem
    mit platz mitte mai bin ich. am rückweg
    über Thyboron & Limfjord im september
    retour gefahren
    war wunderschön. im september
    danach anfang oktober in sneek
    wieder gelandet
    jetzt muss ich sagen nach 5 monaten
    seezigeuner. hat mich der Virus
    zur See zu fahren. gefressen

    gelobt sei das leben auf See
    es gibt fast unendliche Freiheiten
    wenn man Vorsichtig. ist

  2. Birgit Düerkop

    Hallo Julian, fahre selbst nur eine alte St. Josef Vleet aus 1982 und benutze sie mehr als Ferienwohnung, deshalb bin ich sehr gespannt auf den kleinen Ofen. Deine Ausführungen kann ich gut folgen ohne das ganze „Fachchinesich“. Muss nur noch ein Plätzchen finden 🙂 .

  3. Arne

    Hallo Julian,
    ganz ehrlich: Ich würde mich bedanken, wenn neben mir ein Boot mit Holzofen liegt. Die romantische Verklärung des „Duftes“ würde ich mit zuqualmen übersetzen. Während der Anheizphase qualmt es ordentlich und Funkenflug und Austritt von Asche/Feinstaub ist auch nicht ausgeschlossen. Das würde ich mir nicht bieten lassen, wenn auf meine Persenning oder GFK das Zeug runterrieselt und mein Boot geräuchert wird. In Alleinlage ist das natürlich kein Problem.

    1. Julian Buß

      Hallo Arne,

      na was glaubst du denn, entsprechende Rücksichtnahme ist doch gute Seemannschaft! Wenn ich in einer Box liege und und an beiden Seiten sind andere Boote feuere ich sicher nicht den Ofen an.

      Holzöfen auf Booten sind nun wirklich nichts ungewöhnliches, und jeder, der sowas hat, lernt, damit umzugehen und auf seine Nachbarn zu achten.

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