Steuerfreien Bootsdiesel in Norwegen tanken?

Tanken in Norwegen – ungefärbt an der Autotankstelle oder steuerfrei und gefärbt an einer Bootstankstelle? (Foto von SY Müggele)

Wie im letzten Beitrag berichtet geht es dieses Jahr nach Norwegen, dem Land des steuerbefreiten Bootsdiesels (genauer: ohne Energiesteuer, aber mit Mehrwertsteuer).

Nun werde ich natürlich erstmal den guten, biofreien Diesel ohne Mehrwertsteuer auf Helgoland tanken und die ungefähr 3.000 Liter Bunkerkapazität der JULIUS wird für die gesamte Reise locker reichen. Grob werden das um die 1.500 Seemeilen, bei im Schnitt 1,3 Liter pro Seemeile wären wir dann bei knappen 2.000 Litern Brennstoff.

Auf der Rückreise wieder in Kristiansand angekommen könnte ich sicher um die 1.000 Liter nachbunkern. Bei dieser Menge macht es einen offensichtlich deutlichen Unterschied, steuerbefreit in Norwegen zu um die € 1 / Liter (z.B. NOK 10,55 = aktuell € 1,04) oder irgendwo in Dänemark zu vermutlich eher € 1,5 / Liter zu tanken.

Tankquittung der SY Müggele aus 2020

Da stellt sich die Frage, die schon einige Bootseigner umgetrieben hat, zu der ich aber bisher nur veraltete Informationen in den Foren gefunden habe: Ist es erlaubt, mit steuerfreien Bootsdiesel aus Norwegen im Tank auf dem privaten Boot nach Deutschland einzureisen?

Dazu ist erstmal festzustellen, dass dieser Diesel wohl mittlerweile grün und nicht rot eingefärbt ist, so sagt es die norwegische Wikipedia unter https://no.wikipedia.org/wiki/Avgiftsfri_diesel, was mir Google wie folgt übersetzt:

Duty-Free-Diesel ist ein Begriff für ein Dieselprodukt, das in Norwegen vermarktet wird und nicht mautpflichtig ist (neuer Begriff aus dem Staatshaushalt für 2011) und daher billiger als gewöhnlicher Diesel ist. Die Mehrwertsteuer wird wie gewohnt berechnet. Fahrzeuge, die für den Straßenverkehr bestimmt sind, dürfen keinen zollfreien Diesel verwenden, aber Boote, Baumaschinen, Elektrowerkzeuge, stationäre Motoren und andere Fahrzeuge, die nicht für den Straßenverkehr bestimmt sind, können zollfreien Diesel verwenden. Zollfreier Diesel ist in der Landwirtschaft weit verbreitet, hauptsächlich für Traktoren. […]

Um zwischen zollfreiem und normalem Diesel unterscheiden zu können und damit die norwegische öffentliche Straßenverwaltung und der Zoll jede illegale Verwendung kontrollieren können, hat zollfreier Diesel eine grüne Farbe (früher rot) und zusätzliche Spurenelemente .

Bisher mussten Besitzer von Dieselfahrzeugen pro gefahrenem Kilometer Maut entrichten. Diese Steuer wurde durch eine Mineralölsteuer ersetzt. Weil man Anlagen oder Schiffsverkehr nicht beeinträchtigen sollte, wurde zollfreier Diesel eingeführt.

Und beim deutschen Zoll lese ich unter https://www.zoll.de/DE/Privatpersonen/Verbrauchsteuern-im-Haushalt/Verwenden-von-Kraftstoffen/verwenden-von-kraftstoffen_node.html:

Sonderfall: Gefärbtes Gasöl im Boot bei der Rückreise aus anderen Ländern

Im Gegensatz zu dem oben genannten Fall „Heizöl im Kraftfahrzeug“ sieht das Energiesteuerrecht eine Ausnahme vor für Wasserfahrzeuge der privaten, nicht gewerblichen Schifffahrt. Sie dürfen Ihr Boot, z.B. im Urlaubsland, mit gekennzeichnetem Gasöl betanken und dieses auch bei der Rückreise nach Deutschland weiterverwenden. Voraussetzung: Der gefärbte Kraftstoff muss in dem anderen Land erlaubt sein.

Wenn mit „Gasöl“ Diesel gemeint ist, wäre es also erlaubt. Und durch die grüne Einfärbung ist sofort zu sehen, dass ich kein Heizöl getankt habe, was ja – wie bekannt – glasklar verboten ist.

Um ganz sicher zu gehen habe ich eine Anfrage an den deutschen Zoll gestellt. Sobald ich die Antwort habe, werde ich diesen Artikel ergänzen.

3.000 Liter im Tank, 2.000 Liter auf 1.500 Seemeilen – irre viel?

Jeder Segler, der das hier liest, wird vom Stuhl gefallen sein: 3.000 Liter im Tank? 2.000 Liter verbrennen für 1.500 Seemeilen? Ein Segelboot verbraucht in der Regel zwei, vielleicht mal drei Liter pro Stunde bei irgendwas zwischen fünf und sechs Knoten. Da werden am Anfang des Jahres einmal 50 Liter getankt und das war’s dann für das ganze Jahr.

Da sind ein paar Worte zur Einordnung angebracht:

  • Wie viel verdrängt ein typischer GFK Segler? Zwei Tonnen sind da schon ordentlich, mehr als drei Tonnen schon viel. Die JULIUS bringt voll beladen sicher 28 Tonnen auf die Waage, also so bummelig das 10-Fache – verbraucht aber nur zwischen acht und neun Litern pro Stunde bei 6,5 Knoten.
  • 2.000 Liter Brennstoff entsprechen ungefähr € 2.000 bei aktuellem Helgoland-Kurs. Für eine 1.500sm Reise von drei Monaten mit vier Wochen Urlaub einer vierköpfigen Familie.

In Relation zum Segelboot unter Motor verbrennen wir also erstaunlich wenig Diesel. Und in Relation zur Wegstrecke, Länge der Reise und Anzahl der Personen empfinde ich die Kosten immer noch als akzeptabel.

Völlig richtig ist natürlich, dass es aus ökologischer Sicht besser wäre, zu segeln. Das können wir nicht, und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Und bis sich eine gute, CO2 arme oder freie Lösung für Schiffsmotoren abzeichnet, sind wir im Vergleich zu den meisten anderen Motorbooten zumindest sehr sparsam unterwegs. Und verzichten auf einen Generator.

Update: Die Antwort vom Zoll

„ja, mit Gasöl ist Diesel gemeint und die Tankquittung gilt auch noch nach einem Jahr als Nachweis, dass Sie bei der Reise nach Norwegen gefärbten Kraftstoff getankt haben.

Soweit die vorstehende Antwort fachliche Ausführungen enthält, begründen diese keine Rechtsansprüche.“

Antwort via E-Mail vom deutschen Zoll am 24. Februar 2022.

Ich darf also in Norwegen grün eingefärbten Diesel tanken und damit nach Deutschland zurück fahren.


Hinweis: Die in diesem Artikel gemachten Aussagen bzgl. norwegischem Brennstoff basieren auf eigenen Recherchen und sind ohne jede Gewähr.

7 Kommentare zu “Steuerfreien Bootsdiesel in Norwegen tanken?

  1. Andreas Schiebel

    Ich bin mir sehr sicher, dass du mit dem grünen Diesel hier ankommen darfst. Aber Reservekanister nicht füllen und unbedingt die Quittng des Tanken aufbewahren. Ob du dich aber beim Zoll melden musst, weiss ich nicht.
    Pass auf auf dem weg nach Norwegen. Es gelten wegen Alkohol strikte Mengenbeschränkungen. Keine EU nur ein Schengenstaat. Also nicht einklarieren. Aber Zoll evtl. An Bord.
    Lg Andreas

    1. Jens-Peter Bax

      Moin Andreas,
      wir stehen vor der selben Frage. Aber da Julian bereits eine Anfrage an den Zoll geschickt hat, wird er (hoffentlich) eine kompetente Antwort bekommen. Quittungen sollte man IMMER aufbewahren. Zumindest für eine längere Zeit. Ich bin gespannt, was der Zoll sagt. Es würde mich nicht mal wundern, wenn der sagt „Das dürfen Sie gar nicht“ ;-(

Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.