MFD, Plotter, Instrumente, Netzwerke auf dem Boot – eine Entscheidungshilfe

Elektronische Navigation - hier mit Furuno an Bord der M/S CRUM
Elektronische Navigation – hier mit Furuno an Bord der M/S CRUM

Wer sich dazu entschließt, die Navigationselektronik auf seinem Boot auf einen aktuellen Stand zu bringen, wird erschlagen von einer Auswahl an Herstellern, Geräten und Möglichkeiten. Dazu kommen viele Fachbegriffe, deren Bedeutung sich nicht von selbst erschließen: MFD und USB, NMEA und Ethernet, Baud und 2K – um nur Einige zu nennen.

Mit diesen Themen beschäftige ich mich seit Jahren und habe mittlerweile einiges an Erfahrung gesammelt und Einblick in viele Hintergründe gewonnen. Ähnlich wie bei meiner Artikelserie „Internet auf dem Boot“ werde ich nun nach und nach einen Überblick geben und einzelne Themen detaillierter beleuchten.

Grundlegende Komponenten einer modernen elektronischen Navigation

Ob auf Papierkarten vollkommen verzichtet werden soll (schon in 2013 hatte ich hier etwas dazu geschrieben) oder nicht: Elektronische Navigation ist eine erhebliche Hilfe und kann – je nach Ausbaustufe – das Führen eines Bootes wesentlich einfacher und sicherer machen.

Dabei werden die einzelnen Komponenten des Systems über teilweise standardisierte Verbindungen miteinander und vor allem mit der Zentraleinheit verbunden:

Ein möglicher Aufbau eines Systems zur elektronischen Navigation (hier am Beispiel von Raymarine Komponenten).
Ein möglicher Aufbau eines Systems zur elektronischen Navigation (hier am Beispiel von Raymarine Komponenten, mit Bildmaterial von Raymarine).

Bestandteile des Systems:

  • Eine Zentraleinheit, die eine elektronische Seekarte zur Verfügung stellt und Zugriff auf alle weiteren Komponenten (wie beispielsweise Echolot, Logge aber auch komplexe Zusatzgeräte wie Radar und Sonar) ermöglicht. Meistens ist dies ein Multifunktionsdisplay (MFD, auch „Plotter“ genannt), kann aber auch ein passend aufgebauter Computer mit entsprechender Software sein. In dieser Artikelserie konzentriere ich mich auf MFDs.
  • Sensoren, die Daten liefern: Tiefe, Wind, Position, Kurs, Objekterkennung (Radar, Kameras) und so weiter.
  • Automaten, die Teile des Bootes kontrollieren können. Meistens in Form eines Autopiloten.
  • Instrumente, die zusätzlich zum MFD Daten anzeigen (beispielsweise an einem anderen Ort).
  • Spezialisierte Zusatzgeräte wie UKW Funk oder Musikanlagen.
  • Verbindungen zwischen MFD, Sensoren, Automaten und Instrumenten (damit jeder mit jedem Sprechen kann).

Dabei kann jeder selbst entscheiden, welche Komponenten neben einer Zentraleinheit notwendig sind. Bei vorausschauender Planung kann ein System auch schrittweise ausgebaut werden, ohne ältere Komponenten gleich wieder ersetzen zu müssen.

Multifunktionsdisplays (MFDs)

Alt und Neu: Philips AP Navigator, Autohelm ST40 Wind und Echolot, Raymarine e7 MFD, Raytheon RL70C Radar, Android Tablet als Fernsteuerung für einen Computer mit Coastal Explorer
Alt und Neu: Philips AP Navigator, Autohelm ST40 Wind und Echolot, Raymarine e7 MFD, Raytheon RL70C Radar, Android Tablet als Fernsteuerung für einen Computer mit Coastal Explorer (auf meiner JULIUS).

Einen Computer in Form eines PC oder Mac als Zentraleinheit für eine elektronische Navigation zu nutzen hat seinen Reiz. Ich selbst nutze einen Mac Mini mit Coastal Explorer seit Jahren sehr erfolgreich. Trotzdem ist das ein spezielles Thema mit seiner eigenen, nicht unerheblichen Komplexität – daher konzentriere ich mich hier auf MFDs, die in der Regel eine viel einfachere Lösung darstellen.

Hier gilt es, sich zuerst für einen Hersteller zu entscheiden. Elementare Navigationsdaten wie Position, Kurs und Tiefe lassen sich einfach und über standardisierte Verbindungen auch zwischen Geräten unterschiedlicher Hersteller austauschen. Aber alle komplexen Komponenten wie Radar, Sonar und Autopiloten funktionieren nur mit Geräten des gleichen Herstellers. Natürlich möchte ein Hersteller zu seinem MFD auch gerne die eigenen weiteren Geräte verkaufen. Doch auch Gründe wie ein ansonsten völlig ausufernder Aufwand für Test und Entwicklung spielen hier eine Rolle.

Die aus meiner Sicht wesentlichen Hersteller sind:

  • Furuno: Sehr professionell, aber auch teuerer als andere Hersteller.
  • Navico mit den Marken B&G, Simrad und Lowrance. Jede Marke ist für einen bestimmten Kundenkreis gedacht: B&G wird für Segler, Simrad für Motorboote und Lowrance für kleinere Boote empfohlen.
  • Raymarine: Schöne Geräte, gute Funktionen, durchdachte Bedienung, preislich im Mittelfeld.
  • Garmin: Bietet auch eine reichhaltige Auswahl an leistungsfähigen MFDs und Komponenten zu vergleichbaren Preisen wie Raymarine und Simrad.

Die Wahl des Herstellers ist entscheidend für den ganzen – auch zukünftigen – Ausbau des Systems! Daher muss hier sorgfältig geprüft und abgewogen werden.

Auswahl eines Herstellers für elektronische Navigation

Zuerst sollte anhand einer exemplarischen Ausbaustufe geprüft werden, was ein entsprechendes System bei jedem Hersteller ungefähr kosten würde. So ergeben sich schnell Kandidaten, die ausgeschlossen werden können.

Hier ein Beispiel: Ein MFD mit 9 Zoll großem Display und ein kleines Radar mit aktueller Technik („Solid State“ statt klassischem Impuls-Radar).

Hersteller Teile und Einzelpreise Gesamtpreis
Furuno Hat gar kein MFD mit 9 Zoll, 12 Zoll ist die kleinste Größe (€ 3.154). Dazu eine NXT-Radarantanne (€ 2.279). € 5.433
Simrad MFD „NSS9 evo 3“ im Bundle mit einer „4G Broadband“ Radarantenne (Einzelpreise: MFD € 2.719, Radarantenne € 2.279). € 4.926
Lowrance MFD „HDS-9 Gen3“ (ohne zusätzliche Sensoren, € 1.659), „4G Broadband“ Radar (€ 2.279, gleiche Antenne wie bei Simrad). € 3.938
Raymarine MFD „eS97“ (vorbereitet für Fischfinder, ohne Sensoren, € 2.441), „Quantum“ Radarantenne (nur mit Stromkabel, Anbindung über Wifi, € 1.557) € 3.998
Garmin MFD „GPSMAP 922“ (€ 1.312), „GMR Fantom 24“ Radar (€ 2.537) € 3.849
Alle Preisangaben ohne Gewähr und Stand März 2017 von ensslin.com (bootsteileshop.de). Diese Aufstellung ist nicht exakt und soll nur einen ungefähren, ersten Eindruck der tatsächlichen Straßenpreise geben.

Was soll das System leisten?

Als nächster Schritt sollten die eigenen Ziele (kurz, mittel- und langfristig) definiert werden. Sprich: Was will ich mit dem System machen können?

Die Hersteller unterscheiden sich hinsichtlich bestimmter Funktionen: Das NXT Radar von Furuno und das Fantom von Garmin können beispielsweise gefährliche Ziele automatisch erkennen, Quantum von Raymarine und 4G Broadband von Navico nicht.

Auch die Unterstützung für verschiedene Karten variiert: Garmin mag nur die eigenen BlueChart Karten, Raymarine unterstützt viele Formate inklusive NV Charts. So gibt es im Detail eine Menge Unterschiede, die nur derjenige sinnvoll vergleichen kann, der weiß, was ihm wichtig ist.

Nur: Welche Möglichkeiten gibt es denn eigentlich? Wer nicht weiß, was alles machbar ist, kann auch nicht entscheiden, was erreicht werden soll.

Eine grobe Übersicht liefere ich mit dieser Artikelreihe. Ansonsten hilft nur: Eigene Recherche auf den Webseiten der Hersteller, sich bei einem kompetenten Händler beraten lassen und vielleicht mal auf einer Messe gucken. In jedem Fall ist zu empfehlen, sich die Geräte mal anzuschauen: Die Art der Bedienung ist durchaus unterschiedlich, und nur durch eigenes ausprobieren lässt sich feststellen, ob ein System gefällt und als einfach empfunden wird.

Weitere Artikel

(Möchtest du via E-Mail darauf hingewiesen werden, wenn der nächste Artikel erscheint? Dann trage dich rechts unter „Verpasse keinen Artikel“ ein.)

 

Hinweis: Ich schreibe als privater Autor und leiste keine professionelle
Beratung. Bitte stelle Fragen als Kommentar unter den Artikel. So haben alle Leser etwas davon.
Hinweis: Ich habe persönlich die meiste Erfahrung mit Geräten von Raymarine, werde aber nicht von Raymarine gesponsort, noch hat Raymarine irgendeinen Einfluß auf meine Artikel. Wie immer gilt: Ich schreibe einfach über das, was mir Spaß macht und was ich gut finde.
Auch ensslin.com empfinde ich persönlich einfach als guten Händler, werde aber auch von ihm nicht gesponsort.
Und wer jetzt noch hinter allen Bloggern fieses, bezahltes, von bösen Mächten gesteuertes Marketing sieht, dem kann ich nicht helfen und der soll bitte meine Seite nicht mehr lesen.

Hier weiterlesen:


14 Kommentare zu “MFD, Plotter, Instrumente, Netzwerke auf dem Boot – eine Entscheidungshilfe

  1. Michael Eidam

    Hallo Julian,
    komme noch einmal auf Kamerathema von 2014 zurück. Ich suche immer noch nach einer Lösung, mit der ich die Kamera über Ethernet auf meinen Navigationscomputer schalten kann und dann das Bild auch auf dem zweiten angeschlossenen Display sähe. Müsste also eine IP PoE Kamera sein und wahrscheinlich braucht man auf dem PC eine Software, welche das Bild aufzeigt. Die Meinung der „Fachleute“ hierzu läuft in so viele Richtungen, dass sie nur verwirrt. Ist dir so eine Lösung über den Weg gelaufen?
    Mike

    1. Julian Buß

      Hallo Mike,

      ich würde ich Richtung Axis gucken. Die haben soweit ich weiß ein weites Spektrum von IP Kameras, und Axis funktioniert z.B.mit einem Raymarine MFD und mit Coastal Explorer auf dem PC. Auf eine Axis Kamera wirst du aber auch mit einem Browser zugreifen können.

      Um das Kamerabild auf mehreren Rechnern gleichzeitig darzustellen muss die Kamera m.E. nach Multicast-fähig sein (Multicast=Ein Sender, mehrere Empfänger). Das scheint Axis zu können, siehe hier: https://www.axis.com/global/en/support/faq/FAQ115996

      Viel Erfolg!

  2. Markus

    Sehr guter Artikel. Habe ich es richtig verstanden, dass hinsichtlich des Radars keine herstellerübergreifenden Kombinationen möglich sind? Wenn dem so ist (ich würde gerne einen B&G Plotter mit dem Raymarine Quantum Radar kombinieren): Welches Rymarine MFD ist für Segler am besten geeignet? Als ich deren Webseite durchsah fiel mir auf, dass viele der Geräte den Schwerpunkt Sonar/Fishfinder haben.

    1. Julian Buß

      Das hast du richtig verstanden: Radar und MFD nur innerhalb eines Herstellers.
      Für Segler würde ich immer ein MFD mit Touch und Knöpfen nehmen, also eines aus der eS Serie (die e Serie ist eine Generation älter). Das eS mit 7 Zoll gibt es ohne Fishfinder/Sonar Modul, die größeren MFDs haben alle so ein Modul mit drin – aber das muss man ja nicht nutzen, und das stellt auch keinen Schwerpunkt dar.

      Die Geräte haben ohnehin alle – vom Sonar abgesehen – die gleiche Funktionalität, egal welche Bildschirmgröße. Beim Quantum ist schön, dass man nur eine Stromversorgung legen muss, was viel leichter zu bewerkstelligen ist als so ein dickes, sperriges Radarkabel. Die WiFi Verbindung soll wirklich zuverlässig sein, das habe ich mehrfach gelesen und gehört. Eines ist allerdings zu beachten: Die Stromversorgung vom Quantum Radar muss einzeln schaltbar sein. Denn: Das MFD muss VOR der Quantum Radarantenne oder mindestens gleichzeitig angeschaltet werden. Wenn das Quantum einige Minuten (ich glaube zehn Minuten) lang keine Verbindung zu einem MFD findet, legt es sich schlafen und reaktiviert sich nur durch aus- und einschalten (gelesen im Raymarine Forum).

      1. Markus

        Vielen Dank für die schnelle Antwort! Ich hatte in der letzten Palstek den Testbericht über das Quantum gelesen. Allerdings soll das mit B&G kompatible 4G Radar auch nicht schlecht sein. Da ich selber beruflich aus der Luftfahrt komme und von dort eine bestimmte Darstellungsart gewohnt bin lege ich wert darauf, dass ich auf das Kartenbild sowohl Radar als auch AIS daten legen kann (und diese nicht nebeneinander interpretieren muss). Gleichzeitig sollte mein neues Radar ein Dauerstrichradar sein, da hier die Belastung durch das elektromagnetische Feld geringer ist.

        1. Julian Buß

          Den Bericht hab ich auch gelesen 🙂 Das 4G ist ganz bestimmt nicht schlecht, das Quantum ist allerdings etwas aktueller.
          Radar-Overlay über Karte und AIS kann man bei Raymarine auf jeden Fall machen, bei B&G aber bestimmt auch – das würde mich schon sehr wundern, wenn das nicht geht.

          Bei Quantum ist die Hardware schon dafür vorbereitet, automatisch gefährliche (d.h. auf einen zu fahrende) Ziele mittels Doppler-Effekt zu erkennen (wie Furuno NXT oder Garmin Fantom). Ich habe allerdings bisher keine echte Bestätigung von Raymarine erhalten, dass das in einem zukünftigen Update geliefert wird… aber da der Wettbewerb das hat, und es „nur“ eine Sache der Software ist, halte ich es für sehr Wahrscheinlich, dass dieses nützliche Feature nachgeliefert wird. Das 4G Broadband hat meines Wissens nach nicht die Hardware dafür. Da könnte ich mir vorstellen, dass Navico demnächst eine neue Radarantenne vorstellt.

          Für das typische Yachtradar mit sinnvoll nutzbaren Reichweiten von ca. 20 Seemeilen würde ich auch heute immer ein Solid State Radar nehmen, gerade als Segler wg. Stromverbrauch.

    1. Julian Buß

      Ja, Costal Explorer ist ein Windows Programm. Auf dem Mac habe ich eine Virtuelle Maschine, in der Windows mit Coastal Explorer läuft. Dieses Prinzip hat eine Reihe von Vorteilen.. z.B.

      – Snapshot machen, bevor ein Update durchgeführt wird (und wenn was schief läuft ohne jedes Problem auf den vorherigen Stand zurück gehen)
      – Kommunikation der Windows VM kontrollieren (z.B. Windows Updates nur bei guter und kostenloser WLAN Verbindung)
      – VM auf externe Platte sichern und wenn der Mac defekt sein sollte: Einfach VM auf einen anderen Computer kopieren, dort starten und weiter gehts.

      1. CarCode

        Du solltest tunlichst auch die Nachteile einer VM erwähnen. Leider sind die erheblich größer als die wenigen von Dir genannten Vorteile. Weder Parrallels noch VMware Fusion (und die freien VMs schon gar nicht) können da punkten…

  3. Jörg Baschab

    Hallo Julian,

    Ich habe auf meinem Boot ein MFD von Raymarine (C120) mit einem analogen Radar von Raymarine verbaut. Jetzt habe ich mir ein neues Ray A128 MFD gekauft. Laut Beschreibung ist dies nicht mit analogen Radar Domes kompatibel.

    Kennst du vielleicht trotzdem einen Trick wie man ein analoges Radio anschließen kann?

    1. Julian Buß

      Hallo Jörg,

      sorry, da gibt es keinen Trick. Die Technik deines Radars ist völlig anders als das, was der A128 erwartet. Es mag auf den ersten Blick ärgerlich sein, aber das einzige was hilft ist: analoges Radar auf eBay verkaufen (am besten zusammen mit dem C120) und ein Quantum oder eine aktuelle HD-Radarantenne kaufen. Bei den HD Antennen ist neben dem Geld ein Ärgernis, dass ein neues Kabel gezogen werden muss. Das Quantum braucht nur ein Stromkabel und kann drahtlos via Wifi die Daten zum MFD übertragen (sofern das MFD nicht im inneren eines Stahlbootes ist, dann wird das vermutlich nicht klappen).

      Ich stehe auf der JULIUS übrigens vor einer ähnlichen Aufgabe. Noch habe ich ein altes Raytheon RL70C Radar – das spricht natürlich auch nicht mit meinem gerade neu gekauften es98 MFD… das ist nicht dringend, weil das RL70C ein eigenes Sichtgerät hat… aber mittelfristig will ich das auch gegen eine aktuelle Lösung tauschen.

      Sieh es positiv: Ein neues Radar wie ein Quantum bietet viele Vorteile und komplettiert dein tolles neues MFD 🙂

      1. Jörg Baschab

        Hallo Julian, Das habe ich schon befürchtet. Also werde ich wohl in den sauren Apfel beißen. Ich werde mich dann wohl für das Quantum entscheiden, wer schon denn schon, denn es ist die neueste Technologie.

        Vielen Dank für deine Hilfe. Herzliche Grüße Jörg

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.