Ständig verfügbares Internet an Bord mittels Mobilfunk/UMTS – auch in Dänemark und Schweden

Natürlich gibt es in vielen Häfen mittlerweile WLAN. Aber wann ist das Hafen-WLAN mal wirklich schnell und problemlos? Vielleicht in der Vorsaison, wenn kaum einer im Hafen liegt… ansonsten habe ich bisher eher negative Erlebnisse mit Hafen-WLANs gesammelt: nicht verfügbar, langsam, häufige Aussetzer. Außerdem hilft einem das Hafen-WLAN nicht, wenn man unterwegs ist.

Und schließlich habe ich immer ein etwas mulmiges Gefühl, wenn ich zusammen mit vielen anderen, unbekannten Geräten im gleichen WLAN bin… irgendwer trägt dort garantiert einen Schädling mit sich herum, den ich mir nicht einfangen möchte.

Also habe ich seit längerer Zeit nach Lösungen gesucht und bin nun nach diversen Tests fündig geworden:

2014-05-26 at 15.32.10

Meine Zielstellung für Internet auf dem Boot war wie folgt:

  • Eine von Hafen-WLANs unabhängige Lösung.
  • Internet auch unterwegs, zumindest wenn ich küstennah unterwegs bin.
  • Akzeptable Geschwindigkeit – UMTS oder höher.
  • Bezahlbar.
  • Auch in Dänemark und Schweden verfügbar – und auch dort bezahlbar.
  • Geringer technischer und installationsmäßiger Aufwand.
  • Verfügbar für alle meine Geräte und bei Bedarf auch für Geräte von Gästen.
  • Volle Kostenkontrolle, keine pauschalen monatlichen Gebühren und keine langfristigen Vertragsbindungen.

Ganz schön anspruchsvoll? Mag sein. Aber lösbar. Und zwar so:

1. Komponente: Huawei UMTS WLAN Router mit Anschluss für externe Antenne

2014-05-26 at 15.32.22

Huawei stellt eine große Auswahl von UMTS und LTE Routern her. Diese kleinen Geräte stellen eine Internetverbindung via Mobilfunk (UMTS oder LTE) her und stellen diese Verbindung dann via WLAN anderen Geräten zur Verfügung. Man braucht nur eine Mobilfunk-SIM-Karte und einen entsprechenden Daten-Tarif.

Leider haben nur fast alle diese Geräte keinen Anschluss für eine externe Antenne. An Land ist das meistens auch nicht so wichtig, in meinem Stahlboot allerdings kann man innerhalb des Bootes schon mal erheblich schlechteren Empfang haben als außerhalb.

Schließlich habe ich den Huawei E5332 gefunden, der einen sogenannten „T9“-Anschluss für eine externe Antenne hat. Der Huawei E5243 kann bis zu 8 WLAN Geräte versorgen (anstelle 5 Geräte wie es bei älteren Huawei Geräten der Fall ist!) und wird einfach über ein USB Micro (B-Stecker) geladen.

Den Huawei E5332 gibts hier bei Amazon für ca. 55 Euro.

2. Komponene: eine externe Antenne 

Für UMTS gibt es Rundstrahler und Richtantennen. Letztere sind erheblich leistungsstärker, aber ich möchte ja nicht ständig eine Richtantenne nachjustieren müssen, vor allem nicht unterwegs. Also muss es ein Rundstrahler sein.

Die Auswahl dafür ist nicht so wirklich groß, jedenfalls wenn es relativ günstig sein soll. Nach langer Recherche bin ich auf diese recht schlichte Antenne gestoßen:

2014-05-26 at 15.32.36

Hier klicken für ein Angebot bei Amazon für ca. 20 Euro.

Die Meinungen zu der Antenne sind sehr unterschiedlich und häufig negativ, der Grund dafür ist ganz schlicht: die Antenne ist auf dem Sockel aufgeschraubt, das Innengewinde ist allerdings mit schwarzem Lack beschichtet und somit geht der Empfang natürlich gegen Null. Nachdem ich das Gewinde mit einem Messer blank gekratzt habe, sieht es so aus:

2014-05-26 at 15.34.18

Und dann funktioniert die Antenne einwandfrei. Das Kabel ist relativ dünn und ca. 2m lang, was für meine Zwecke völlig ausreichend ist.

Vorteil bei dieser Antenne: sie hat einen Magnetfuß, hält also einfach so auf dem Dach meines Stahlbootes, ohne jeden Installationsaufwand.

3. Komponente: Stromversorgung

Das ist sehr einfach: man braucht einfach ein langes USB Kabel (Standard USB auf Micro Stecker B). Ich habe ein 3m Kabel bestellt, das ich dann mittels USB-Zigarettenanzünder-Adapter und einer Zigarettenanzünder-Dose mit dem 12V System meines Boots verbinden werden.

4. Komponente: Mobilfunktarif für Deutschland, Dänemark und Schweden

Ich wollte auf jeden Fall eine Prepaid-Lösung ohne feste monatliche Gebühren haben, weil ich ja nicht ständig auf dem Boot bin. Für Deutschland habe ich sowas leider nicht gefunden, da kann man sich bei einem beliebigen Provider einen Prepaid-Daten-Tarif raussuchen, z.B. bei Simyo, Tchibo, Aldi, Lidl etc.

Zu beachten ist, dass diese Provider alle im O2 oder E-Plus Netz arbeiten, das nicht so gut ausgebaut ist wie das Telekom- oder Vodafone Netz.

Grundsätzlich sind die aber alle ähnlich: man bezahlt via Prepaid monatlich eine Gebühr und kann dann in diesem Monat Internet bis zu einer bestimmten Grenze nutzen, z.B. 1GB. Wenn man das Volumen in dem Monat nicht verbraucht, verfällt es.

Für Dänemark und Schweden allerdings gibt es eine tolle Lösung vom Provider drei.at, die man via prepaid-global.de bestellen kann: ein Prepaid-Internet Tarif mit z.B. 1GB Volumen, der man innerhalb eines Jahres (!) nutzen kann. Und aufladen kann man auch jederzeit für relativ kleines Geld (20 Euro).

Fertig!

Den Huawei Router werde ich fest im Boot an einer Stelle unter dem Dach montieren (mittels Klettband) und mittels fest installiertem USB Kabel an die Stromversorgung anschließen.

Die externe Antenne packe ich dann bei gutem Wetter aufs Dach und werde das Antennenkabel erstmal „fliegend“ vom Dach durch die Tür zum Router führen. Wenn sich das bewährt, werde ich im Herbst überlegen wie ich das eine vernünftige Kabelinstallation hinbekomme. Bei schlechtem Wetter muss die eingebaute Antenne des Huawei Routers ausreichen.

Den Huawei Router kann man mit einem Kopfdruck an- und ausschalten, mehr braucht man nicht zu tun. Wenn der Router an ist, sucht er automatisch ein passendes Netz und stellt die Internetverbindung her.

Meine Geräte (Macbook, iPhone, iPad etc.) klinken sich dann automatisch in das Huawei-WLAN ein und haben dann sofort Internet, ebenfalls ohne weiteren manuellen Eingriff.

Wenn ich von Deutschland nach Dänemark oder Schweden fahre, muss ich nur einmal die SIM Karte im Huawei Router wechseln und ein Konfigurationsprofil in der Web-Oberfläche vom Huawei Router wechseln, das ist alles in einer Minute erledigt.

Detail-Tests reiche ich noch nach, ich gehe aber davon aus, dass ich so in den allermeisten Gebieten ausreichenden Mobilfunk-Empfang und damit auch Internet habe, und vor Anker und im Hafen sowieso – gerade in Dänemark und Schweden, wo die Mobilfunk-Infrastruktur sehr gut ausgebaut ist.

Nachtrag August 2014:

Im Urlaub hatte ich eine SIM von beachsim.com mit einer 30 Tages Flatrate für Dänemark und Schweden. Das hat hervorragend funktioniert.
Und mit der externen Antenne hatte ich sogar mitten auf dem Kattegat 10 Seemeilen vom Land entfernt noch Empfang. Mit der Flatrate hatte ich den Hotspot einfach 24h am Tag an und damit fast Internet wie zu Hause.

Die externe Antenne habe ich noch mit mehreren Schichten transparentem Sprühlack versehen, um die vor Regen zu schützen. So war auch die Antenne immer draußen und ich habe sie erst am Ende des Urlaubs wieder reingeholt und verstaut.

Also: ich bin mit dieser Lösung sehr zufrieden.

Nachtrag September 2015:

Ich habe den UMTS Router nun durch einen Huawei E5377s-32 ersetzt, dieser neue Router kann auch LTE.

Für LTE braucht man eine (bzw. zwei) neue Antennen. Ich habe diese hier.

Der neue Huawei Router ist super, über eine App auf dem iPad kann ich die Internet-Verbindung jederzeit an- und abschalten und ich werde gewarnt, wenn sich der Datenverbrauch meinem Limit nähert.

Die Antenne bringt einen Hauch besseren Empfang, aber nicht viel. Für meine Zwecke reicht es aber, eine weitere Empfangsverbesserung ist wohl nur mit einer „richtigen“ Antenne im Geräteträger möglich, aber den Aufwand möchte ich nicht treiben.

Als SIM Karte für Deutschland nutze ich Aldi Talk Prepaid. Damit bin ich im E-Plus bzw. O2 Netz unterwegs, beide Netze werden zusammengelegt und bieten zumindest in großen Städten auch LTE. In Hamburg zum Beispiel funkt der Huawei Router über LTE und die Geschwindigkeit ist für mich völlig ausreichend.

Was mir noch fehlt ist ein Tarif mit unbegrenztem Datenvolumen. Mal eben einen Film über Amazon Prime schauen kann man momentan leider vergessen – die Datenrate würde zwar ausreichen, aber selbst einige Gigabyte Volumen wären innerhalb von kürzester Zeit aufgebraucht. Aber hier ist Deutschland halt leider Entwicklungsland.

 

Hier weiterlesen:


10 Kommentare zu “Ständig verfügbares Internet an Bord mittels Mobilfunk/UMTS – auch in Dänemark und Schweden

  1. Klaus von der Néfertiti

    Hi Julian,

    Toller, interessanter Artikel. Respekt, wie Du die Antenne nutzbar gemacht hast. Bin mal gespannt, wie es sich in der Praxis bewährt. Wir werden dieses Jahr wohl nur in Deutschland unterwegs sein, aber ich behalte Deine Dänemark und Schweden Tipps im Hinterkopf…

    Liebe Grüße
    Klaus

    1. Julian Buß

      danke, über Himmelfahrt hatte ich den ersten Praxistest und die Antenne hat sich dabei gut bewährt. Kurz vor der Flensburger Förde hatte ich ohne Antenne fast keinen Empfang im drei-UMTS Netz, mit Antenne hatte ich Vollausschlag.
      Mehr kann man von so einer günstigen Lösung nicht verlangen.

      Als nächste Maßnahme werde ich das Kabel der Antenne kürzen, das ist 2m lang, was für mich völlig unsinnig ist und nur unnötige Dämpfung erzeugt.

      Und ich habe die Verbindung von Sockel zur Antenne mit Schutzlack eingesprüht, damit die Antenne auch im Regen mal draußen stehen kann ohne gleich zu korrodieren.

      Demnächst kommt also ein Folgeartikel 🙂

  2. Hermann Lenz

    Danke Julian für die ausführliche Informationen.
    Werde mir das mal zur Brust nehmen.
    Brauche es vorrangig zu hause. Das Huaway mit Ant auf dem Dachboden.
    Denn in der Wohnung habe ich häufig Verbindungsprobleme ins Internet
    via Vodafone und Laptop.
    Gruss
    Hermann

  3. Michael Becker

    Hi Julian,
    zufällig bin ich auf Deinen Artikel gestoßen. Ich trage mich ebenso schon länger mit dem Gedanken, Internet und WLAN aufs Boot zu bringen. Eine sehr sehr gute Lösung erscheint mir grds. die Glomex 4G. Allerdings ist die auch nicht bezahlbar zumindest nicht wenn man es ins Verhältnis setzt. Kann Dein Router LTE? UNd betriebst Du ihn mit einer oder zwei Antennen. Ich denke, dass man für LTE zwei benötigt oder?

    Grüße
    Michael

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.