Mit Kindern auf dem (Verdränger-) Boot

Mich hat jemand gefragt: „Wie ist das denn eigentlich mit Kindern auf dem Boot?“

Kurze Antwort: toll! 

Das lässt sich natürlich aber noch etwas weiter ausführen… also: 

Vor allem mit noch ganz kleinen Kindern hat man schnell Ängste, dass ein Kind über Bord gehen kann. Das ist natürlich erstmal eine ziemliche Horrorvorstellung, lässt sich aber größtenteils ausräumen wenn man folgende simple Regeln befolgt:

  1. Kinder, die gar nicht oder nicht sehr gut schwimmen können, tragen an Bord und im Hafen eine Rettungsweste. Immer. Keine Ausnahmen, keine Ausreden.
  2. Die Rettungsweste ist der Größe und dem Gewicht des Kindes angemessen.
  3. Die Rettungsweste ist so lange eine Feststoffweste, wie das Kind nicht alleine schwimmen kann.
  4. Kinder, die sehr gut schwimmen können, tragen unterwegs trotzdem eine Rettungsweste. Immer. Keine Ausnahmen, keine Ausreden.
  5. Ob das Kind im geschützten Cockpit sein muss oder an Deck rumturnen darf, entscheidet man mit angemessener Vorsicht. Wenn große Wellen auftreten können (d.h. bei spürbarem Seegang auf der offenen See oder im Binnenbereich dort, wo große und schnelle Schiffe entsprechende Wellen erzeugen) gehören Kindern in einen geschützten Bereich (Cockpit, Innenbereich o. ähnl.)

Rettungsweste 

Zum Thema Rettungsweste noch ein wenig Hintergrund: grundsätzlich darf es einfach nicht passieren, dass jemand (ob Kind oder nicht) über Bord geht. Wenn man mit einem kleinen, offenen Sportboote in einem Kanal unterwegs ist, der sowieso nur ein Meter tief ist, ist das sicherlich anders – ich rede aber von tiefen Gewässern, offener See und Gewässern mit Strömung.

Und wenn in einem solchen Gewässer jemand über Bord geht, können eine Menge schlechter Dinge passieren. Das erste Problem ist dann nämlich die Zeit. Selbst wenn alles perfekt läuft (Überbordgehen wird sofort bemerkt, der Verunglückte bleibt ständig in Sicht, wenig Wind, keine Strömung etc) wird es in der Regel mehrere Minuten dauern, bis man so an den Verunglückten rangekommen ist, dass man ihn wieder an Bord nehmen kann. Und jeder weiß, dass es in solchen Situationen in der Regel nicht perfekt läuft.

Daher muss man dem Verunglückten Zeit erkaufen. Und genau dafür ist die Rettungsweste da. Ohne Rettungsweste kann der Verunglückte – je nach Wassertemperatur – schon nach wenigen Minuten so erschöpft sein, dass er nicht mehr zur Rettung beitragen kann oder im schlimmsten Fall ertrinkt.

Das alles gilt im verstärkten Maße für Kinder. Es gilt aber auch für Erwachsene! Und Erwachsene haben Vorbildfunktion, daher impliziert die strenge Rettungswestenpflicht für Kinder auch, dass man als Erwachsene eine Rettungsweste trägt. 

Überbordgehen allgemein

Letztlich gilt für das Überbordgehen ganz schlicht: tu es nicht. Und man kann es ja auch verhindern, das ist zum Glück ziemlich einfach – siehe obige Regel 5! 

Dazu kommen allgemeine Schutzmaßnahmen, wie z.B. eine feste, möglichst hohe Reling rund um das Boot. Für kleine Kinder kann man ein Netz rund um die Reling ziehen, so dass sie auch nicht unter der Reling durchrutschen können. Das gibt auch dem Kind ein großes Stück Sicherheit. Und natürlich muss man überall an Deck stabile Möglichkeiten zum festhalten haben.

Eins muss man sich aber bei allen Vorsichtsmaßnahmen noch vor Augen halten: ein Kind will ja gar nicht über Bord gehen. Das heißt, ein Kind wird von sich aus alles vermeiden, was zu so einem Unglück führen könnte.

Ganz kleine Kinder

Babys sind völlig unproblematisch – sie können sich ja noch nicht autonom bewegen und interessieren sich nur nebensächlich dafür, ob sie nun im Haus oder in einem Boot liegen. Die sanften Bootsbewegungen und – beim Motorboot – ein sonores Motorengeräusch werden eher dafür sorgen, dass das Kind gut schläft 🙂

Kinder, die krabbeln aber noch nicht laufen können, sollten einen begrenzten Aktionsradius haben, also in irgendeiner Form angeleint werden wenn man unterwegs ist. Denn: es reicht nicht, wenn ein Erwachsener ständig auf das kleine Kind aufpasst. Schnell kann mal eine Situation entstehen, wo z.B. bei einem Manöver alle Erwachsenen ihre Aufmerksamkeit auf das Boot konzentrieren müssen und schon wenige Sekunden reichen einem Kleinkind um an Orte zu gelangen, wo es nicht hinsoll.

Nicht mehr ganz kleine Kinder

Hier muss man eigentlich nur gewährleisten, dass das Kind seinen Platz bei Manövern kennt und dort auch bleibt, damit man die volle Aufmerksamkeit dem Boot widmen kann. Wenn man gerade bei 3 Knoten Strömung in eine Box fahren will und die Heckleine in exakt dem richtigen Moment über den Pfahl geworfen werden muss, ist es wenig hilfreich, wenn genau dann das Kind stolpert, sich wehtut und nach Mama ruft.

Also: bei Manövern ist es gut, wenn das Kind einen festen Platz hat wo es gut gucken kann, ihm nichts passieren kann und es so lange bleibt, bis das Manöver abgeschlossen ist.

Leben an Bord

Meiner Erfahrung nach genießen Kinder das Leben an Bord und gerade auch die beengteren Platzverhältnisse. Kinder sind ja kleiner und haben sowieso ein anderes Empfinden für Größe, und wenig Platz bedeutet auch, dass Mama und Papa immer nah bei sind, was ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt.

Langeweile 

Wie funktioniert das, wenn man längere Touren über Stunden oder sogar Tage macht? Hier ist es sehr von Vorteil, wenn die Kinder so groß sind, dass sie selbst lesen können. Damit kann man sich schon sehr gut die Zeit vertreiben, denn stundenlang nur rausgucken ist für die wenigsten Kinder erfüllend. Bei kleineren Kindern kann man sich gut mit Hörspielen, Malheften etc. behelfen.

Grundsätzlich passen sich Kinder aber in der Regel an die Gegebenheiten an und suchen sich eine Beschäftigung. Ich kenne Familien, die mit ihren Kindern 3 Jahre um die Welt gesegelt sind und teilweise Törns von 20 Tagen und mehr durchgehend auf See hatten. Das war für die Kinder problemlos!

Unterwegs sein – oder: jeden Tag ein Abenteuer

Wenn man mit Kindern im Boot unterwegs ist, ist das meiner Erfahrung nach sehr schön und interessant für Kinder. Mit dem Boot kann man als Kind eigentlich jeden Tag neue Abenteuer erleben:

  • neue Häfen, neue Umgebungen, neue Strände oder Spielplätze
  • Naturerkundung am Ankerplatz
  • Lagerfeuer am Strand
  • eigenständiges Fahren mit dem Dinghy
  • und so weiter…

Natürlich gibt es auch beim Reisen mit dem Boot Dinge, die als Kind langweilig sind. Lange Törns zum Beispiel. Aber Langeweile kann man sich vertreiben – siehe oben – und das Interessante und die neuen Abenteuer überwiegen bei weitem.

Eine schöne Zeit

Ich bin selbst als Kind auf einem Boot (Segelboot) groß geworden und habe nur positive Erinnerungen an die Zeit – obwohl ich lange Zeit auf fast jedem Törn total seekrank war. Jede Seekrankheit endet aber glücklicherweise im Augenblick des Anlegens und daher war das letztlich unwichtig, all die tollen Erlebnisse waren viel wichtiger.

Und genau so erlebe ich es heute mit meinen Kindern. Natürlich gibt es auch auf dem Boot mal etwas, was die Kinder doof finden, aber die gemeinsame Zeit auf dem Boot vor allem eins: schön.

 

 


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