Wind und Temperatursturz

Bis Samstag werden wir noch in Marstal bleiben, weil unsere Freunde sich hier in einem Ferienhaus einquartiert haben und die meisten Orte in der Dänischen Südsee kennen wir ja auch schon.

Da wir gestern abend im Haus unserer Freunde gegrillt haben (vielmehr im Garten des Hauses, wo es total windgeschützt und sehr lauschig ist), konnten wir gestern auch keine Hafengebühr zahlen. Also hat es heute morgen wieder geklopft, und zwar um 0730 (immerhin eine halbe Stunde später als letztes mal…).

Machte nichts, ich bin gleich aufgestanden geblieben und habe ein paar Büroarbeiten erledigt. Als Selbständiger kann ich quasi von überall aus arbeiten, und ich hatte keine Lust auf einen Berg Korrespondenz nach der Ferienwoche.

Das Wetter hat sich hinsichtlich Wind und Temperatur deutlich geändert: es ist locker 8 Grad kälter (heute morgen um 0900 waren es 10 Grad) und der Wind hat zugenommen und die Richtung geändert (auf Nord 4, in Böen 5). Dementsprechend fühlt es sich kalt an heute, aber die Sonne hat uns auch weiter verwöhnt, so dass es bei uns im Salon schnell warm war und ich die Heizung nicht anwerfen musste.

Steffi und die Kinder sind nach dem Frühstück mit unseren Freunden zur Steilküste von Aerø aufgebrochen um Lochsteine zu suchen, ich wollte noch ein paar Arbeiten auf dem Schiff erledigen und bin gleich in den Blaumann gesprungen um folgendes zu erledigen:

– Stopfbuchsen noch mal kontrollieren und noch etwas nachziehen (leckten noch etwas zu viel).
– Öl kontrollieren
– Alle anderen Betriebsflüssigkeiten kontrollieren.
– Kraftstoff-Vorfilter noch mal prüfen – das war auch sinnvoll, die waren nämlich erneut ziemlich zugesetzt. Offensichtlich habe ich Dreck in den Tanks, das muss ich weiter beobachten und ggf. mal die Tanks reinigen.
– Und ein paar alte Lackflecken an der Reling habe ich mit Aceton saubergemacht – es ist ganz erstaunlich, wie sogar Jahre alte Lackflecken damit weggehen.

Das hat mich alles bis um vier Uhr beschäftigt, und just als ich alles wieder aufgeräumt habe und frisch geduscht war kamen die Ausflügler zurück und haben Kuchen mitgebracht.

Den Rest des Tages haben wir mit Hafenkino gucken und beim anlegen anderer Boote helfen zugebracht. Ein Tag mit etwas mehr Wind kombiniert mit einem relativ hohen Charterboot-Anteil ist immer ein Garant für sehenswerte An- und Ablegemanöver.

Ich weiß natürlich noch sehr genau, wie wir uns mit unserem Schlachtschiff im ersten Jahr angestellt haben, da haben wir relativ häufig für 1a Kinovorstellungen gesorgt. Trotzdem ist es immer interessant, anderen Crews beim Manöver zuzugucken (und natürlich zu helfen, wenn sie in unserer Nähe anlegen).

Ein persönliches Highlight heute war, dass ich erneut Lob für meine Xenia bekommen habe: Leute vom Segelboot gegenüber haben gesagt, dass mein Stahldampfer ein „schönes Schiff“ sei und sehr schiffig aussieht. Da ich im Winter viel Arbeit in die Lackierung investiert habe, freut mich sowas natürlich sehr.

Den Abend werden wir wieder bei unseren Freunden im Haus verbringen, diesmal war der Havnepenge-Mann aber schon da und ich kann morgen also ausschlafen.

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Ankern in Aerosköbing

Kann man das Wetter von gestern noch toppen? Ja, das ist tatsächlich möglich. Gestern hatten wir den ganzen Tag Sonne und es war schon ziemlich warm für Ende April. Aber ein ganz leichter Wind wehte, der durchaus hier und da mal eine kühle Nuance ins Spiel gebracht hat.

Heute war gar kein Wind. Null. Nada. Nullkommanix. Und Sonne, Sonne, Sonne. Und eine etwas höhere generelle Lufttemperatur. Ach ja, und Sonne satt, hatte ich das erwähnt?

Und da es morgen auch noch so sein soll, erschien es uns die perfekte Gelegenheit zu sein, mal kurz nach Aerosköbing zu verholen und am dortigen Westerstrand zu ankern.

Genauer ist das eine sehr idyllische, relativ große aber in fast alle Richtungen hervorragend geschützte Bucht, wo man erstklassig ankern kann. Im Sommer liegen hier zig Boote, 15 oder 20 Yachten sind keine Seltenheit. Heute allerdings, Ende April, liegt hier natürlich noch keiner und wir waren die Ersten. Aber ich greife vor.

Zuerst sah es heute vormittag nämlich so aus, als wenn wir unseren Plan nach Aerosköbing zu fahren revidieren müssten: Leo und Maxi hatten Schlauchbootfreunde gefunden und cruisten begeistert mit denen im Marstaler Hafen herum. Der Hafen ist ja wie bereits berichtet sehr leer und außerdem sehr weitläufig, daher konnte das auch niemanden stören.

Auf jeden Fall hatte ich da schon gesagt „hier ist es ja auch schön, und wenn die Kinder Freunde gefunden haben, sollte man das nicht gleich wieder auseinanderreißen…“ und mich innerlich schon auf einen weiteren Hafentag eingestellt, was angesichts des Wetters nun auch wirklich schön gewesen wäre. Aber so kam es nicht, der Vater der beiden anderen Kinder traf nämlich kurz darauf Vorbereitungen zum ablegen. Darauf angesprochen meinte er, dass er gerne heute noch Richtung Dyvig möchte, damit sie nicht später gegen den Westwind kreuzen müssen.

Also haben die Schlauchbootfreunde samt ihrer Eltern abgelegt und wir konnten zum ursprünglichen Plan zurückkehren und haben kurze Zeit später auch abgelegt.

Direkt am Hafenausgang von Marstal beginnt ein eng betonntes Fahrwasser, das sicher durch diverse Untiefen führt und berücksichtigt werden sollte. Weil das Fahrwasser aber einen ziemlichen Umweg macht und zwei Seekarten von unterschiedlichen Verlagen eine ausreichend tiefe Abkürzung versprachen, habe ich das Fahrwasser kurz hinter Marstal ignoriert und habe eben diese Abkürzung genommen. Da sollte überall über 2 Meter Tiefe sein, was bei unserem 1,2m Tiefgang nun wirklich ausreichen sollte.

Um es vorweg zu nehmen: nein, wir sind nicht auf Grund gelaufen. Aber kurz vor dem Ende der Abkürzung, als es wieder in das Fahrwasser ging, war es dann doch noch mal etwas knapp. Auf einmal ging nämlich der Tiefenalarm los (mein Navigationscomputer kennt meinen Tiefgang und bekommt die aktuelle Tiefe ständig vom Echolot gemeldet und kann mich daher rechtzeitig warnen, wenn es flach wird), woraufhin ich die Geschwindigkeit stark reduziert habe und mit einem leichten Befremden zur Kenntnis genommen habe, dass das Echolot nur noch 1,4m angezeigt hat. Der Sensor ist in 40cm Tiefe, d.h. de facto hatten wir da noch bequeme 60cm unter dem Kiel, aber bei laut Seekarte locker über 2m Tiefe hat mich das schon gewundert.

Letztlich war das aber nur ein kleiner Unterwasserhügel und wir konnten gefahrlos wieder ins Fahrwasser einbiegen und dann sicher und ohne weitere Zwischenfälle weiter fahren.

Irgendwann endet das Fahrwasser (nämlich dann, wenn es wieder überall tief ist) und dann erst kann man tatsächlich Kurs auf Aerosköbing bzw. dessen Ankerbucht nehmen. Weil aber das Wetter so perfekt und die See vollkommen spiegelglatt war, haben wir spontan noch ein Foto- und Videoshooting eingeschoben.

Wir haben also angehalten und das Schlauchboot runtergelassen. Maxi und ich sind mit der Kamera ins Schlauchboot, und Steffi und Leo blieben auf der Xenia zurück. Dann ist Steffi gefahren und ich habe vom Schlauchboot aus Fotos und Videos geschossen. Das hat super geklappt und da sind schöne Aufnahmen bei herausgekommen, die ich später noch hochlade und zeige.

Kurze Zeit später sind wir dann in die Ankerbucht eingelaufen und der Anker fiel auf 3,5m Tiefe. Bisher hatten wir immer Schwierigkeiten in der Bucht, weil der Anker nicht auf Anhieb hielt. Auf dem Grund hier ist viel Seegras, was alle meine bisherigen Anker große Probleme bereitet hatte. Diesmal jedoch war alles kein Problem. Mein fast 30 Kilo schwerer Jambo Anker biss sich sofort in den Grund und hielt. Ich glaub, dass ich nun tatsächlich einen zuverlässigen Anker gefunden habe – nachdem ich drei andere Anker ausprobiert hatte.

Kurze Zeit später kamen dann unsere Freunde, die von Marstal aus eine Radtour nach Aerosköbing gemacht hatten. Ich hab sie alle mit dem Schlauchboot vom Strand abgeholt und wir haben dann zusammen wie immer eine sehr nette Zeit verbracht. Unsere Tochter und die Tochter unserer Freunde haben mit dem Schlauchboot gepaddelt und getrascht, wie es Mädchen halt so machen.

Leo und der Sohn unserer Freunde haben geangelt und dann mit Leos Jolle gesegelt, mittlerweile war nämlich ein ganz leichter Wind aufgekommen. Letztes Jahr klappte das mit dem Segeln noch nicht so gut, weil da viel Angst vor dem Kentern im Spiel war. Heute aber waren wir alle sehr überrascht, wie super die beiden das gemacht haben. Der Sohn unserer Freunde hatte letztes Jahr auch einen Segelkurs, genau wie Leo, und das scheint sich ausgezahlt zu haben. Die beiden sind echt souverän in der Bucht rumgesegelt und hatten viel Spaß dabei.

Am späten Nachmittag haben unsere Freunde dann den Weg zurück nach Marstal angetreten, und wir sind noch kurz ein paar Kleinigkeiten einkaufen gegangen und haben dann einen entspannten Abend verbracht.

Übrigens ist es selbst um 2300 überhaupt nicht kalt, im Salon sitze ich immer noch im T-Shirt. Den Tag über war es richtig warm, fast schon wie im Sommer, so dass wir Barfuß und in leichter Kleidung rumlaufen konnten. Das Wasser allerdings ist noch frisch, so um die 12 Grad. Baden ist da noch nicht wirklich angesagt.

Die Heizung jedenfalls kann ich mir heute sparen. Morgen ist es wie schon erwähnt auch noch schön und warm, am Donnerstag dann wird es deutlich kühler. Wir werden morgen wieder zurück nach Marstal dampfen, um weiter Zeit mit unseren Freunden verbringen zu können.

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Einmal Svendborg und zurück

Es ging heute schon um 0700 los. Nein, nicht mit dem Törn. Vielmehr klopfte es um die Zeit: der Havnepenge-Mann war da und wollte die Hafengebühr (DKK 130 ohne Strom) kassieren. Früh, in der Tat, da habe ich aber mit gerechnet.

Und um 0730 war sowieso aufstehen angesagt, um 0900 wollten unsere Freunde kommen, damit wir dann zum Tagestörn nach Svendborg ablegen konnten.

Das haben wir dann auch gemacht. Bei Ost 3 haben wir perfekt abgelegt und sind bei strahlendem Sonnenschein aus dem Hafen von Marstal rausgetuckert.

Nachdem wir uns durch das relativ enge Fahrwasser gezwungen haben ging es dann zwischen diversen Inseln in den Svendborg Sund, der bekanntermassen sehr, sehr schön ist, zumal bei diesem super Wetter.

Viel los ist in der dänischen Südsee noch nicht, uns ist eine klassische, top-gepflegte Dreimastbark begegnet, ansonsten nur der normale Fährverkehr und in der Ferne eine handvoll Segler.

In Svendborg konnten die Frauen dann erstmal in Ruhe shoppen, das Interesse der Kinder beschränkte sich auf den Spielzeugladen… so bin ich mit den Kindern wieder zum Boot gegangen, wo wir Essen vorbereitet und ansonsten gechillt haben.

Irgendwann kamen die Frauen aber dann doch zurück und wir haben dann noch kurz den Sprung zur Thuro-Bugt gemacht. Das ist eine traumhaft schöne Ankerbucht direkt bei Svendborg.

Einen kleinen Steg gibt es da aber auch, bei dem auch Tische und Bänke stehen. Da haben wir festgemacht und haben unser zwischenzeitlich fertig gekochtes Essen auf eben jenen Tischen aufgetischt und gegessen.

Danach gab es für die Männer und Töchter noch einen Verdauungsspaziergang durch den Wald, während die Söhne sich mit angeln beschäftigten und die Frauen weiter klönten.

Dieser Platz in der Thuro-Bugt ist jedenfalls besonders schön, da waren sich alle einig. Schade, dass wir nicht einfach über Nacht bleiben konnten. Aber auch wenn unser Boot nun wirklich nicht klein ist, groß genug für 4 Erwachsene und 4 Kinder ist es dann doch nicht.

Also ging es um 1800 wieder los auf den Rückweg nach Marstal, wo wir dann noch im Hellen um 2045 angekommen sind. Das war ein sehr schöner Tag.

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