Hybridbatterie mit BOS LE300: Jetzt macht es Spaß – Erfahrungen, Empfehlungen und Tipps

Die Batteriebank ist auf 99% – und lädt trotzdem mit 40A@24V (Dashboard von VisuShip).

Ein sehr zufriedenes Lächeln bildet sich in meinem Gesicht. Wir sind kurz von Damp in die Schlei unterwegs, nach Dänemark dürfen wir noch nicht, eine Übernachtung in Häfen ist auch nicht erlaubt, also ankern wir. Das Wetter ist kalt, aber freundlich. Doch mein Lächeln bezieht sich nicht darauf, dass wir wieder vor Maasholm ankern können, sondern auf diese für Bleibatterien eigentlich unmögliche Anzeige: Es sind nur eine Handvoll Ampérestunden entnommen (12Ah@24V in diesem Fall), und trotzdem wird die Bank mit über 40A geladen.

Wie geht das?

Das Laden von Bleibatterien (egal ob Nass, Gel oder AGM) ist ein mehrstufiger Prozess. Zuerst wird maximale Energie, die das Ladegerät liefern kann, in die Batterien eingelagert (Konstantstromphase, „Bulk“), bis eine bestimmte Spannung (Ladeschlussspannung) erreicht ist . Bei meiner AGM-Bank sind das 28,8V (14,4 pro Batterie). Zu dem Zeitpunkt sind die Batterien ungefähr wieder auf 80% Ladezustand.

Danach wird die Spannung gehalten und je voller die Batterien werden, desto weniger Strom nehmen sie auf (Konstantspannungsphase, „Absorbtion“). Für die letzten paar Prozent sind viele Stunden notwendig, wo nur noch mit ein paar Ampére geladen wird. Keinesfalls kann das letzte Prozent mit 40A Strom geladen werden – auch wenn der obige Screenshot widerspricht. Die Auflösung folgt weiter unten!

Am nächsten Morgen stelle ich den Wasserkocher an, um Kaffee zu machen. Gestern und über Nacht wurden 58Ah@24V verbraucht (das wären 116Ah bei einem üblichen 12V System). Die Batteriebank wird mit ungefähr 60A@24V (120A bei 12V) für ungefähr zwei Minuten belastet.

„Sehr schön!“ denke ich, während ich die Spannungen der Batterien überprüfe, die stabil bei 24,8V liegt (12,4 pro Batterie).

Anschließend mache ich noch Milch in der Mikrowelle heiß: 75A (150A bei 12V) werdend dabei für knapp zwei Minuten gezogen. Und auch hier: Die Spannung ist während der ganzen Laufzeit stabil bei 28,8V/12,4V. Hätte ich nur Bleibatterien, würde die Spannung langsam aber stetig sinken während eine so große Last anliegt (außer vielleicht, sie sind noch komplett voll).

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Kleben statt schweißen: Hat nicht funktioniert – Generator außer Betrieb.

Der Ring hat sich wieder gelöst, verhakt und der Riemen löst sich auf.

Ihrn erinnert euch an den Versuch, den Ring, der den Zahnriemen vom herunterrutschen hindern soll, wieder fest zu montieren (Hier lesen: Kleben statt schweißen? Erstaunlich, wie gut das hält.)?

Es ging um meinen Stromerzeugen: Der besteht aus einem 4 Zylinder Diesel, der via Zahnriemen mit dem eigentlichen 230V Generator verbunden ist. Aus unterschiedlichen Gründen sehe ich ihn seit einem Jahr als eine tickende Zeitbombe an (siehe Autark kochen mit Strom, aber Abschied vom Generator: Warum? Und wie geht das?). Unter anderem wegen eben diesem Ring. Der war wohl mal mit Schweißpunkten o.ähnl. fixiert. Irgendwann hat er sich aber gelöst, warum auch immer.

Anstelle den Riemen an Ort und Stelle zu halten, drehte der Ring dann wild und laut scheppernd um die Welle und es gab starken Abrieb am Zahnriemen – er löste sich immer weiter auf.

Da ich nicht schweißen kann, und es an der Stelle auch extrem eng ist, habe ich es mit kleben versucht. Der Versuch mit Loctide 480 war vielversprechend… und hielt für ungefähr drei Betriebsstunden. Nun habe ich es noch mal mit JB Weld 2 versucht (Werbespruch: „Der stärkste Kleber der USA“), einem zwei Komponenten Kleber. Nach 48h Aushärtezeit hielt das für eine Viertelstunde.

Also: Kleben ist keine Lösung für dieses Problem. Und nun dreht der Ring nicht mehr frei mit, sondern ist verhakt und der Riemen zerlegt sich im Betrieb in seine Bestandteile.

Der Generator ist somit vorerst außer Betrieb. Aber wir kochen mit Strom! Und nun?

Nun bin ich äußerst entspannt. Seit dem Herbst baue ich das Energiesystem auf der JULIUS aus und um, genau für diesen Fall:

  • Der Herd läuft mittlerweile über den Inverter, also auch aus der Batteriebank.
  • Unterwegs liefert eine 100A@24V (das sind 200A bei 12V!) Lichtmaschine genug Strom.
  • Meine 4x240Ah AGM Bank habe ich um nunmehr 12 x 25Ah (nutzbar 23,6Ah) LE300 LiFePO Extender Modulen erweitert. Damit habe ich effektiv 142Ah oder fast 4kWh an Lithium Kapazität.
  • Das nächste Set Solarzellen kommt morgen (ein schöner Zufall). Dann habe ich 1.126Wh an Solarzellen auf dem Schiff.

Alleine durch die Solarzellen ist der Strombedarf pro Etmal inklusive kochen (!) an Tagen zwischen Mai und September bei mittlerer Bewölkung gedeckt. Sonnige Tage produzieren einen deutlichen Überschuss, den ich sogar für Warmwasseraufbereitung nutzen könnte (was aber noch Zukunftsmusik ist).

An Regentagen reichen die Solarzellen plus LE300 Module für zwei autonome Tage ohne Fahrt. Das reicht fast immer, um wieder auf sonnigeres Wetter zu warten. Dazu habe ich dann ja noch meine bisherigen AGM Batterien als Backup.

Daher werde ich am Generator erstmal genau gar nichts machen. Ich lass ihn so stehen, wie er ist und bis mir vielleicht mal langweilig ist. Dann könnte ich die betroffenen Teile Stück für Stück demontieren und schauen, wie das das nachhaltig in Ordnung zu bringen wäre. Oder ich lass es und bauen ihn im Herbst komplett aus :).

Autark durch Solar, ohne Generator. Mit kochen. Und Warmwasser. Funktioniert!

JULIUS in der Abendsonne auf Helgoland – mit insgesamt 1.116W Solarzellen

Mein Boot ist nun autark ohne Landstrom, trotzdem wir mit Strom kochen und Warmwasser haben. Ohne Generator! Um hierhin zu kommen war es eine längere Reise:

Angefangen hatte alles damit, dass in der Abgasführung des Generators im letzten Urlaub ein Loch war. Das konnte ich einigermaßen reparieren, aber es bestärkte Befürchtungen:

„Was ist, wenn am Generator mal etwas ernsthaftes kaputt ist?“

Das wäre: Eine Katastrophe. Denn der Stromerzeuger ist auf der JULIUS in einer Nische so eingebaut, dass Wartungs- und Reparaturmaßnahmen praktisch nicht möglich sind:

Generator in einer engen Nische. Kaum zu warten, nicht zu reparieren.
Der Stromerzeuger auf der JULIUS in einer engen Nische: Ein 4 Zylinder Diesel, dahinter – und völlig unerreichbar – der 230V Generator.

Bisher waren wir abhängig von dieser Maschine. Wir ankern sehr viel, und auf dem Boot war ein einfaches Ceran Kochfeld installiert. Wir kochen also mit Strom und nicht mit Gas. Ohne Generator wäre es unmöglich gewesen, den notwendigen Strom zum kochen aufzubringen. Ein Ausfall des Generators hätte bedeutet, jede Nacht in einem Hafen übernachten zu müssen: Für uns eine sehr unschöne Vorstellung.

Daher habe ich nun seit fast einem Jahr an dem Energiesystem der JULIUS gebaut, damit wir generell unabhängiger vom Generator sind und auch ein kompletter Ausfall kein echtes Problem mehr darstellt.

Schritt für Schritt unabhängiger vom Generator werden

Vor einigen Tagen habe ich nun den letzten Baustein des Projekts in Betrieb genommen, doch dazu später mehr. Zusammengefasst bestand das Projekt aus diesen Schritten:

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„Elektrik auf Yachten“ als Video: Kurse zur Boots Elektrik

Zwei Yachtelektrik-Vollprofis und ein talentierter Videomacher haben sich zusammen getan und viel, viel Arbeit investiert. Herausgekommen ist ein Video Kurs über Bootselektrik.

Wer gerne mit Youtube Videos lernt, seine Elektrik auf dem Boot aber nicht irgendwem anvertrauen kann, scheint mir hier richtig zu sein: https://boathowto.com/boat-electrics-101/

Ich wünsche dem Michael, Nigel und Christian viel Erfolg damit, die Idee finde ich super!