Viel günstiger & haltbarer: Heizen mit Planar statt Webasto oder Eberspächer?

Im Herbst vor Anker in einer stillen Bucht. Das geht nur mit einer guten Heizung.
Im Herbst vor Anker in einer stillen Bucht. Das geht nur mit einer guten Heizung.

„Bei uns laufen nun die beiden 4 kW/h Geräte praktisch kontinuierlich ab Oktober bis Ende April (Thermostat gesteuert) und absolut problemlos bereits im 2. Jahr. Sehr effizient, brauchen sehr wenig Diesel und qualmen überhaupt nicht.“ – Thomas von der MS ESCAPE

Irgendwann schrieb mich Thomas von der MS ESCAPE an, weil auf auf booteblog.net gestoßen war. Wir korrespondierten ein wenig hin und her und das Gespräch kam auf das Thema Heizung. Thomas, seine Frau Ruth und ihr Hund Toby leben ganzjährig auf ihrem Stahlboot und hatten eine Eberspächer Luftheizung, die eines Tages nicht mehr lief. Alleine nur den Fehler auszulesen kostete schon Geld, und die Reparatur sollte ebenfalls mehrere hundert Euro kosten.

Damit war Thomas unzufrieden, und er suchte – mit schweizerischer Gründlichkeit! – nach einer Alternative. 

Sehr viele Boote – so auch die JULIUS – sind mit Luftheizungen von Webasto oder Eberspächer ausgerüstet, die jahrzehntelang die einzigen Anbieter in diesem Bereich waren. Neuerdings gibt es auch Luftheizungen von AEROHEAT (z.B. hier bei Toplicht), zu denen es prinzipbedingt noch keine Langzeiterfahrung gibt. Eine Webasto oder Eberspächer macht erstmal ihren Job, keine Frage. Aber hat mal jemand die Anleitungen genauer gelesen?

Da steht etwas von „regelmäßiger Wartung“ drin. Zum Beispiel in der Anleitung einer Webasto Air Top Evo 3900 Heizung:

„Regelmäßige Wartung des Heizsystems ist für störungsfreien Betrieb erforderlich.“

Und weiter:

„Alle 2 Jahre:
Abgaswerte (CO, CO2) prüfen.
PC-Diagnose durchführen.

Alle 10 Jahre:
Wärmetauscher von Luftheizgeräten 10 Jahre nach Erstinbetriebnahme austauschen! Auf beiliegendem Schild das Einbaudatum eintragen. Schild neben Typschild am Heizgerät ankleben.“

Das heißt: Die Heizgeräte müssten alle zwei Jahre ausgebaut, zum Händler gebracht und viel Geld gewartet werden. Natürlich gibt das Sicherheit, dass mit der Heizung alles in Ordnung ist, aber die wenigsten Skipper werden sich diese Mühe machen. Beispielsweise aber das Glühelement ist ein Verschleißteil, es gibt also planmäßig nach ein paar tausend Betriebsstunden auf.

Webasto oder Eberspächer Haltbarkeit – kein Problem?

Das klingt erstmal unschön, ist bei genauerer Betrachtung aber für den typischen Saisonalsportbootler kein Problem: Wenn die Heizung ohnehin nur im Frühjahr und Herbst ein paar Stunden pro Jahr läuft, hält auch eine Webasto oder Eberspächer „ewig“.

Und doch: Zwei mal habe ich bisher ein Boot gekauft. Bei beiden war eine alte Webasto Heizung drin, und spätestens beim zweiten Boot (der JULIUS) war mir schon gleich klar: Diese Heizung gibt in allernächster Zeit auf und muss ersetzt werden (und genau so war es auch). 

Und wer sich in der kalten Jahreszeit länger auf dem Boot aufhalten will? Dann ist so eine Heizung einfach die falsche Wahl. Das Glühelement bei Eberspächer beispielsweise soll eine Lebensdauer von ungefähr 5.000 Stunden haben. Also halten wir uns sagen wir mal zwei Wochen im Herbsturlaub auf dem Boot auf, die Heizung läuft durch. Das macht 14 x 24 = 336 Stunden.

Das Gleiche noch mal im Frühjahr, macht ungefähr 650 Stunden. Dazu noch ein paar mal Arbeiten oder Kaffee trinken im Winter, und im Sommer kann es auch mal kühle Tage geben. So können schnell 800 Stunden oder mehr zusammen kommen. In einem Jahr! Kein Wunder, dass dauerhaft bewohnte Boote normalerweise stromlose Diesel-Öfen haben.

Planar Luftheizung aus Russland für weit weniger als die Hälfte des Preises

Thomas hatte sich nach eingehender Recherche für eine Luftheizung aus Russland entschieden: Planar Standheizung von dem Hersteller ADVERS LLC. Die sehen – natürlich rein zufällig – genau so aus wie die bekannten Geräte von Webasto oder Eberspächer:

Eine Planar 44D Standheizung (Abmessungen wie bei Webasto)
Eine Planar 44D Standheizung (Abmessungen wie bei Webasto)

Die Heizungen kosten weit weniger als die Hälfte (!) als die vergleichbaren Modelle der deutschen Anbieter. Das ist schon… erstaunlich.

„Ich bin zu arm um billig zu kaufen.“

Das ist ein Spruch, dem ich durchaus folgen kann. Wer billig kauft, kauft in der Regel zwei Mal und bezahlt daher am Ende mehr, als wenn gleich gute Qualität für einen höheren Preis gekauft wird. Wenn eine Planar 44D also mit komplettem Installationskit 540 Euro kostet (Stand Oktober 2016) und eine Webasto Air Top Evo 3900 mit Marine Einbaukit über 1.300 Euro, spricht das ja gemäß obigem Spruch erstmal für den deutschen Anbieter.

Wenn da nicht der Thomas wäre, der mich mit folgenden Fakten versorgt hat:

  • Planar Heizungen haben eine spezielle Brennkammer, wartungsfrei und einer Garantie (!) 50.000 Betriebsstunden (!!!). Update Ende 2017: Diese Garantie gibt es so nicht mehr — warum auch immer. Siehe Ende dieses Artikels.
  • Das Glühelement sowie die Keramik-Abdichtung muss nicht ersetzt werden.
  • Es gibt keinen Speicher im Steuerungselement der volllaufen und teuer von einer Servicestelle zurückgesetzt werden muss.
  • Der Lüftermotor ist bürstenlos, damit auch wartungsfrei und sehr leise.
  • Es gibt mehrere Modi in der elektrischen Steuerung, z.B. Betrieb über Innenthermostat (digital in Grad-Stufen veränderbar) oder Betrieb über Thermostat der Ansaugluft.
  • ADVERS LCC in RU-Samara ist der grösste Produzent weltweit derartiger Produkte mit aktuell über 160.000 Stück pro Jahr.
  • Diese Heizungen werden mit allem Zubehör geliefert. Speziell die Kabelverbindungen sind vibrationsgesichert und feuchtigkeitsgeschützt.
  • Montage Lochabstände entsprechen denen von Eberspächer und Webasto.
Eine Planar Standheizung von Innen.
Eine Planar Standheizung von Innen.

Das muss man erstmal sacken lassen, oder? Eine Garantie von 50.000 Betriebsstunden auf der Brennkammer (diese Zahl stammt aus den Niederlanden, ich gehe davon aus, dass es in Deutschland eine äquivalente Vereinbarung zwischen deutschem Vertrieb und dem russischen Hersteller gibt). Selbst wer die Heizung pro Jahr 1.000 Stunden betreibt hat 50 Jahre Ruhe – also quasi ewig. Update Ende 2017 – siehe Ende des Artikels.

Interessant ist auch ein Satz in einer englischsprachigen Präsentation des Herstellers:

„Working steadily with low quality fuel – which is very important for Russia.“

In Russland werden diese Standheizungen vermutlich in viele Fahrzeuge eingebaut, die in unwirtlichen (und sehr kalten) Gegenden mit schwieriger Brennstoffversorgung unterwegs sind. Betriebssicherheit ist hier sicher ein Kriterium höchster Priorität.

Zusammengefasst: Eine bessere Heizung als Webasto oder Eberspächer für weniger Geld?

Es klingt alles eigentlich zu gut, um wahr zu sein. Aber nicht nur Thomas ist von der Planar Standheizung begeistert. Ich habe mal auf die Schnelle gegoogelt und folgendes gefunden:

Ich habe insgesamt einen guten Eindruck. Wenn ich nicht schon letztes Jahr eine neue Webasto gekauft hätte (mit der ich bisher zufrieden bin! Sie war nur sehr teuer), würde ich heute die Planar Standheizung einbauen und mich dann auf den Winter freuen.

Das Boot im Winter im Wasser lassen - eine gute Heizung hilft dabei.
Das Boot im Winter im Wasser lassen – eine gute Heizung hilft dabei.

Update 6. August 2017:

Ein Leser schreibt zu diesem Artikel:

Vielleicht ist es ja für dich interessant das ein paar Argumente leider nicht mehr ganz aktuell sind. Ich habe mir sowohl von der 22er als auch der 44er das Handbuch durchgelesen. Mittlerweile wird auch bei der Planar eine „regelmäßige“ Wartung durch Fachpersonal empfohlen. Zudem erlischt die Garantie nach 1000 Betriebsstunden – die Lebensdauer des Gerätes wird mit insgesamt 3000 Betriebsstunden angegeben. Nachdem ich zunächst an die Vorsicht der deutschen Verkäufer dachte habe ich auch im internationalen Bereich nachgesehen – und dort identische Angaben gefunden. Das interessante Argument für alle die viel an Bord sind – die lange Haltbarkeit – ist somit mittlerweile bei der Planar ebenso wenig garantiert wie bei einer Webasto oder Eberspächer.

Danke, Sebastian, für diesen Hinweis!

 


15 Kommentare zu “Viel günstiger & haltbarer: Heizen mit Planar statt Webasto oder Eberspächer?

  1. Thomas

    Lieber Julian, Du haust ja mächtig auf die Trommel. Dein Artikel ist gut verfasst und richtig. Und, ich stehe hinter jedem Wort.
    Das mit den Betriebsstunden möchte ich näher ausführen. Bei uns laufen die beiden Heizungen jährlich mind. 3600 h (24x30x5). D.h. nach 2 Jahren hatten wir bereits weit über 7’000 h auf dem Zähler. Da wären die deutschen Produkte schon mal in „der grossen Revision“ angekommen. Da im hohen Norden (von Sibirien bis Kanada) eine solche Heizung eher noch länger funktionieren muss ist klar, dass 50 T/h schnell mal zusammen kommen. – Ein Techniker in Samara erklärte mir zur Frage wegen dem Preis „ein Normalverdiener in Russland muss einen guten Monatslohn für eine solche Heizung hinlegen, da muss ein Produkt schon jahrelang halten“. Logisch! Wir sind mit unseren Einkommen sehr verwöhnt und in anderen Kategorien positioniert.
    Der Punkt aber, warum ich nach Alternativen suchte war der: Wir lagen in der Region Marseille ab Anfang Dezember 14. Da stieg die Eberspächer ständig aus. Telefone hin und her und dann kam ich endllich auf den offiziellen Vertreter in Südfrankreich. Der schrieb mir, dass ich für die Anreise und die Diagnose schon mal 350 EUR voraus bezahlen müsse. Dann wäre ja aber erst die Grund für die Pannen bekannt geworden (auslesen der Steuerung, Reset). Die Reparatur hätte dann nochmals etwa gleich viel gekostet und die ganze Zeit wären wir ohne Heizung geblieben. Mit Hilfe eines lokalen Motorenmechaniker demontierten wir die Aitronic D5L und erkannten, dass das Glühelement total zerbröselt war. Die Keramikdichtung stark und auch Teile der Brennkammermantelung angeschmoren waren. Totalschaden also!
    Da lehnte ich das Angebot der Eberspächerleute dankend ab und begann mir der Suche. Mich überzeugte letztlich, dass die Hersteller der Planar-Produkte junge, hochqualifizierte Ingenieure aus dem Raumfahrtzentrum in Samara waren. Natürlich haben sie die ausgelaufenen Patente der deutschen Hersteller genau studiert. Wer macht das im Westen nicht genau so. Dann aber erkannten sie die konstruktiven Schwachstellen, der seit bald 30 Jahren immer genau gleich produzierten West-Produkte. Die zusätzlichen Elemente wie Dieselförderpumpe wurden von Thomas Magnete aus Deutschland, die Motoren und Teile der Steuerung von Bosch dazu gekauft. Die Glühkerze von Kyocera garantiert ebenfalls hohe Qualität und Standfestigkeit. Und schlussendlich der Preis!
    Ich hätte an Stelle der 2 x 4 Kw/h auch die 8 Kw/h einbauen können. Das ist aber ein gewaltiger Booster und da in unserem Schiff insgesamt 8 Wärmeverteiler installiert sind, hätte das sehr grosse Rohre erfordert und hohe Strömungsgeräusche verursacht (die auch mit bester Dämmung nicht ganz wegzubringen sind). Zudem wollte ich eine gewisse Redundanz erreichen. Nicht wegen Ausfallrisiken, sondern damit wir gezielt die 5 Räume erwärmen können. Letztlich hat sich das auch im Dieselverbrauch günstig niedergeschlagen. Die beiden brauchen zusammen, auf niedriger Brennleistung, weniger als die 8 Kw/h Maschine. Somit hat sich diese Installation als die Bestmögliche erwiesen. Beide zusammen zum Preis von einer aus deutscher Produktion. Für mich sind das schlagende Argumente. Inzwischen hat der Wiederverkäufer hier in Holland innert 8 Monaten bereits über 100 Stück verkauft und grösstenteils auch installiert. Alle sind sehr zufrieden, auch wenn diese vermutlich ihre Heizungen nicht gleich intensiv beanspruchen wie wir. Das sind die Fakten und Hintergründe.

  2. Thomas

    Julian, ergänzen kann ich das Gesagte noch mit einer Episode. Ich diskutierte mit dem Techniker in Samara, warum denn diese Heizungen nicht qualmen (mindestens bei uns nicht)? Er meinte dazu lakonisch, auch in Russland dürfen die das nicht. Aber unsere Dieselqualität würde in Russland bereits als Medizin in der Apotheke verkauft! Kein Wunder für ihn, dass wir das so feststellen konnten. Und es stimmt.

    PS: Die Kommunikation mit Russland erfolgte, in hoher Qualität, in Englisch und die Verantwortliche für den Export sprach zudem sogar äusserst gut französisch! Die Leute dort sind sehr hilfsbereit, kommunikativ und selbst die Lieferzeit und -service waren perfekt. Das Auslieferlager für West-Europa befindet sich in Littauen.

  3. Jan Friedrichs

    Toller Bericht und sehr ausführliche Kommentare.
    Auch ich habe eine Planar Heizung bei mir im Boot verbaut. Funktioniert tadellos.

    Nur ein Manko habe ich festgestellt: Die von Planar verkaufte Bootsdurchführung rosteste bereits nach ein paar Monaten. Diese werde ich diesen Winter reklamieren.

    Das Bedienteil der Heizung ist auch nicht besonder leicht zu bedienen. Wenn man sich erst einmal reingefummelt hat, dann geht es natürlich auch.

    Auch die benötigten Zubehörteile sind bei Planar auf keinen Fall teuere als bei den Markenherstellern.

  4. Peter

    Auch ich habe Deine Hinweise zu der Planar Heizung von Dir, Thomas, zu einem früheren Zeitpunkt erhalten. Ich hatte ja massive Probleme mit unserer (inzwischen 2.) Heizung von Eberspächer. Nun haben wir die einigermaßen im Griff, aber es ist nach wie vor nicht der Weisheit letzter Schluss. Nach dem Artikel von Julian und Deinen Ausführungen werde ich nun doch unsere Heizung lange laufen lassen und vielleicht gibt sie ihren Geist auf, um endlich etwas Anständiges einbauen zu können. Denn leider, leider habe ich es beim Bau des Schiffes versäumt, eine Zentralheizung einbauen zu lassen. Dann wäre mir viel erspart geblieben. Insofern danke für die Erinnerung an dieses Produkt! 😉

    Schöne Grüße
    Peter (Youk)

    1. Thomas

      Hallo liebe Leser, ich möchte – ganz im Sinne von dem was Julian in seinem Artikel eingangs ausführte – keineswegs die deutschen Produkte schlechtreden. Es mag sicher Gründe geben sich ein solches zu installieren. Aber über Alternativen zu diskutieren, sie zu prüfen und für geeignet befinden ist legitim und normal. Was wir hier beschreiben sind Fakten, Erlebnisse und die Überlegungen dazu im Hintergrund. Aber sie sind subjektiv und damit nicht repräsentativ. Dieser Hinweis sei lediglich der guten Ordnung wegen erwähnt.

  5. Nico

    Hallo, coole Webseite! Vielen Dank Julian, für die vielen nützlichen Infos! Werde einiges davon nachbauen! Ich habe auf meinem Boot auch eine Planar 44D verbaut und bin absolut zufrieden damit! Zusätzlich habe ich noch das Modem verbaut und kann die Heizung so auch aus der Ferne steuern und überwachen, das ist auch sehr schön. Einen Bericht, falls es jemanden interessiert, gibt es hier: http://www.nicnet.de/der-erste-winter-im-wasser-sicher-durch-den-frost/

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