Internet auf dem Boot via Wifi und Mobilfunk (2): Ein paar Grundlagen.

Nach der Einführung in Teil 1 gibt es heute erstmal ein paar einfache Grundlagen. Zur Erinnerung: Es geht um Internet auf dem Boot via Hafen-WLAN oder 4G/3G Mobilfunk. Diese Geräte hier verwende ich:

Eigentlich ist ein Netzwerk ganz einfach

Im weiteren Verlauf setze ich voraus, dass ein paar Begriffe und die grundlegende Funktion eines Netzwerks bekannt sind:

Datenverkehr von Gerät zu Gerät oder auch in das Internet besteht aus Paketen. Ein Paket enthält ein paar Daten und wird wie von einem DHL-Mann von Ort zu Ort geschickt. Dafür steht auf dem Paket, wo es herkommt und wo es hin will.

Ein Router ist nichts anderes als eine Verteilstation für diese Pakete und kommt beispielsweise in Form des TP-Link Gerätes, das ich verwende:

Internet auf dem Boot: TP-Link Router für das Boots-WLAN
Der TP-Link Router

Ein Gateway ist ein Router, der für alle Pakete zuständig ist, bei denen man momentan nicht weiß, welchen Weg sie nehmen sollen. In diesem Fall wird der Ubiquiti Bullet M2 diese Rolle übernehmen, im Foto rot umrandet:

Internet auf dem Boot: Der Bullet M2 für die Anbindung an das Hafen WLAN.
Der Bullet M2, provisorisch am Geräteträger befestigt.

Die IP-Adresse sieht komisch aus (sowas wie 192.168.1.1), ist aber nichts anderes als ein Absender oder Empfänger für ein Paket. Sprechende Adressen wie www.booteblog.net werden im Hintergrund automatisch zu IP-Adressen umgesetzt und machen es uns Menschen nur einfacher. Die IP von booteblog.net wäre 81.169.145.77, und theoretisch könnte man dieses Blog auch unter dieser IP im Browser aufrufen:

Das macht aber natürlich keiner, und häufig ist die direkte Verwendung von IPs im Browser sogar aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Wenn eine IP-Adresse also für Absender und Empfänger genutzt wird, und jedes Gerät im Netz Pakete senden und empfangen möchte, muss also jedes Gerät so eine IP-Adresse haben. Handy, Tablet, Mac oder PC – völlig egal, jeder ist unter genau einer IP-Adresse bekannt.

Und weil niemand mehr Lust hat, jedem Gerät von Hand eine solche IP-Adresse zu geben, passiert das automatisch. Das heißt dann: DHCP. Bei meinem Mac sieht das in den Netzwerkeinstellungen dann so aus:

Beispiel für Netzwerk-Einstellungen auf dem Mac.
Beispiel für Netzwerk-Einstellungen auf dem Mac.

Die Angaben bedeuten:

  1. Ich muss mich um nichts kümmern, denn ich habe meine IP-Adresse und weitere Einstellungen über DHCP bekommen.
  2. Meine automatisch zugewiesene IP-Adresse ist 192.168.1.20. Unter dieser Adresse bin ich im aktuellen Netz erreichbar.
  3. Die Teilnetzmaske ist uns erstmal wurscht (eigentlich ist sie natürlich wichtig, ich vereinfache hier aber und empfehle, sich einfach zu merken, dass hier 255.255.255.0 stehen sollte).
  4. Mein Router (die Verteilstation für Pakete, siehe oben) ist das Gerät mit der IP-Adresse 192.168.1.1.

In einem WLAN werde die Pakete drahtlos ausgetauscht, ansonsten ist es ein Netzwerk wie jedes andere.

Paket, Router, Gateway, IP-Adresse. WLAN und DHCP. Mehr brauchen wir für den Anfang nicht.

WLAN (Wifi)

Fangen wir mit der Verbindung zu einem Hafen-WLAN an. Hier beginnt das Problem dabei, das diese Hafen-WLANs meistens im Boot (und häufig genug auch außerhalb) nur schlecht zu empfangen sind. Und je schlechter der Empfang, desto langsamer ist das Netz.

Außerdem muss man jedes Gerät einzeln zu dem Hafen-WLAN verbinden, was bei dem zunehmenden Technik-Zoo an Bord äußerst mühsam ist. Besser ist es, wenn auf dem Boot ständig ein eigenes WLAN läuft, an dem die eigenen Geräte hängen. Und dieses eigene Boots-WLAN sorgt dann auf „magische“ Art dafür, dass das Internet des Hafen-WLANs bei den eigenen Geräten ankommt.

Hier sind zwei Teile nötig:

  1. Ein Ding, was einen sehr guten Empfang des Hafen-WLANs ermöglicht (vereinfacht gesagt eine Antenne mit etwas Intelligenz).
  2. Ein anderes Ding, das für den Datenverkehr zwischen Hafen-WLAN und dem Boots-WLAN sorgt (die Verteilstation, also ein Router).

Ein Hafen-WLAN ist wie eine Vereinssitzung: Der Vorsitzende (das Hafen-WLAN) spricht, alle anderen (die Geräte auf den Booten) hören zu, sagen aber auch mal was dazu.

Je mehr Leute im Vereinsheim (Geräte auf Booten im Hafen) sind, desto lauter wird es, weil jeder irgendwann auch mal was sagen will. Letztlich quatschen alle durcheinander und kaum einer versteht noch etwas.

Nun kommen noch andere WLANs hinzu, von umliegenden Wohnungen, Restaurants oder Hotels. Alle funken mehr oder weniger im selben Bereich, reden also praktisch im selben Raum.

Schlechter Empfang beim Hafen-WLAN bedeutet also: Zu viele Geräte quatschen durcheinander, oder die Signale sind zu leise, weil irgendetwas beim Boot dazwischen ist.

Eine kräftige Stimme und gute Ohren für Internet auf dem Boot

Um sich da durchzusetzen braucht es also: Eine kräftige Stimme und gute Ohren. Der Bullet M2 von Ubiquiti zusammen mit einer Antenne wie dieser hier bietet genau das:

Ubiquiti Bullet M2 für Internet auf dem Boot
Ubiquiti Bullet M2

Update 4. Juni 2016: Bei dem Bullet und seiner Antenne ist die Höhe der Antenne zu beachten! Für Internet auf dem Boot gilt hier NICHT: Je höher, je besser. Eine Stabantenne sollte ungefähr auf gleicher Höhe wie die WLAN-Sender im Hafen sein. Also: Nicht an der Mastspitze montieren! Besser am Geräteträger (sofern vorhanden) oder anderweitig ungefähr in Stehhöhe. Weitere Ausführungen dazu gibt es hier bei topperdiek.de zu lesen.

An das eine Ende vom Bullet kommt die Antenne, an das andere Ende ein Netzwerkkabel. Der Bullet spricht also mit dem Hafen-WLAN. Aber wie kommt das Hafen-WLAN dann zu unseren Geräten?

Dazu mehr hier im nächsten Teil: Internet auf dem Boot – Vom Hafen-WLAN zum Boot.


Anmerkung: Für meine Artikel und Produktempfehlungen werde ich vom Hersteller nicht honoriert. Ich schreibe grundsätzlich nur über das, was mir gefällt ohne jegliche Verpflichtung gegenüber Dritten.


15 Kommentare zu “Internet auf dem Boot via Wifi und Mobilfunk (2): Ein paar Grundlagen.

  1. Hildenbrand , Günther

    habe deinen artikel angelesen, als 81 jähriger Laie und AD (Dipl.Ing Architekt) muss ich sagen- Hut ab.
    Such schon seit einiger Zeit ein solches System auf meinem Trawler verbauen zu können. Ich werde versuchen deinen Rat und Darstellungen zu folgen. Wie sind die Kosten für eine Alage um sicher in das Internet über WIFI oder GMS etc auch z.B. unter Deck einloggen zu können.
    Weiter so.
    liebe Grüsse
    Günther

    1. Julian Buß

      Hallo Günther,

      vielen Dank für das Lob, das freut mich 🙂 Klick auf die Links meiner Einkaufsliste (im ersten Artikel der Serie), dort findest du dann die Preise der Artikel bei Amazon. Viel Erfolg!

      Gruß,
      Julian

  2. Norbert Grell

    Hi Julian,

    Ich bin jetzt bereit, sämtliches Equipment liegt im Amazon Warenkorb und theoretisch kanns losgehen. Ich habe nur noch zwei Fragen:

    1. Trinkst du lieber Rum oder Whisky und
    2. Hat sich seit deiner Recherche aus 2016 bis heute eventuell signifikantes geändert…?

    Mein Ziel ist es, von Bord aus auf meinen Büroserver zuzugreifen und ggf. Onlinekonferenzen führen zu können. Dafür benötige ich im Nord,- und Ostseebereich eine stabile Internetverbindung. Meinst Du, dass dies mit deinem Vorschlag funktioniert.

    Ich würde sehr über eine kurze Antwort freuen. Vielen Dank und herzliche Grüße

    Norbert Grell

    1. Julian Buß

      Hallo Norbert,

      1. Whisky
      2. Nein

      Soweit die Kurzfassung 🙂 Stabiles Internet hast du im Zweifel per LTE fast überall, oder eben per WLAN im Hafen. Ich hatte letztens erst nach einem anderen geeigneten Router gesucht, aber keinen besseren gefunden. Und der Bullet scheint mir auch weiterhin die beste Lösung zu sein!

      1. Norbert Grell

        Wunderbar, Bestellung ist raus und wird anschließend verbaut…
        Wenn dann alles funktioniert schicke ich dir von Bord eine E-Mail, dann Treffen auf Helgoland mit einer ordentlichen Verkostung eines schönen Single Malt (Du) und eines Ron Barcelo Imperial (ich)…
        Im Ernst, ich war völlig hilflos bei der Lösung meines Internetproblems an Bord, und nicht nur ich, sondern auch die „Fachwelt“ hier. Ich habe jetzt mit Deiner Hilfe wohl eine Möglichkeit gefunden, mit einer stabilen Internetverbindung von Bord aus einiges zu erledigen und dadurch die Segeltörns deutlich zu verlängern.
        Vielen Dank dafür.

  3. Ingo

    Hallo, gibt es diese aktive Antenne eigentlich auch mit einem zölligen Innengewinde? habe noch einen Mast mit innenliegender Kabelführung frei, – würde sich förmlich dafür anbieten….

    1. Julian Buß

      Hallo Luke,

      der TP-Link Router hat leider keinen Anschluss für eine externe Mobilfunkantenne. Persönlich habe ich immer guten Empfang über LTE, der Router steht bei mir im Salon. Es gibt sicher andere Router, an die man eine externe Antenne anschließen kann – aber die werden nicht die gewünschten Funktionen in der Firewall (Sperren von Adressen anhand von Hostnamen und nicht anhand von IPs) haben.

      Ich weiß aber, dass es Huawei Mifri Router mit Anschluss für eine externe Antenne gibt – das würde ich mal versuchen.

      1. Lucky

        Ah, das wusste ich nicht. Eine schnelle Suche gab dir recht, da werde ich mich im Detail mal schlau machen müssen. Wir sind in einem kleinen alten Ferienhaus in Frankreich und durch die dicken Wände kommt kaum was durch…

        1. Kurt Orthmann

          Hallo,
          sehr interessant. Ich komme mehr von der Segelfraktion und bin in Holland unterwegs. HAbe lestztes Wochenende die Signalstärke der WLAN Netze in den Häfen gemessen. Die Dämpfun zwischen drausen (auf Deck ) und drinnen ( im Salon ) liegt bei 6-10 dB. In einem Hafen war die Signalstärke auf Deck bei schlechten 79 dB. Nun 2 Fragen:
          1) Verstärlt der Ubiqutus diese schlechte SIgnalstärke (79dB) in den Salon, d.h. wird diese im Salon noch besser, oder sind diese 79 dB das maximale ? Oder einfacher, der verstärker kanbn maximal die SIgnalstärke in den Soalon zaubern, die sich offen auf Deck befindet ?
          2) Wie ist die Erfahrung/EInschätzung, wenn ich die Antenne an den Achterstag oder in ca 2 m Höhe ( über dem Spinnakerschäkel) an den Mast anbringe. Auf Deck so geht nicht richtig, da Baum oder Segel die ANtenne recht schnell über Bord fegen.
          Viele Grüße

          1. Julian Buß

            Hi,

            der Bullet verstärkt kein WLAN Signal – er leitet das WLAN-Netz via Kabel in das Innere vom Boot zu einem Router (in meinem Fall ein TP-Link MR6400), der dann im Boot ein eigenes WLAN erzeugt.

            Es gibt glaub ich auch WLAN Repeater, die ein WLAN aufnehmen und selbst wieder abstrahlen. Damit habe ich aber keine Erfahrungen und ist m.E. nach auch nur eine unzureichende Lösung. Mit einem eigenen WLAN an Bord gibt es viele weitere Vorteile:

            – Man muss sich nur einmal am Hafen WLAN anmelden und nicht jedes Gerät einzeln.
            – Der Router kann alternativ Internet via LTE (Mobilfunk) herstellen.
            – Der Router kann Webseiten sperren und somit ungewollten Datenverkehr (Updates!) unterbinden.

            Bei mir ist der Bullet von der Wasserlinie aus gesehen in ca. 2,5m Höhe montiert, das funktioniert einwandfrei.

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