MY Julius: im Maschinenraum

Die Julius ist mit Technik vollgepackt und ich möchte Euch auf einen Rundgang durch den Maschinenraum mitnehmen:

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Wobei es eher „rundkriechen“ heißen müsste, Stehhöhe hat man dort nämlich nicht. Im Foto oben seht Ihr den Blick durch die Tür zum Maschinenraum.

In der Mitte thront natürlich die Antriebsmaschine, eine DAF 815, 6 Zylinder mit 8,4 Litern Hubraum. Das ist eine echte Industriemaschine und für den Dauerlauf gemacht.

Vom Foto aus gesehen vorne an der Maschine läuft die Antriebswelle und ist die Hydraulikpumpe angeflanscht. Das Hydrauliksystem wird für die Ruderanlage und die Stabilisatoren benötigt. 

Hier die Komponenten auf der rechten Seite:

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(12) Hydrauliksystem für die Stabilisatoren
(13) Hydrauliksystem für die Ruderanlage
(11) Tagestank

Der Tagestank führt uns zum Kraftstoffsystem auf der Julius. Diesel hat ja mittlerweile einen Anteil Biokraftstoff, der dazu führt, dass sich bei langen Standzeiten Schlamm (bestehend aus Organismen) im Diesel bildet, der Filter verstopfen und die Maschine damit zum Stillstand bringen kann.

Bei einer Bunkerkapazität von 3.000 Litern Diesel ist auf diesem Boot vorprogrammiert, dass der Diesel längere Zeit steht und sich damit Schlamm bildet. Dem könnte man mit einem Biozid wie z.B. Grotamar entgegenwirken – oder aber mit einem Tagestank: Dabei wird Diesel von einem der Haupttanks durch einen Filter in den Tagestank gepumpt. Im Tagestank befindet sich dann also Diesel, der garantiert frei von Schlamm ist. Hier ist der Filter vor dem Tagestank zu sehen:

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Der Filter links daneben ist übrigens der Seewasserfilter.
Der Tagestank ist aber nur der erste Schritt. Aus dem Tagestank läuft der Diesel in diese Doppelfilteranlage:

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Da hängen zwei professionelle Racor Filter. Aber warum zwei davon? Ganz einfach: der Diesel läuft immer durch einen dieser Filter, und wenn dieser Filter mal zugesetzt sein sollte, kann man mit einem Hebel im Betrieb einfach auf den anderen Filter umschalten und somit nahtlos weiter fahren.

Der Delphi Filter links daneben ist für den Generator, der ja auch sauberen Diesel braucht.

Nach dem Racor Filter geht der Brennstoff zum Standard DAF Feinfilter (im folgenden Foto als (2) bezeichnet) und von dort dann in die Maschine.

Bis der Diesel verbrannt wird durchläuft er also drei Filter, und damit kann man sicher sein, dass die Maschine nur sauberen, guten Diesel bekommt – und das ist ein ganz wesentlicher Faktor für einen zuverlässigen Betrieb.

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Auf dem Foto oben sind ansonsten zu sehen:

(1) Magnetschalter für den Stopp der Maschine (anstelle eines Bowdenzugs)
(2) Diesel Feinfilter
(3) Ölfilter
(4) Luft-Kompressor, um Druckluft zu erzeugen (die wird für das Horn benötigt – ja, die Julius hat tatsächlich ein Druckluft-Horn mit richtig sattem Sound!)

Nach dem Tagestank und der Filteranlage kommt der Generator:

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Der Generator ist im Grunde einfach eine 4 Zylinder Dieselmaschine (von Mitsubishi), der einen Strom-Generator für 230 Volt antreibt. Leider ist der Platz für diesen Motor etwas beengt – an die meisten Komponenten kommt man gut ran, aber z.B. mal das Ventilspiel einstellen könnte anstrengend werden.

Dann kommt die Wasserfilteranlage:

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Im vorderen Bereich des Schiffes ist ein Tank, der mit Zement beschichtet ist und bis zu 1.100 Liter Wasser aufnimmt. Dieses Wasser wird dann in (6) von einer UV-Lampe bestrahlt, wobei alle möglicherweise vorhandenen Organismen abgetötet werden.

Danach wird das Wasser in (5) von einem Feinfilter und Aktivekohlefilter gereinigt. Im Ergebnis kommt aus jedem Hahn an Bord perfektes Trinkwasser.

Weiter geht’s:

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(7) Druckwassertank
(8) Boiler für Warmwasser
(9) Deckswaschpumpe

Der Druckwassertank sorgt für einen konstanten Druck in den Wasserleitungen und wird von einer Pumpe, die auf dem Foto nicht zu sehen ist, befüllt. Warmwasser wird durch den Boiler erzeugt, unterwegs mittels Abwärme aus der Maschine und vor Anker oder in der Marina durch 230V Land- oder Generatorstrom.

Die Deckswaschpumpe hat einen Anschluss im Außenbereich, so dass das Boot mit Seewasser abgespritzt werden kann. Am Achterdeck ist auch noch ein Anschluss für Frischwasser, mit dem man sich beispielsweise nach dem Baden abduschen kann.

Als nächstes kommt die Heizung, die unspektakulär ist: eine Webasto Warmluftheizung, schon etwas älter, mit 3,8kW. Vermutlich werde ich die mittelfristig durch eine neue Webasto mit 5kW austauschen – erstmal ist die aber völlig in Ordnung.

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Neben der Heizung liegt ein wenig Technik für den Strom an Bord:

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Wir sehen einen Inverter mit 1600 Watt, um aus 24V Gleichstrom 230V Wechselstrom zu machen. Damit lassen sich beispielsweise ein Notebook betreiben, auch mal ein Fön, ein Wasserkocher oder mal die Mikrowelle. Aber natürlich nur für kurze Zeit, denn der Batteriestrom ist endlich.

Danach kommt das 24V Ladegerät, das bis zu 60 Ampére in die Batteriebank reinpumpen kann und durch Land- oder Generatorstrom betrieben wird.

Und Schließlich sehen wir zwei der vier Batterien. Jede Batterie hat eine Spannung von 12V und eine Kapazität von 230Ah. Bei 24V ergibt das eine Kapazität von insgesamt 460 Amperestunden.

Interessant ist, dass die Julius keine extra Starterbatterie für die Maschine hat. Dafür hat aber der Generator eine eigene Starterbatterie. Wenn also die 24V Batteriebank mal leer sein sollte, kann man immer noch den Generator starten, der dann wiederum genug Strom erzeugt, um die Maschine zu starten.

Ein paar weitere Komponenten haben wir auf den Fotos nicht gesehen:

  • Zwei Bilgepumpen
  • Ein Wasseralarm in der Bilge, so dass man im Steuerstand merkt, wenn Wasser in das Boot eintritt
  • Details der Maschine wie Getriebe und Lichtmaschine (24V Generator)
  • Diverse Pumpen, um Brennstoff von einem Tank in den anderen und in den Tagestank zu befördern
  • Steuereinheiten für die Ruderanlage und die Stabilisatoren
  • Fettpresse für die Wellenschmierung
  • Ventilation, damit auch genug Frischluft in den Maschinenraum kommt

Insgesamt also ist die Schiffstechnik sehr vollständig. Vielleicht könnte ich noch mal eine Solaranlage nachrüsten, aber da gucken wir erstmal, ob das nötig und sinnvoll ist.

Ansonsten fällt mir auf Anhieb nichts ein, was ich ändern oder verbessern würde. Aber langweilig wird mir vermutlich trotzdem nicht – alleine die Wartung dieser ganzen Technik bedarf sicher einiger Arbeitsstunden.

 


5 Kommentare zu “MY Julius: im Maschinenraum

  1. Christian

    Hallo Julian,
    ich habe eine Frage zu dem Filter vor dem Tagestank: weisst Du, von welcher Firma der ist oder wie man diese Art Filter nennt?
    Die Doppelfilteranlage habe ich im Netz gefunden, den ersten Filter aber nicht.
    Sieht wie ein grober Vorfilter oder so aus.
    Grüße, Christian

  2. Christian

    Hallo,
    o.k., alles klar. Wusste nicht, daß die auch für Diesel geeignet sind, bzw. finde ich die Siebeinsätze ja schon recht grob.
    Sind bei Dir dann etwas feinere Edelstahlsiebe verbaut weil bei mir sind diese Filter ja nur vor dem Impeller fürs Wasser.
    Viele Grüße!

  3. Julian Buß

    ja, der Einsatz sieht etwas feiner aus als bei dem Seewasserfilter, der direkt daneben ist. Ich schätze mal, dass man bei dieser Art Seewasserfilter unterschiedlich feine Siebeinsätze bekommen kann – genau weiß ich es aber nicht.

    Grundsätzlich – warum sollte so ein Filter nicht für Diesel sein? Das ist ja schließlich alles Metall, dem kann Diesel nichts anhaben 🙂

    Ich finde die Idee vom Vorbesitzer jedenfalls ziemlich schlau, da so einen Filter zu verwenden. Den Einsatz kann man einfach rausnehmen und ausspülen und hat keine Kosten für neue Filterelemente.

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