Paddeln oder doch wieder ein Außenborder für das Zodiac?

An unserer Poly (einem Zodiac Cadett 310 S, mit Holzboden und Luftkiel) hatten wir einen sehr alten Mercury 15 PS, der vor einiger Zeit leider mit Totalschaden ausgefallen ist (siehe auch hier).

Da dachte ich „nie wieder was altes, gebrauchtes, ich will was neues, zuverlässiges haben“. Jedenfalls dachte ich das, bis ich die Preise für neue Außenborder gesehen habe… whow, schon für einen 5 PS Motor werden da locker mal 1.200 bis 1.500 Euro aufgerufen!

Und 5 PS sind viel zu wenig, um mit 2 Erwachsenen und 2 Kindern noch ins Gleiten zu kommen.

Also hatte ich mich drauf eingestellt, den Rest der Saison zu paddeln. Aber wie so oft, ist das alles nicht so einfach…

Außenborder oder nicht Außenborder?

So ein kleines Zodiac, das nur einen Luftkiel hat, zu paddeln („rudern“ kann man dazu nämlich nicht sagen), ist schon anstregend: mit voller Besetzung kommt man mühsam voran, und ständig dreht das Boot in eine Richtung, in die man nicht will.

Das geht natürlich, um ein paar hundert Meter zurückzulegen. Aber wenn der Ankerplatz etwas weiter vom Ufer weg ist, und man mehrfach hin- und her muss (z.B. um Grillzeugs und Getränke zu transportieren), artet das echt in Arbeit aus.

Und wenn man z.B. in einer schönen Bucht wie Hørup Hav liegt und mal an das andere Ende der Bucht will, kann man das mit paddeln echt vergessen.

Letzlich heißt das, dass ankern ohne ein Dinghy, mit dem man auch vorankommt, nicht so richtig viel Spaß macht.
Folglich wäre es schon schön – angespanntes Budget hin oder her – wieder einen Außenborder zu haben. 

Elektro oder Benzin-Außenborder?

Das war relativ schnell geklärt zugunsten des Benzin-Außenborders, Details zu den Überlegungen finden sich hier

Neu oder gebraucht?

Siehe oben – neue Motoren kosten unglaublich viel Geld. Die günstige Variante wäre ein Parsun 5 PS aus China, den man z.B. bei compass24 für ungefähr 800 Euro bekommt.
Über diese Motoren gibt es aber eine Reihe schlechter Meinungen, und auch ein Parsun mit 10 PS oder 15 PS kostet dann wieder richtig Geld.

Also heißt es wohl: gebraucht. Mit allen Risiken, die das mit sich bringt. 

Und welche Leistung?

Wieviel Geld man ausgeben muss hängt entscheident davon ab, wieviel Leistung der Motor bringen soll. Das Zodiac Cadett 310 ist bis maximal 15 PS zugelassen.

Wir haben folgende Anwendungsfälle:

  • Erkunden einer Ankerbucht, also auch mal an das andere Ende der Bucht kommen können.
  • Mal in den nächstgelegenen Hafen fahren um z.B. Eis zu essen oder eine Kleinigkeit einzukaufen.
  • Schnell mal wieder vom Strand zum Boot, weil man beim Grillen was vergessen hat.
  • Und das ganze oft auch mit 2 Erwachsenen, 2 Kindern und etwas Ladung.
  • Und letztlich ist das Zodiac auch ein mögliches Rettungsmittel, und auch in so einer Situation möchte man schon gerne mit alle Mann vorankommen können.

Daraus ergibt sich, das reine Verdrängerfahrt schon geht, aber eigentlich keine echte Lösung ist. Verdrängerfahrt mit einem 3,1m langem Boot bedeutet eine Geschwindigkeit von geschätzt 4 bis 5 Knoten bei starker Wellenbildung und hohem Verbrauch. Spaß macht das nicht.

Also soll man schon gerne ins Gleiten kommen können. Und daraus ergibt sich unmittelbar die nötige Leistung:

5 PS sind viel zu wenig. Das reicht, um alleine ins Gleiten zu kommen. Schon mit einem Erwachsenen und einem Kind wird es schwierig. Auch weniger als 10 PS sind aller Vorraussicht nach zu wenig.

Also ist eine Leistung von 10 PS bis 15 PS notwendig, um obige Anwendungsfälle zu lösen. 

Der Gebrauchtmarkt

Nachdem nach obigen Überlegungen nun klar war, was für ein Motor gesucht wird, habe ich den Gebrauchtmarkt geprüft:

  • Auf eBay gibt es eine Reihe von Angeboten, die sind aber eher hochpreisig. Und bei einem Kauf eines Motors bei eBay hab ich persönlich ein schlechtes Gefühl, da fehlt mir ein wenig das Vertrauen in den Verkäufer. Das mag total unberechtigt sein, das Gefühl hab‘ ich aber trotzdem.
  • Dann gibt es noch die Bootsbörse als Zeitung, dort sind auch eine Reihe von Möglichkeiten drin. Damit habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht, das Zodiac habe ich auch daher.
  • Meine bevorzugte Quelle für gebrauchtes Wassersportzubehör sind das boote-forum.deschlauchboot-forum.comund Yacht Forum.
    Wer dort verkauft hat in der Regel auch eine gewisse Reputation im Forum, bzw. man kann die Reputation ablesen daran, wieviele Beiträge er im Forum bisher geschrieben hat. Und wer eine Reputation in so einem Forum hat, der will sie nicht dadurch verlieren, dass er Mist verkauft und dass das im Forum bekannt wird.


Und die Wahl fiel auf…

Im Schlauchboot Forum nun bin ich auf ein Angebot über einen Johson 15 PS aus dem Jahr 2000 gestoßen, dessen Besitzer auch noch in der Nähe wohnt (eine knappe Autostunde von mir entfernt).
Auf den Bildern sah er gut aus und auch der Preis klang fair. Deswegen bin ich gestern nun hingefahren und hab ich mir näher angesehen und auch mitgenommen.

So sieht der Motor aus:

M2

Die 15 PS machen ihn recht schwer, aber auch nicht schwerer als der vorige Mercury. Es ist ein klassischer 2 Takter und muss entsprechend mit 1:50 Benzin-Öl Gemisch gefahren werden, ebenfalls genauso wie der Mercury.
Schön ist, dass er bereits eine Anti-Diebstahl-Codierung hat was potentielle Diebe hoffentlich etwas abschreckt.

Des weiteren hat einen größeren Propeller mit einer höheren Steigung als der Serienpropeller, der Vorbesitzer meinte, mit dem Originalpropeller sei der Motor regelmäßig durchgedreht. Mal schauen, wie sich das bei unserem Zodiac anfühlt. 

Was ich geprüft habe

Der Motor hat außen ein paar optische Blessuren, aber nichts ernsthaftes – wer 11 Jahre alt ist, darf so aussehen.
Zuerst hab ich den äußeren Zustand und die sichtbare Mechanik geprüft:

  • gibt es Rost? (nein)
  • arbeitet die Kippmechanik einwandfrei? (ja)
  • hat die Finne Schäden? (nicht wirklich, nur etwas Farbe abgeblättert).
  • hat der Probeller Schäden? (nein)

Dann wurde die Haube aufgemacht und die sichtbaren Teile des Motors geprüft. Dort sah alles sehr sauber und gepflegt aus, keinerlei sichtbare Korrosion, kein Schmutz.

Eine Probelauf in der Tonne ergab nichts auffälliges, das erste anreißen im kalten Zustand war etwas hakelig (man musste etwas mit dem Choke spielen damit er anging), unmittelbar danach sprang er aber auf Schlag an.
Ansonsten sah alles gut aus: strammer Kühlwasserstrahl, keine unbekannten Geräusche (klappern, vibrieren etc), Schaltung ging sauber und ohne ruckeln, Gasannahme tadellos, insgesamt ruhiger Lauf. 

Ordnung muss sein

Ich hatte im Vorfeld einen kleinen Kaufvertrag fertiggemacht. Natürlich will ich hier keine Rechtsberatung geben, möchte aber sagen, dass so ein Kaufvertrag zu schreiben kein Hexenwerk ist.
Es muss einfach nur festgehalten werden:

  • Wer ist Verkäufer und wer ist Käufer?
  • Was genau wird verkauft (Name, Typ, Seriennummer)?
  • Alter und Zustand des Objekts?
  • Was wird noch mitgeliefert (Tank, Serienpropeller)?
  • Wann wird der Kaufpreis gezahlt (z.B. sofort nach Unterzeichnung)?
  • Bestätigung des Verkäufers, dass er alleiniger Eigentümer ist und dass er einen Eigentumsnachweis vorlegt.
  • Wenn man möchte noch eine Regelung zur Gewährleistung, z.B. dass Schäden an nicht prüfbaren Teilen wie Getriebe, Kolben etc. innerhalb von 4 Wochen zur Rückgabe berechtigen.
  • Ort, Datum, Unterschriften.
  • Und auf dem eigenen Exemplar des Vertrags nochmal eine Unterschrift vom Verkäufer, dass er den Betrag erhalten hat.

Das wars auch schon. Beide Seiten haben damit was auf Papier in der Hand und wenn es eine Auseinandersetzung geben sollte, sind die wesentlichen Dinge geregelt. 

Nun bin ich gespannt

Am Wochenende werde ich den Johnson nun an unserem Zodiac ausprobieren und mit sehr gespannt, ob das nun gut investiertes Geld war oder nicht.

Update Montag, 20. Juni

Wir haben den Johnson am Freitag angebaut und über drei Tage hinweg getestet: er springt kalt auf dem zweiten Zug an, warm sofort.
Der Motor läuft sehr gut und hat genug Leistung, um 2 Erwachsene und zwei Kinder in unserem Zodiac Cadett 310S ohne Probleme zum Gleiten zu bringen.

Bisher also scheint es ein guter Kauf gewesen zu sein.

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