Unterwasserschiff-Refit: 1-Komponenten vs. 2-Komponenten Systeme

(Dies ist ein Teilartikel zu Refit des Unterwasserschiffes bei einem Stahlschiff)

Bei einem Stahlschiff stellt sich die Frage nach dem grundsätzlichen System der Beschichtung: 1-Komponenten oder 2-Kompontenten-System? 

1-Komponenten System

1-Komponentige Beschichtungen enthalten Lösungsmittel und trocknen dadurch, dass das Lösungsmittel in die Luft diffundiert.
Daraus ergeben sich folgende Konsequenzen:

  • Es gibt untetschiedliche Lösungsmittel, die untereinander nicht unbedingt kompatibel sind. Daher müssen alle Schichten (Korrosionsschutz, Primer, Antifouling) im Idealfall das gleiche Lösungsmittel verwenden.
  • Alternativ muss geprüft werden, ob die Lösungsmittel der jeweiligen Beschichtungen kompatibel sind.
  • Die Trockungszeiten sind unbedingt einzuhalten. Sonst kann es passieren, dass Reste vom Lösungsmittel in einer Schicht bleiben, gegen die nächste Schicht drücken, damit Blasen verursachen und die Haftung beeinträchtigen.
  • Trocknungszeiten hängen von der Temperatur ab, je niedriger die Temperatur, desto länger brauchen die Lösungsmittel um auszudünsten und damit die Beschichtung zu trocknen und zu festigen.


Vorteile

  • Einfach zu verarbeiten – Topf aufmachen, umrühren und loslegen.
  • Lange Topfzeit, d.h. das Material bleibt lange im Topf verarbeitbar.
  • Reste können aufbewahrt werden.
  • In weiten Temperaturbereichen zu verarbeiten. Einige Materialien erlauben die Verarbeitung sogar unter 5 Grad (solange man mindestens 3 Grad vom Taupunkt entfernt ist).
  • Keine maximalen Überstreichintervalle – man kann also auch lange Pausen zwischen einzelnen Schichten machen.


Nachteile

  • Bietet nicht die gleiche Festigkeit bzw. mechanische Stabilität wie 2-Komponenten Beschichtungen.
  • Daher generell weniger lange Standzeit.


2-Komponenten System

Diese Materialien härten auf chemischer Basis, durch die Vermischung mit einem Härter. 

Vorteile

  • Sehr hohe Festigkeit und mechanische Stabilität.
  • Bei richtiger Verarbeitung und Schichtdicke hohe Standzeiten von 10 Jahren und mehr.


Nachteile

  • Anspruchsvollere Verarbeitung, da man das Verhältnis von Härter und Beschichtung genau einhalten muss.
  • Nach der Zugabe des Härters muss das Material zügig verarbeitet werden.
  • Einmal angemischt muss das Material aufgebraucht werden.
  • Generell höhere Temperaturen zur Verarbeitung erforderlich (es gibt aber Ausnahmen, die auch bei 5 Grad verarbeitet werden können).
  • Es gibt maximale Überstreichintervalle, die jeweils nächste Schicht muss also in einer bestimmten Zeit aufgetragen werden (meistens einige Tage).


Mischen beider Systeme

Hier gilt generell: mach es nicht. 

Es gibt Ausnahmen, wo man beispielsweise ein 2-Komponenten Primer auf eine 1-Komponenten Zink-Korrosionsschutz Schicht aufgetragen werden kann. Das muss man aber im Detail mit dem Hersteller klären. 

Empfehlung

Wer die Möglichkeit hat (genug Zeit um die Maximalintervalle einzuhalten, richtige Temperaturen) sollte ein 2-Komponenten System verwenden. Die mechanische Festigkeit und die Standzeit sind schon erheblich höher als bei jeder 1-Komponenten Beschichtung.

Oft hat man aber nicht genügend Zeit, oder das Wetter bietet nicht genügend aufeinanderfolgende Tage, dann ist ein gutes 1-Komponentensystem ein brauchbarer Kompromiss mit einer Standzeit von 5 Jahren oder mehr. In jedem Fall ist aber die Schichtdicke sehr wichtig für die Standzeit.

Elektrische Installation – Handwerkliche Grundlagen, Tipps & Empfehlungen

Elektrik auf Schiffen ist leider oftmals ein stiefmütterlich behandeltes Thema. Eigner basteln selbst daran herum, freuen sich, wenn es irgendwie funktioniert und haben aber keinerlei Kenntnis davon, dass es hier eine Reihe von (sinnvollen!) Vorschriften und Empfehlungen gibt.

Das Ergebnis ist oftmals eine Elektrik, die chaotisch ist, nicht dokumentiert wurde und vor allem nicht betriebssicher ist.Wenn beispielsweise eine Quetschverbindung nicht korrekt ausgeführt wurde, kann sie durch Vibrationen oder sonstige Schiffsbewegungen irgendwann einfach mal abfallen.

Im einfache Fall funktioniert dann eine Lampe nicht mehr, im schlimmen Fall entsteht ein Kurzschluss, der vielleicht sogar nicht abgesichert ist und dadurch einen Brand verursacht.

In diesem Artikel habe ich mal ein paar handwerkliche Grundlagen notiert, die meines Erachtens nach sinnvoll sind. Darüber hinaus gibt es viele weitere sinnvolle Vorschriften und Empfehlungen, z.B. wann und wo Sicherungen einzubauen sind.

Du brauchst vor allem dieses Buch: Elektrik auf Yachten

Das, was ich weiter unten schreibe, sind nur absolute Grundlagen. Wenn du auch nur entfernt etwas mit der Elektrik auf deiner Yacht zu tun hast, ist dieses Buch Pflichtlektüre:

„Elektrik auf Yachten“, Michael Herrmann, elektronisch als PDF: https://dev.yachtinside.de/inhalt-elektrik-auf-yachten/

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Unterwasserschiff-Refit: Ausgangslage

(Dies ist ein Teilartikel zu Refit des Unterwasserschiffes bei einem Stahlschiff)

Mein Schiff, die MY Xenia, ist ein knapp 12m langes Stahlschiff, das ich im Jahr 2010 übernommen habe.
Als die Xenia Ende 2010 aus dem Wasser und in das Winterlager kam wurde deutlich, dass das Unterwasserschiff in einem eher schlechten Zustand war. An vielen Stellen war das Antifouling abgeplatzt, und an einigen – auch größeren – Stellen war sogar der ganze Aufbau beschädigt, so dass der blanke Stahl sichtbar war.

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– Unterwasserschiff Stb Ende 2010, man sieht Abplatzungen und Blasen –

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– Unterwasserschiff Ende 2010, größere Schäden im Aufbau am Kiel –

Der Winter 2011 wollte kein Ende nehmen und es waren noch so viele andere Arbeiten am Schiff durchzuführen, dass nur noch sehr wenig Zeit für die Instandsetzung des Unterwasserschiff-Aufbaus blieb. Daher habe ich in 2011 die schadhaften Stellen nur etwas geschliffen und mit zwei Schichen einfachem Primer (Primocon) überdeckt. Dann kam über das ganze Unterwasscherschiff zwei Schichten selbstschleifendes Antifouling.

Wie erwartet gab es dann auch Ende 2011 viele schadhafte Stellen, so dass ich mich nun ernsthafter mit dem Thema „Unterwasserschiff-Refit bei einem Stahlschiff“ auseinandergesetzt habe.
Ein weiteres Problem war, dass der Vorbesitzer nicht dokumentiert hatte, welche Materialien er beim Aufbau des Unterwasserschiffs verwendet hatte. So war zum Beispiel völlig unklar, ob es nun ein 1-Komponenten oder 2-Komponenten Aufbau war. Daher war mein Ziel, den gesamten Aufbau zu entfernen und vollständig neu zu machen.

Stahlboot: Rost und Korrosion – was genau ist das, und wie entsteht es?

(Dies ist ein Teilartikel zu Refit des Unterwasserschiffes bei einem Stahlschiff)

Die Beschichtung am Stahlboot ist abgeplatzt - Korrosion (Rost) droht
Die Beschichtung am Stahlboot ist abgeplatzt – Korrosion (Rost) droht

Korrosion oder Rost beim Stahlboot?

Umgangssprachlich spricht man immer von „Rost“, wenn sich Stahl durch Kontakt mit Luft und Feuchtigkeit nach und nach auflöst. „Rost“ ist aber eigentlich nicht der richtige Begriff dafür: Rost ist lediglich das sichtbare Produkt, das aus Korrosion entsteht.

Korrosion

Als Korrosion wird allgemein die Zersetzung von Stahl, z.B. aufgrund der Reaktion mit Sauerstoff, bezeichnet.

Der Hintergrund ist vereinfacht folgender: bei der Herstellung von Stahl wird dem Eisenerz Sauerstoff entzogen. Das zu Stahl gewordene Eisenerz möchte diesen Sauerstoff aber eigentlich gerne wiederhaben und nimmt ihn daher auf, wo immer es geht (Oxidation).

Die Aufnahme von Sauerstoff geht dann, wenn

1.) Sauerstoff
und 2.) ein Elektrolyt

vorhanden ist. Bei einem Stahlboot ist das Elektrolyt das Wasser – entweder durch Luftfeuchtigkeit (im Winterlager) oder durch das Wasser, in dem das Schiff schwimmt.
Übrigens: je salziger das Wasser, desto besser eignent es sich als Elektrolyt und desto stärker ist die Korrosion.

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Unterwasserschiff-Refit: Begriffe

(Dies ist ein Teilartikel zu Refit des Unterwasserschiffes bei einem Stahlschiff)

Hier der Versuch, häufige Begriffe bezüglich eines Refit des Unterwasserschiffs zu definieren.

Shopprimer

Bezeichnet einerseits eine „werkseitige“, kurzzeitige Grundierung, die direkt nach der Herstellung des Stahls aufgetragen wird. Hierbei verhindert der Shopprimer, dass der neue Stahl unmittelbar nach der Herstellung korrodiert.
Dieser Shopprimer ist meistens nur für kürzere Zeit, z.B. 6 Monate, vorgesehen.

Andererseits wird die Grundierung, die direkt nach dem Sandstrahlen als allererste Schicht aufgebraucht wird, ebenfalls als Shopprimer bezeichnet. Hier verhindert der Shopprimer ebenfalls, dass der blanke Stahl sofort wieder korrodiert.
Da in diesem Fall der Shopprimer mit weiteren Schichten überzogen wird, ist die Haltbarkeit nur durch das Gesamtsystem begrenzt.

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