3 Monate Norwegen: Vorbereitungen

Bald werde ich ablegen zur großen Tour nach Norwegen. Die JULIUS ist technisch gesehen und von der Ausrüstung her startklar, trotzdem habe ich noch ein paar Punkte, die vorbereitet werden mussten. Das eine oder andere ist für Skipper:innen, die sich auch für so eine Reise interessierten, vielleicht interessant – deswegen schreibe ich das mal auf.

Seekarten und Routenplanung

Norwegen Kvitsøy in NV Charts Seekarte
Kvitsøy in Norwegen in einer NV Charts Seekarte in Coastal Explorer

Der Weg von der Ostsee entlang der Dänischen Ostküste nach Norwegen ist navigatorisch eher einfach, und auch die Törns in Norwegen selbst sollten mit passendem und aktuellem Kartenmaterial problemlos zu bewältigen sein.

Ich navigiere seit Jahren ausschließlich elektronisch via Costal Explorer (unter Windows, das in einer virtuellen Maschine auf einem Mac Mini läuft), auf meinen Raymarine MFDs und als Backup auf iPad und iPhone. Hier kommen unterschiedliche Kartensysteme zum Einsatz, so dass ich neben der Redundanz auch den Luxus von verschiedenen Karten für das gleiche Gebiet habe.

Für diese Reise fiel meine Wahl auf:

Hier mal ein Vergleich der verschiedenen Kartensysteme: Der Ausschnitt um Kvitsøy von oben als ChartWorld Vector Karte:

Kvitsøy im gleichen Ausschnitt wie oben, als Vector Karte von ChartWorld

Das Raster Format von NV Charts finde ich in dieser Vergrößerung deutlich übersichtlicher, die Küste von Kvitsøy scheint in der Vector Darstellung überladen von Details zu sein.

Nun die gleiche Gegend weiter vergrößert, wieder zuerst als NV Charts (Raster-Format) und dann als ChartWorld Vector Karte:

Kvitsøy in Norwegen, vergrößert mit dem Hafen in der Mitte, als NV Charts Raster Karte
Kvitsøy in Norwegen, vergrößert mit dem Hafen in der Mitte, als ChartWorld Vector Karte

Finde ich beide sehr brauchbar, hier hat das Vector Format den Vorteil, dass beliebig vergrößert werden kann.

Nun die Navionics Charts auf einem Raymarine MFD:

Kvitsøy in Norwegen, vergrößert mit dem Hafen in der Mitte, als Navionics Karte auf einem Raymarine MFD.

Geht auch, wenn sich das Auge etwas dran gewöhnt hat. Schön ist die farbliche Darstellung der Tiefen und die Überlagung von Luftbildern auf der Landmasse. Ich könnte die Navigation auch nur mit den Raymarine MFDs machen, sie sind dafür mit 9 Zoll Displaygröße allerdings deutlich kleiner und deswegen unkomfortabler als mein 24 Zoll Monitor am Kartentisch.

Die Navigationsapp von NV Charts übrigens finde ich auf Touch-Geräten wie einem iPad sehr gelungen, auf einem PC oder Mac ist es aber für mich bisher keine Alternative zu Coastal Explorer. Und das vor allem aus einem einzigen Grund: NV Charts hat keinerlei Unterstützung für eine Tastatur, alles muss mit der Maus bedient werden. Ich kann also die Karte nicht mit den Cursor Tasten hin- und herbewegen oder mit + und – herein- oder heraus zoomen. Daher bleibe ich bei meinem vertrauten und sehr leistungsfähigem Coastal Explorer von Rosepoint.

Bier, Wein, Whisky & Rum und der Zoll in Norwegen

Gerade im Urlaub genießen wir gerne leckere Getränke wie Wein, einen guten Single Malt oder Rum. Norwegen hat da recht strikte Regeln. Da ich alleine einreise könnte ich beispielsweise mitnehmen:

  • 4 Flaschen Wein
  • oder 2 Flaschen Wein und eine Flasche Whisky oder Rum

Das war’s. Für eine dreimonatige Reise, bei der vier Wochen lang vier Personen unterwegs sind, ist das wenig. Natürlich ist eine Lösungsmöglichkeit, einfach keinen Alkohol zu trinken. Nun trinken wir ja aber nicht um des Alkohols willen, sondern weil die Getränke lecker sind und wir gutes Essen & Trinken schätzen.

Die Lösung wird vermutlich sein, sparsam mit dem Wein umzugehen, nur eine Flasche Single Malt oder Rum mitzunehmen und dann einfach weiteren Wein zu verzollen. Das macht der norwegische Zoll einem sehr einfach, mit der App Toll:

Beispielrechnung für eine Person, 15 Flaschen Wein und eine Flasche Rum

In der App kann ich bequem angeben, was ich mitnehme. Ich sehe, was der Zoll dafür kosten wird, und kann auch direkt aus der App heraus bezahlen. Für obiges Beispiel von 15 Flaschen Wein und einer Flasche Rum wären das ungefähr 61 Euro.

In Norwegen selbst gibt es dünnes Bier im Supermarkt und andere alkoholische Getränke in speziellen Läden. Wie die Kosten und Qualität von Wein in diesen Läden ist weiß ich nicht – ich denke, guten Wein mitzunehmen und den Zoll-Obolus dafür zu bezahlen ist die bessere Alternative.

Proviantierung, Organisation von Stauraum und was nicht nach Norwegen mitgenommen werden darf

Nachdem ja nun endlich der Generator ausgezogen ist, habe ich mehr Staumöglichkeiten im Maschinenraum (siehe Ciao Generator Teil 6: Er ist raus!).

Da, wo vorher der Generator war, ist nun Stauraum.

Das wiederum macht Platz in Schapps und Schränken frei, wo Lebensmittel gestaut werden können. Alles, was haltbar ist, werde ich also in größeren Mengen mitnehmen. Auch das mache ich nicht irgendwie, sondern mit System:

  • Es gibt leicht erreichbaren Plätze, wo Lebensmittel für die nächsten Tage lagern („Everyday Storage“).
  • Dazu gibt es sogenannte „Deep Storage“ Orte, in denen größere Vorräte für diese Lebensmittel lagern.

Mir fällt kein guter deutscher Begriff für „Deep Storage“ ein, „tiefes Lager“ verdeutlicht es zwar, klingt aber doof. Ein Deep Storage kann ein Stauraum unter der Bank in der Pantry sein, der nur mühselig erreicht werden kann.

Deep Storage: eine Abseite, dessen Tür nur teilweise aufgeht und daher mühlselig zu erreichen ist.
Erste Vorräte im Deep Storage.

Wenn im Everyday Storage beispielsweise Nudeln, Reis oder die Hafermilch zu Neige gehen, gehe ich „einkaufen“ und fülle die Waren aus dem Deep Storage auf. So habe ich trotz Vorratshaltung beim kochen immer eine Auswahl an Lebensmitteln schnell und einfach erreichbar.

Als einzig für mich relevantes Lebensmittel dürfen übrigens Kartoffeln nicht nach Norwegen eingeführt werden, ansonsten sind bis zu 10kg an frischen Waren wie Käse, Eier, Milch, Wurstwaren etc. erlaubt. Details stehen auf dieser Seite vom norwegischen Zoll.

Arbeiten von unterwegs – Optimierung des Boatoffice

Unter Mein Boot ist mein Büro. Auch im Winter. habe ich beschrieben, wie ich die JULIUS zum Boatoffice ausgebaut habe. Während der An- und Abreise nach Norwegen werde ich in Vollzeit arbeiten und habe meinen Arbeitsplatz noch an zwei Stellen verbessert:

  1. Das Internet für mein Macbook läuft nun mit 5G über ein iPhone 13.
  2. Als Kamera für Videocalls nutze ich eine Logitech Brio statt der eingebauten MacBook Kamera.

Die 5G Verbindung ist tatsächlich deutlich flotter als die 4G, die ich bisher über meinen TP-Link LTE Router genutzt habe. Häufige Aktionen, die ich aus der Ferne auf Systemen im Büro ausführen muss, gehen schneller und in Summe verbringe ich weniger Zeit mit warten. Dazu ist die Qualität und Verlässlichkeit von Teams Videocalls deutlich besser. Der 4G LTE Router bleibt, liefert Internet für andere Geräte und ist ein Backup, falls das iPhone ausfallen sollte.

Die Kamera des MacBook Pro ist gut, hat aber im Boatoffice zwei Nachteile: Sie hat ein enges Gesichtsfeld und wenn ich auf meinen Monitor, der über dem Macbook platziert ist, gucke, werde ich schräg von unten aufgenommen – eine grundsätzlich eher nachteilige Perspektive.

Zuerst hatte ich eine Logitech C920 getestet, die deutlich günstiger als die Brio ist. Deren Bild war aber deutlich schlechter verglichen zu der MacBook Kamera. Mit der Brio dagegen bin ich bisher sehr zufrieden:

So sehen mich die Kollegen:innen durch die Logitech Brio Webcam (Vorschaubild minderer Qualität)

Ich mag deren weiteres Gesichtsfeld, mein Gegenüber sieht nicht nur mich, sondern auch ein wenig von meiner Umgebung. Außerdem kommt die Kamera sehr gut mit verschiedenen Lichtsituationen klar und macht auch bei wenig Licht noch ein erstaunlich gutes Bild. Also wer eine gute Webcam für sein Boat- (oder Homeoffice, sowas soll es ja auch geben… 😁) sucht, dem kann ich die Logitech Brio empfehlen.

Was ich nicht mehr umsetzen werde

Ich wollte einen Abfallentsorger Bort Master Eco installieren, um Biomüll zu zerhäckseln und direkt via Ausguss in die See entsorgen zu können. Das wäre immer noch ein sinnvolles Projekt, aber ich weiß nicht, ob ich in der verbleibenden Zeit noch Lust auf den Aufwand habe. Außerdem ist das ein russisches Produkt, dessen Verfügbarkeit, Zukunft und Ersatzteilversorgung auf viele Jahre vermutlich eher fragwürdig ist.

Grob hatte ich angedacht, meine beiden Raymarine es98 9 Zoll MFDs durch aktuellere Axiom 12 Zoll Versionen zu ersetzen, das Budget habe ich aber nicht mehr dieses Jahr. Die es98 machen alles, was sie sollen, hier herrscht keine Not.

Eine DJI Air 2S Drohne hatte ich auch auf dem Plan. Das ist ein top Gerät, und gerade Norwegen bietet sich landschaftlich an, traumhafte Aufnahmen aus der Luft zu machen. Ich tendiere allerdings eher dazu, mich dagegen zu entscheiden: Wenn ich eine Drohne habe, dann habe ich auch den Anspruch, sie einzusetzen, knappe 1.000 Euro müssen sich ja irgendwie lohnen. Ich werde aber mit Arbeit, Hund und Navigation genug zu tun haben – dann noch „ständig“ tolle Aufnahmen mit der Drohne machen und verarbeiten (!) zu „müssen“ erzeugt gefühlt nur zusätzlichen Streß. Außerdem müsste ich dafür auch noch den Drohnen-Führerschein machen und eine Haftpflichtversicherung abschließen.

Norwegen kann kommen

Ich fühle mein Schiff und mich gut vorbereitet für diesen Törn über drei Monate und ungefähr 1.600 Seemeilen. Es wäre schön, wenn die Technik möglichst wenig Ärger macht – alles andere wird sich finden. Abfahrt ist Anfang Juni.

7 Kommentare zu “3 Monate Norwegen: Vorbereitungen

  1. Carl Gerald Selmer

    im süden gibt es genug supermärkte preise ähnlich
    wie österreich. das waren anbot nicht so große
    auswahl auf mausund gibt es einen kolonialen
    laden mit grundnahrungsmitteln sicher sinnvoll
    einiges was nicht verdirbt wie ital spagetti etc
    mitzunehmen …
    auch habe vor bis trondheim zu segeln
    mein boot ist korvet 14 clr schaun wir mal
    wie weit ich komme

    1. Julian Buß

      Ja, das macht die Reise teuer, keine Frage. Ich konnte noch auf Helgoland bunkern zu 1,39/Liter – was für dortige Verhältnisse auch schon sehr teuer ist (aktuell 1,63/Liter). Es ist für uns die letzte Reise zusammen mit den Kindern, das ist es uns wert.

  2. Hannah

    „Skipper:innen“? Ist es so weit gekommen? Der Blog ist wirklich interessant und sehr gut zu lesen, aber nun auch hier von dieser „woke“-culture heimgesucht zu werden ist wirklich hart.

    1. Julian Buß

      Dinge ändern sich, Sprache ändert sich, damit wirst du leben müssen. Das Bootshobby ist genau so wenig wie andere Bereiche im Leben eine exklusive Männer-Domäne, daher empfinde ich es als unhöflich, weibliche Leserinnen mittels Sprache auszugrenzen. Ich übe die korrekte, höfliche Ansprache seit ein paar Monaten und freue mich, dass sie nun auch langsam Einzug hier im Blog hält.

      Und: Je mehr man das selbst macht, desto mehr gewöhnt man sich dran. Es ist nichts anderes als die Weiterentwicklung der deutschen Sprache. Du schreibst ja auch nicht mehr in Fraktur 😉

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